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Ganz in seinem Element: Georg Ringsgwandl beim Auftritt in der Wasserburg.

Laut und leise, frech und charmant

  • VonAnne-Rose Dostalek
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Bad Vilbel (dos). Altenarbeit bis nachts um halb elf? Für Georgs Ringsgwandl (72) kein Thema. Zwar blickt der bayerische Musiker und Kabarettist ringsgwandlerisch knarzig auf die Uhr, als das Publikum bei den Burgfestspielen nach zwei Stunden Bühnenshow »Wuide unterwegs« frenetisch nach einer Zugabe verlangt. Aber dann lässt er sich nicht lange bitten und legt noch einen drauf.

Nicht mit dem Titelsong »Wuide unterwegs« (»Heut san lauter Wilde unterwegs«), sondern mit einem anderen widerborstigen Klassiker, dem Lied »Hühnerarsch sei wachsam«. Begleitet wird er dabei von seiner Band, den drei jungen Musikern Daniel Stelter, Tommy Baldu und Christian Diener, die für den rockigen Gesamteindruck sorgen, aber auch leise Songs, Folk und Shuffle können und mit Soli glänzen.

Von Rock bis Volksmusik

Wenn Tommy Baldu wie entfesselt am Schlagzeug loslegt und Daniel Stelter seiner E-Gitarre perlenden Klang und jazzige Rhythmen entreißt, jubelt das Publikum. Dann tritt Georg Ringsgwandl bescheiden zur Seite, lässt den jungen Musikern ihren Platz und dankt am Schluss dem Publikum mit einem anmutigen tiefen Diener.

Georg Ringsgwandl ist seit vielen Jahren auf der Bühne unterwegs und hat mittlerweile zwölf Alben aufgelegt und mehrere Musiktheaterstücke geschrieben. »Andacht und Radau« heißt sein jüngstes Album, erschienen 2019. Aktuell ist er auf Tournee quer durch die Republik und hat alte und neue Songs im Gepäck. Seinen bürgerlichen Beruf als Kardiologe hat der Doktor der Medizin Mitte der Achtzigerjahre aufgegeben, als er zunehmend Spaß bei seinen Bühnenauftritten vor heimischen Publikum als Liedermacher, Kabarettist und schriller Unterhaltungskünstler hatte. Er hatte Erfolg und wurde bekannt mit seinen Liedern, in denen er das Absurde, Abseitige und Spießbürgerliche im Leben der Leute besingt. Ausgezeichnet wurde er mit mehreren Musik- und Kleinkunstpreisen, Musikalisch reicht seine Bandbreite von Rock, dem er sich besonders verbunden fühlt, bis zu Blues, Country, Volksmusik und Anleihen bei Funk und Punk. Sein Instrument ist die Gitarre, aber auch Zither kann er spielen und auf das Keyboard einhämmern, um einen Sprechsong loszuwerden.

Mit seinen aktuellen Programm »Wuide unterwegs« knüpft er an die Erfolge der früheren Alben an, singt die »wilden« Songs, frech und gegen den Strich gebürstet, oft derb und bitterböse, denn Ringsgwandl schaut den Leuten ausgesprochen gerne »aufs Maul« und in die Herzen. Wild und rockig ist er immer noch gerne und seine jungen Musiker unterstreichen das kongenial. Aber er entlockt seiner akustischen »Wandergitarre«, gekauft in jungen Jahren in Hamburg und lange vergessen im Keller, auch gerne leisere Töne.

Mit Lust am Detail und Hüftschwung

Liebevoll-abseitig besingt er das Unterhöschen, das da im Grase liegt und von einer leidenschaftlichen Begegnung zweier Menschen zeugt. Der Gassi-Hund schnuppert am Latexgummi, will er es etwa fressen? Dem Zuhörer grausts, Ringsgwandl grinst und macht weiter im Text, in dem es um ein bisschen Gaudi auf dem Liegesitz eines Autos geht. Vom geruhsamen Leben auf der Alm erzählt das Kuh-Lied, in dem er artgerecht »Muh« macht und die Kuh nach Herzenslust Heu fressen darf und auf die Wiesn scheißt. »Ich wollt, ich wäre eine Kuh« - entscheiden über seinen Lebensentwurf kann jeder selbst, und Ringsgwandl nimmt viele Menschen und Situationen aufs Korn - humorig, kritisch, schräg und mit Lust am Detail. Dabei wechselt er von der akustischen Gitarre zur E-Gitarre, der bayerische Hut mit schmaler Krempe wird wahlweise gegen eine Wollmütze ausgewechselt. Das Sakko hängt längst am Stuhl und der locker gebundene Schlips ist gänzlich verschwunden.

Ringsgwandl inszeniert seine Lieder und sich selbst auf eine sehr charmante, unprätentiöse Art. Mit Hüftschwüngen, bei denen er mit seinem Alter schäkert. Und am Schluss kommt die ungewohnte tiefe Verbeugung, mit der er seinem begeisterten Publikum Dank und Respekt bezeugt.

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