Steuererklärung
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Eltern müssen oft genau rechnen: Wenn das Kind noch in der Ausbildung ist, können bestimmte Kosten vielleicht steuerlich geltend gemacht werden. Foto: Benjamin Nolte/dpa-tmn

Steuer durch Kurzarbeit

Steuererklärung: „Böses Erwachen“ durch Kurzarbeit –Experte gibt Tipps

  • vonPatrick Eickhoff
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Fachanwalt für Steuerrecht Thomas Borchert arbeitet beim Verein „Vereinigte Lohnsteuerhilfe“ in Bad Vilbel. „Für einige kann es ein böses Erwachen geben“, sagt er zu Kurzarbeit und Homeoffice.

  • Homeoffice und Kurzarbeit haben den Arbeitsalltag für viele Angestellte radikal verändert.
  • Nun warnt Steuerfachanwalt Thomas Borchert aus Bad Vilbel vor Steuernachzahlungen.
  • Bei der Steuererklärung droht ein „böses Erwachen“
  • Der Steuer-Experte empfiehlt: Geld zur Seite legen, Investitionen vorplanen.

Bad Vilbel - Etwas länger schlafen, entspannt den Laptop hochfahren und noch gemütlich einen Kaffee kochen. Von zu Hause aus zu arbeiten, hat viele Vorteile. Das weiß auch Rechtsanwalt Thomas Borchert. »Begriffe wie Homeoffice und dann noch die neue Fünf-Euro-Pauschale für jeden Tag im Homeoffice - das klingt alles sehr arbeitnehmerfreundlich«, sagt er. »Ist es aber nicht zwingend.«

Mit der Homeoffice-Pauschale soll möglich gemacht werden, den heimischen Arbeitsplatz bei der Steuererklärung geltend zu machen, und entstandene Kosten aufzufangen. »Diese Pauschale gilt jedoch nur für maximal 120 Tage - also 600 Euro. Sollte die Pauschale wie andere Werbungskosten behandelt werden, profitieren nur diejenigen, die über 1000 Euro kommen.« Thomas Borchert rechnet vor: »Wer von Januar bis März mit dem Auto 15 Kilometer auf die Arbeit gefahren ist, macht 270 Euro geltend. 120 Tage mal fünf Euro sind zusätzliche 600 Euro. Das macht zusammen 870. Das heißt: Es gibt nichts.«

Steuern und Kurzarbeit: Maßnahmen nicht richtig erläutert

Homeoffice ist eins der Spezialgebiete des 51-Jährigen. Das andere: Kurzarbeit. Thomas Borchert ist sich sicher: »Die meisten wissen gar nicht, dass es zu sehr hohen Nachzahlungen kommen kann.« Der Fachanwalt spricht vom sogenannten Progressionsvorbehalt. Und dieser hat es in sich. Borchert erläutert: »Bei einem jährlichen zu versteuernden Entgelt von 20 000 Euro, zahlen Sie beispielsweise 20 Prozent Steuern. Das macht 4000 Euro. Jetzt kommen allerdings beispielsweise 10 000 Euro Kurzarbeitergeld hinzu.« Borchert nimmt einen Steuersatz von 30 Prozent an. »Allerdings werden die 30 Prozent Steuer nicht auf 30 000 sondern auf 20 000 Euro gerechnet. Schon werden aus 4000 Euro mal eben 6000 Euro.« Das hätten die meisten Arbeitnehmer nicht auf dem Schirm.

Der Fachanwalt für Steuerrecht, Thomas Borchert, erwartet im kommenden Jahr einen Ansturm. Und zwar, »wenn die Leute an ihrer Steuererklärung sitzen und merken, dass das gar nicht so toll ist mit der Kurzarbeit«.

Thomas Borchert rät: »Lieber jetzt schon einen Monat Geld zur Seite legen und sparen, bevor die Nachzahlungen einen aus heiterem Himmel treffen.« Es werde eben nicht klar kommuniziert, dass das Kurzarbeitergeld zwar helfe, es aber zu Rückzahlungen kommen kann. »Die meisten Leute haben andere Sorgen in diesen Zeiten und das ist auch verständlich. Leider folgt dann bei manchen das böse Erwachen.«

Steuern und Kurzarbeit: Gefährliches Halbwissen

Einige Mandanten hätten sich bereits nach dem Thema erkundigt. »Tendenziell ist es derzeit aber eher ruhig«, sagt Borchert. »Der große Ansturm wird im kommenden Jahr erfolgen, wenn die Leute an ihrer Steuererklärung sitzen und merken, dass das gar nicht so toll ist mit der Kurzarbeit.«

Thomas Borchert skizziert das Beispiel eines Werkmitarbeiters, der von Januar bis März noch gearbeitet hat und ab April in 100 Prozent Kurzarbeit ist. »Er sitzt zu Hause und hat nichts zu tun, weil die Firma keine Aufträge hat oder eben nicht produziert. Im Worst Case schließt diese Firma. Der Werksarbeiter meldet sich schließlich arbeitslos, bezieht anschließend Hartz IV. Wenn dann eine Steuernachzahlung ins Haus flattert, dann sind selbst kleine Beträge schwierig zu zahlen.« Deshalb rät der Rechtsanwalt dazu, das Gespräch mit einem Experten zu suchen. »Den einen perfekten Tipp gibt es nicht. Allerdings gibt es viele Möglichkeiten und Optionen. Da muss aber drüber gesprochen werden.« Einfach mal im Internet gucken, sei nicht der richtige Weg. »Gefährliches Halbwissen nützt nichts.« Ein spezieller Fall, den man klären müsste, wäre der eines separaten Arbeitszimmers. »Denn dann wird anders gerechnet.« Wer zum Beispiel die Möglichkeit habe, Krankheitskosten anzugeben, solle dies noch tun. »Ein Implantat oder eine Gleitsichtbrille können Lösungen sein, aber auch das muss man sich leisten können.«

Steuern, Kurzarbeit und Homeoffice: Rechtsanwälte haben viel zu tun

Mehr Fragen, mehr Mandanten. Die Rechtsanwälte und Steuerberater haben alle Hände voll zu tun. »Ich würde schon sagen, dass wir zu den Gewinnern dieser Krise gehören«, sagt Borchert, der hofft, dass viele sich früh-zeitig um ihre Steuern kümmern. »Es geht nicht um mich, sondern darum, dass nicht kommuniziert wird, dass auf viele Menschen eventuell eine hohe Steuernachzahlung wartet. Nach einem solchen Jahr kann das nun wirklich niemand gebrauchen.« (wpa)

Kontakt zu den Steuer-Experten

Der Verein »Vereinigte Lohnsteuerhilfe« sitzt in Bad Vilbel in der Kurt-Moosdorf-Straße 9. Der Anwalt Thomas Borchert ist unter der Nummer 0 61 01/98 38 86 (Anrufbeantworter) oder per E-Mail an thomas.borchert@vlh.de zu erreichen. Die Öffnungszeiten des Büros in Bad Vilbel sind montags bis freitags von 9 bis 11.30 Uhr sowie von 14 bis 17 Uhr.

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