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Viele Käufe sind über die neue Bad Vilbeler Online-Plattform nicht getätigt worden. Das geht aus einem Bericht hervor, der im Haupt- und Finanzausschuss gegeben worden ist. SCREENSHOT

Mäßiger Erfolg für Online-Plattform

  • Holger Pegelow
    VonHolger Pegelow
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Während der Pandemie mit geschlossenen Geschäften haben Stadt und Stadtmarketing in Bad Vilbel eine Online-Plattform geschaffen. Doch der Erfolg blieb bislang eher bescheiden, wie nun aus einem Bericht von Stadtrat Jürgen Werner hervor geht. Eine erste Forderung nach Einstellung ist laut geworden.

Erst mal sehen, ob’s Vilbel hat!« - Der Slogan klingt flott und soll die Bad Vilbelerinnen und Bad Vilbeler darauf hinweisen, dass sie auch bei den heimischen Geschäften in Zeiten der Corona-Pandemie online einkaufen können. Damit das möglich wird, haben Magistrat, Stadtmarketing, Gewerbering und die digitalen Experten des Bad Vilbeler Unternehmens »blackpoint« das Gemeinschaftsprojekt gestartet. Doch wie läuft das Ganze? Darüber wollten die Grünen genauere Auskunft haben, und so gab der zuständige Stadtrat Jürgen Werner in der jüngsten Sitzung des Haupt- und Finanzausschusses im Kulturforum Dortelweil einen Rechenschaftsbericht. Der fiel nach Meinung etlicher Zuhörer eher bescheiden aus.

105 Personen seien auf der Plattform fest registriert. Die Zahl der Einkäufe hielt sich in Grenzen. Werner zählte beispielsweise für den April 21 Käufe über die Bad Vilbeler Plattform #downtown auf, einen einzigen im Mai, zwei im Juni und zwölf im August. Er kam auf insgesamt 35 Einkäufe.

Immerhin hätten sich 500 Firmen aus Bad Vilbel auflisten lassen. Die Zahl ist deshalb hoch, weil die Auflistung auf der Plattform für die Unternehmen kostenfrei war. Laut Rechenschaftsbericht kostete Stufe zwei aber schon Geld. In dieser Stufe konnten die Firmen Fotos ihrer Waren auf die Plattform stellen. Die dritte Ebene, Profiseller genannt, kostete noch mehr, denn hier wurden die Preise für die Produkte benannt und beispielsweise ein Lieferservice angeboten. Laut Stadtrat Werner hätten sieben Firmen an diesem Profiseller-Angebot teilgenommen.

Deutlich höher als diese Zahlen sind die Kosten, die das Ganze verursacht hat. Werner nannte den Betrag von 36 000 Euro, von denen die Stadt 26 000 Euro übernommen habe, jeweils je 5000 Euro die Sponsoren Hassia und Stada, jeweils weitere 5000 Euro seien vom Stadtmarketing und den Gewerbetreibenden gekommen. »Da ist eine sehr gute Plattform aufgebaut worden, die mehr bietet als die Karbener Plattform«, sagte Werner. Denn der Karbener Marktplatz sei eher ein Schaufenster als ein Verkaufsportal.

Wenig Interesse am Online-Handel

Seitens des Gewerberings habe es geheißen, es habe nicht mehr erreicht werden können. Die Firmen seien eher mit ihren Präsenzverkäufen beschäftigt gewesen. Fazit: »Nur wenige Firmen haben erkannt, wie wichtig der OnlineHandel ist«, sagt Werner. Die Aquise für die Plattform #downtown sei seitens der Firma »zurückgestellt« worden, »weil die Gewerbetreibenden wenig Interesse daran haben«. Für die Grünen kommen die Ergebnisse des Rechenschaftsberichts wenig überraschend. Fraktionschef Jens Matthias: »Hier zeigt sich, dass das nicht funktioniert hat.« Allerdings sei gut, dass man das probiert habe. Er forderte das Angebot einzustellen. CDU-Fraktionschefin Irene Utter meinte, man solle »den Aufwand des ersten Jahres nicht mehr weiterbetreiben«. Allerdings seien die Seiten mit 3000-mal pro Monat relativ oft angeschaut worden. »Das Projekt sollten wir jetzt nicht einfach einstampfen.« Ein künftig neu strukturiertes Stadtmarketing sollte das mit übernehmen.

Bürgermeister Dr. Thomas Stöhr meinte, die Stadt habe in der schwierigen Corona-Situation ständig Kontakt mit den heimischen Firmen gesucht. Das Projekt sei zusammen mit heimischen Firmen entwickelt worden. »Es war gar nicht zu erwarten, dass gleich 50 Firmen auf die Profiseller-Plattform gehen.« Er wolle »nichts schönreden, aber die bisherigen Erkenntnisse nutzen, es weiterzuentwickeln«.

Die weiteren Beratungen müssten sehen, in welcher Form man das Projekt weiterführen könne, sagte SPD-Fraktionschef Christian Kühl.

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