wpa_wz_einesommernacht26_4c_1
+
»Dream Big« - Dieser und weitere Sprüche spiegeln die Enttäuschungen, Ängste, Träume und Wünsche der beiden Protagonisten Bob und Helena wider.

Wechsel möglich!

Liebeskomödie »Eine Sommernacht« feiert Premiere im Theaterkeller

  • VonChristine Fauerbach
    schließen

Auch im von Enttäuschungen geprägten Mittsommer des Lebens ist Wechsel jederzeit möglich. In der Liebeskomödie »Eine Sommernacht« von David Greig treffen die erfolgreiche Scheidungsanwältin Helena (Alice von Lindenau) und der unauffällige Kleinkriminelle Bob (Simon Schwan) aufeinander.

A lle aufstehen. Denkt, ihr seid ein Stock. Und jetzt schicken wir Bob (Simon Schwan) Energie«, lautet Helenas (Alice von Lindenau) Ansage ans Publikum. Das kommt der Aufforderung im Theaterkeller in der Wasserburg umgehend nach. Ob und wie die mentale Unterstützung Bob zu später Stunde hilft, können die Zuschauer in jeder Vorstellung selbst erleben.

Slapstick und Situationswitz

Regisseur Ulrich Cyran holt mit seiner temporeichen mit allerlei Slapstick und Situationswitz angereicherten Inszenierung des »Stückes mit Musik« von David Greig »Eine Sommernacht« eine schräge Geschichte in Ritter Bechtram’s Kellergewölbe. Immer wieder richten die beiden Darsteller das Wort an die Zuschauer, beziehen diese mit in die Handlung ein. Ausstatterin Dorothea Mines hat das Bühnenbild aus transportablen Metallzaunelementen gestaltet. Diese gestatten Ein- und Ausblicke, lassen Wechsel zu und Hoffnungen durch.

In der magischen Mittsommernacht leuchten anstelle von Sternen bunte Neonlichter ins Dunkel des Zuschauerraums. Ihre Botschaften lauten »Love is a losing game«, »Dream big«, »Stay wild« und »Break the rules«. Die gängigen Mantras des 21. Jahrhunderts spiegeln die Enttäuschungen, Ängste, Träume und Wünsche der beiden Protagonisten Bob und Helena wider.

Ein Date der erfolgreichen wie desillusionierten Scheidungsanwältin Helena ist geplatzt. Die weinende Helena hat zwar Geld, aber weniger Liebe und Glück als ihre Klientinnen, »all die dumpfen, verwirrten Frauen«, die sie Rindviecher nennt. Ihren Kummer betäubt die 35-Jährige in einer Bar mit Alkohol. »Wollen sie sich mit mir betrinken Bob? Was sagen sie?«, fragt die Frau im schwarzen Kleid. »Ja, ich sage ja«, lautet die Antwort von Bob, der auf seinen nächsten Auftrag wartet.

Immer in neue Rollen schlüpfen

Kummer in Kombination mit herandämmernder Midlife-Crisis und literweise Alkohol münden in Sex und Ekstase der beiden Suchenden. »Und danach lag Helena im Dunkeln in Bobs Armen und fühlte sich wieder einsam.« In Rückblenden erfahren die Zuschauer, dass es mit Bob’s Karriere seit dem Ende der Schulzeit steil bergab ging. 1987 war er noch Straßenmusiker, strahlender Stern an der Highschool und mit dem schönsten Mädchen zusammen. Jetzt denkt er daran, dass er in seinem Alter zum Männergesundheits-TÜV gehen sollte.

Die zielstrebige Helena hat Karriere gemacht, glaubt nicht an die große Liebe, schlüpft auf Hochzeiten in die Rolle der Brautjungfer. Am nächsten Morgen hängen beide über der Toilettenschüssel, zahlen die Rechnung für ihren übermäßigen Alkoholkonsum, suchen nach den Erinnerungen der letzten Nacht. »Bob hat heute Geburtstag!«, verkündet Helena. Sie ist Brautjungfer, bereits zum sechsten Mal.

Und dann trifft sie unverhofft ihren One-Night-Stand Bob wieder. Sie im ramponierten, vollgekotzten Kleid, Bob mit 15 000 Pfund für ein gestohlenes rosa Autos in der Plastiktüte. »Die Bank macht erst wieder am Montag auf«, sagt Bob. Und beschließt, das Geld nicht dem Gangsterboss zu geben, sondern mit Helena auf den Kopf zu hauen. »Bob sagt, dass die Wahrheit nicht so wichtig ist, es kommt aufs Gefühl an«, teilt Helena mit. »Man könnte meinen, das Leben ist ein Pokerspiel«, findet Bob. »Aber es ist höchstens eine Patience.«

Das Paar konsumiert Alkohol und Hummer, Bob kauft sich die Gitarre seiner Träume, beide lassen es krachen und verbringen den Rest der Nacht im teuersten Zimmer des Hotel. Am nächsten Morgen ist nicht nur gewiss, dass die Nächte nach Mittsommer wieder länger werden. Mitten im Lebensüberdruss des Paares dämmert auch ein unerwartet neues Glück mit der Botschaft »Wechsel möglich« herauf.

Immer wieder schlüpfen die beiden Darsteller im von Valentin von Lindenau musikalisch unterstützten Zwei-Personen-Stück mit vollem mimischem und gestischem Einsatz in unterschiedlichste Rollen. Sie wechseln vor und hinter die Metallgitter, rezitieren den Text, verleihen dessen pointierten Bildern und Metaphern Leben, kommentieren ironisch die Handlung.

Regieassistentin Sara Niemeyer und Dramaturgin Ruth Schröfel vervollständigen den künstlerischen Stab der sehenswerten Burgfestspielinszenierung.

Alle Informationen zu den Burgfestspielen gibt es unter www.kultur-bad-vilbel.de/burgfestspiele/ . Termine und Karten für »Eine Sommernacht« gibt es unter www.kultur-bad-vilbel.de/ burgfestspiele/programm/2021/eine-sommernacht. red

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare