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Leise Klänge mit großem Gefühlskino

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Bad Vilbel. Talkmaster Reinhold Beckmann erkennt man ganz leicht auf der Bühne: Er ist der Einzige, der mit Krawatte auftritt. Wer den Moderator sonst nur aus dem Fernsehen kennt, erlebt den 55-Jährigen ab sofort auch von einer anderen Seite. Er singt und spielt Gitarre. Für den Auftakt seiner Deutschlandtour haben sich »Beckmann und Band« die Alte Mühle ausgesucht.

Beckmann wirft sich lässig auf den Barhocker und beginnt ohne große Umschweife zu singen. Was aber eher die Variabilität von Sprechgesang aufweist, als die Tiefe großer Sangeskunst. Die Band, das scheint auch unter den Zuschauern so gesehen zu werden, ist gut. Von Studiojazz über Bossa Nova bis zu sehr unterschiedlich gefärbten Klangteppichen beherrschen die Profimusiker Dominik Pobot (Gitarre), Thomas Biller (Bass), Helge Zumdieck (Schlagzeug) und Jan-Peter Klöpfel (Klavier, Flügelhorn, Akkordeon und Trompete) ihr Handwerk perfekt und mit viel Herz. Die Musiker spielen zum Teil handgemachten Country, jazzen, was die Instrumente hergeben, oder lassen Reggae erklingen.

Sie begleiten Beckmann (Gesang/Gitarre) nicht nur, sie bilden überhaupt erst die Bühne, auf der er seine selbst getexteten Balladen darbieten kann. Dabei liegt er gesanglich im Niemandsland zwischen Udo Lindenberg, Klaus Lage und Lena Meyer-Landruth. Denn manche seiner Texte werden ein wenig von den virtuosen Klängen der Band überdeckt.

Der Moderator bietet textlich das große Gefühlskino: Von Liebeslust und -frust mit der Sehnsucht nach der ersten großen Liebe. Oder er lässt die Damen mit dem »Hypochonder-Song« tief in die Abgründe männlicher Leidensfähigkeit blicken. Beckmann sitzt dabei auf dem Barhocker und wippt mit den Füßen. Manchmal sieht es so aus, als wolle er auch tanzen. Das wiederum scheint der hohe Sitz zu verhindern. Und wenn ein Stück besonders gut gelungen ist, lehnt er sich zurück und zeigt seine geriffelten Stiefelsohlen. Nur einmal frönt der »passionierte Hobbygitarrist«, wie er sich selbst nennt, an diesem Abend wirklich seiner Leidenschaft: Für den Bossa Nova steht Beckmann auf und greift zusätzlich zum eigenen Gesang selbst in die Saiten. Das fügt sich gut in die Klanglandschaft aus Akkordeon, Bass und Percussion ein.

Das Publikum machte es »Beckmann und Band« nicht allzu leicht. In der ersten Hälfte verhielt es sich zunächst etwas defensiv, um dann nach der Pause aus der »Deckung« zu kommen und mitzusingen. Was dazu führte, dass Beckmann zwei Mal in die Verlängerung gehen durfte. »Ich hatte Lampenfieber und war nervös«, gibt der sonst so gewiefte Entertainer am Ende zu und freute sich sichtlich über die recht gelungene Premiere.

Andreas Hofmann

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