Mithilfe eines Beamers projizieren Nicole Wächtler (l.) und Ingrid Strohkark das Foto auf die Pappelholzplatte.
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Mithilfe eines Beamers projizieren Nicole Wächtler (l.) und Ingrid Strohkark das Foto auf die Pappelholzplatte.

Bad Vilbeler Profile

Kunstprojekt rückt Gesichter in den Mittelpunkt

  • vonChristine Fauerbach
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Das Kunstprojekt "Faces 2020 - Gesichter unserer Stadt" findet bei den Bad Vilbelern großen Anklang. 40 Frauen und Männer lassen ihr Profil in Holz-Skulpturen verewigen.

P orträts faszinieren Menschen schon immer. Zu allen Zeiten seit dem Altertum genossen Porträtmaler hohes Ansehen. Das 16. Jahrhundert gilt als die Blütezeit des Porträts. Viele berühmte Maler und Bildhauer, später auch Fotografen, fertigen oder fertigten Porträts an. Die Bandbreite bei Malern reichte von Leonardo da Vinci, Raffael und Tizian über Albrecht Dürer und Lucas Cranach dem Älteren bis zu Max Beckmann, Oskar Kokoschka, Otto Dix und Picasso.

Terrasse als Arbeitsplatz

Je nach Verwendungszweck, ob als Gemälde, Büste, Statue oder Grabmal, werden Porträts naturgetreu, schmeichelnd, stilisiert oder idealisiert angefertigt. Die Schwerpunkte der Darstellung sind abhängig von den Persönlichkeiten, dem Auftrag, der Zeit und ihrer Kulturauffassung. Gemeinsam ist allen Porträts, dass sie die Persönlichkeit des Porträtierten zum Ausdruck bringen wollen.

In die Fußstapfen großer Porträtisten wollen die Künstlerinnen Nicole Wächtler und Dr. Ingrid Strohkark mit ihrem neuen Projekt "Faces 2020 - Gesichter unserer Stadt" treten. Die Mitglieder des Kunstvereins Bad Vilbel stellen Profile und damit halb zur Seite gedrehte Gesichter in den Mittelpunkt ihrer Arbeiten.

Sie sind damit beschäftigt, die Skulpturen für Ausstellung, öffentlichen und privaten Raum anzufertigen. Bei der Arbeit zusehen kann man dem kreativen Duo mit Glück auf der Terrasse des Kunstvereins beim Aussägen der 40 bis 60 Zentimeter großen Profil-Silhouetten per Hand mit einer Stichsäge aus Pappelholzplatten. Zuvor haben die beiden, die an sie eingesandten Digitalfotos der Bürger auf die 50 x 80 Zentimeter großen Platten projiziert und dann die Konturen nachgezeichnet. "Durch das Beamen der Fotos haben alle 40 Porträts die gleiche Position auf der Platte", informiert Dr. Ingrid Strohkark.

Die Künstler unterstützen

Nach dem Aussägen der "Faces" werden diese geschliffen und eingeölt. "Dadurch kommen Maserung und Holzoptik des Pappelholzes besonders gut heraus", freut sich Wächtler. Später könnten die Abgebildeten bei Gefallen ihre Skulpturen auch einfarbig kolorieren. Anmeldeschluss für die Teilnahme am Kunstprojekt war der 9. Oktober. "Wir haben 40 Leute aus allen Alters- und Bevölkerungsschichten porträtiert. Je zur Hälfe Frauen und Männer", berichtet Wächtler.

Die Skulpturen sollen stellvertretend für die einzelnen Menschen der Gemeinschaft in der Stadt stehen. "Mit der Teilnahme an unserem Kunstprojekt zeigen die Bürger, dass es für sie trotz der Corona-Pandemie ein vertrauensvolles Miteinander und einen starken Zusammenhalt in der Kommune gibt", informieren die Künstlerinnen.

Dazu gehören auch Bürger, die nicht gern im Vordergrund stehen wie Heike Schloßhan-Salomon. Sie hat das Projekt zufällig auf der Homepage des Kunstvereins entdeckt. "Ich fühle mich mit dem Kunstverein verbunden. Mein Sohn Lennart hat hier in den Ferien bereits viele Kurse besucht. Mit meiner Teilnahme an "Faces" möchte ich die Künstler unterstützen, die in Corona-Zeiten bestimmte Kunstpro-jekte nicht umsetzen können. Mir kommt entgegen, dass die "Faces" nur die Silhouette sprich das Profil abbilden." "Nach der Ausstellung in der Sparda-Bank-Filiale können die Teilnehmer sich ihre Faces mit nach Hause nehmen oder sie uns zuvor für weitere Aktionen zur Verfügung stellen", kündigen die Künstlerinnen an. Zu den von ihnen nach der Ausstellung favorisierten Kunstformaten gehören Wanderausstellungen, das Zeigen der Faces und der ihnen zugrunde liegenden Fotos in den Schaufenstern örtlicher Geschäfte. "Wir möchten das Kunstprojekt "Faces 2020" weiterführen mit Einheimischen und Neubürgern", kündigen Wächtler und Strohkark an.

Präsentiert werden die "Faces 2020" in einer Ausstellung vom 2. bis 27. November 2020 in der örtlichen Filiale der Sparda Bank Hessen, Frankfurter Straße 113. Die Genossenschaftsbank hat das Projekt auch mit einer Spende gefördert. Die Besucher werden gebeten, sich auf www.kunstverein-badvilbel.de oder vor Ort anzumelden.

Zeitgleich ist das Ensemble als "Faces 2020" auch digital zu sehen. cf

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