Kurpark entstand nach Siesmayer-Plan

Bad Vilbel (süd). Für Claus-Günther Kunzmann, Vorsitzender des Vereins für Geschichte und Heimatpflege, ist es "eine Sensation": Der Kurpark wurde nicht 1930 erschaffen, sondern erst Ende 1933 angelegt. Nachweisen kann er außerdem erstmals durch Pläne, die jetzt entdeckt wurden, dass der Park von Philipp Siesmayer, außerordentlich renommierter und berühmter Gartenarchitekt und Sohn von Heinrich, gestaltet wurde.

Entsprechende Zeichnungen hat Kunzmann aus dem Nachlass von Wilhelm Beuler und dessen Sohn Hermann bekommen, die er als "spektakulären Fund" bezeichnet. Zusammen mit der Kulturamts-Mitarbeiterin Annette Zindel-Strauß erläuterte Kunzmann, dass somit bisher immer falsch über die Entstehung des Parks berichtet worden ist, wonach er 1930 erschaffen worden sei - schon vor dem Umbau des Volkshauses in ein Kurhaus. "Das ist komplett falsch." Die Träger-GmbH des 1927/28 errichteten Volkshauses - eine reine Versammlungsstätte mit einem kleinen Festplatz nebenan - musste 1931 Konkurs anmelden. Die Stadt hat dann das Haus übernommen und zum Kurhaus mit Kurmittelhaus erweitert, um den bisher privaten Badbetrieb von Carl Brod zu erweitern. Dieses Projekt hätten auch die Nationalsozialisten nach der Machtergreifung fortgesetzt.

Am 5. und 6. August 1933 wurde das Kurhaus eröffnet. Erst danach wurden die Grundlagen für den Kurpark gelegt. Die Pläne von Siesmayer, die dem zugrunde liegen, datieren vom 10. November 1933 und tragen die Aufschrift "Neuer Kurpark Bad Vilbel".

Wie Kunzmann erläuterte, begann noch im selben Jahr die Gestaltung des Kurparks in Richtung Bahn nach diesen Plänen, für die mit großem Aufwand Bäume und Sträucher aus der 1877 angelegten Siesmayerschen Gärtnerei und Baumschule in der heutigen Siedlung in der Nähe des Südbahnhofs in den Park gebracht wurden - das Familienunternehmen war seit 1932 pleite. Auch Erwerbslose wurden zu diesen Arbeiten im Kurpark herangezogen. Die Fertigstellung datiert Kunzmann auf das Frühjahr 1934. Auch der Ausbau des Parks zwischen Kurhaus bis etwa zum heutigen Römer-Mosaik geschah auf Grundlage des Siesmayer-Plans. Allerdings wurde dieser hier mit einem Entwurf für das Krieger-Ehrenmal vom 28. März 1934 vermischt, den der Kriegerverein nach einer Ausschreibung ausgewählt hatte. Wilhelm Beuler war dessen Vorsitzender, die Pläne deshalb in seinem Besitz. Hier rief die Stadt, die kein Geld hatte, die Bevölkerung zur Mitarbeit auf. An der Nidda entstand im Zuge der Anlage des Parks eine durchgängige stadtbildprägende Pappelreihe.

Da die Siesmayer-Pläne nun nachweislich Grundlage für die Anlage des Kurparks sind, kann sich Kunzmann vorstellen, im Bereich des 1877 gegründeten Pflanzengartens einen noch existierenden Grünstreifen an der Goethestraße als Ort der Erinnerung an Siesmayer zu gestalten. Zudem könne überlegt werden, im Park die Wege wieder - wie in den Original-Plänen - zu halbrunden Flanierwegen umzugestalten. Der Nachteil: Es wären nicht mehr die kürzesten Verbindungen.

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