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Malte Sänger zeigt Fotografien, die er geschossen hat, während er mit einer Dokumentarfilmer-Crew um die halbe Welt gereist ist. Die Bilder hat er auch in einem Buchband veröffentlicht.

Mit der Kunst von Vilbel nach Mexiko

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Bad Vilbel(cf). Mit Können und Talent behauptet sich der Bad Vilbeler Malte Sänger in der Welt der Filmer und Fotografen. Der 32-Jährige lebt seit seinem vierten Lebensjahr in Dortelweil. Den Grundstein für seine heutige Karriere legte er während seiner Schulzeit an der Kurt-Schumacher-Schule in Karben (KSS). Dort leitete er zusammen mit drei Schulfreunden "Kurt TV". "Wir drehten oft Filme statt Aufsätze zu schreiben", erzählt Sänger. "Dabei haben wir die Grundlagen des Filmemachens und die Technik gelernt."

Mit der Filmcrew um die Welt

Nach dem Schulabschluss machte er ein Praktikum beim HR-Fernsehen, bei einem Frankfurter Werbefotografen und schließlich beim Mainzer Kameramann Ralf Gemmecke. In dessen Crew bekam er kurz darauf eine Festanstellung als Ton- und Kameraassistent. Sänger: "Wir haben für Filmproduktionen zahlreicher Dokumentarfilme im In- und Ausland gedreht. Für das ZDF, ARTE. Und wir haben viele "TerraX"-Dokumentationen gemacht. Es war eine spannende Zeit. Vor allem, da ich sprichwörtlich ins kalte Wasser geschmissen wurde." Der Berufsanfänger musste die gesamte Filmtechnik beherrschen. Einen zwölf Meter hohen Kamerakran aufbauen und bedienen sowie als Tontechniker live Tonmischungen machen, während er die Tonangel hielt. "Es war eine sehr große Chance auf einem sehr hohen Niveau."

Gedreht wurde in Syrien, Usbekistan, Brasilien, Kambodscha oder Katar. Dabei hat der er viel erlebt. Etwa in den Favelas in Rio de Janeiro. "Vor uns lief ein Priester mit Kreuz, wir mit der Kamera hinterher. Vorbei an bewaffneten Gangstern und bewaffneten Kindern in Badehosen."

In Indonesien recherchierte das Team den Ursprung der Muskatnuss, in Kambodscha interviewte er Kriegsveteranen. "Wir haben dort eine alte Frau, eine als "Todesengel von Saigon" berühmt gewordene Widerstandskämpferin, getroffen. Sie erzählte uns lächelnd von den vielen schönen, jungen amerikanischen Soldaten, die sie tötete". Solche Begegnungen gab es bei Dreharbeiten am laufenden Band. Kontrastprogramm und unvergessen ist auch ein Essen mitten in der Wüste auf Einladung des Emirs von Katar.

Nach diesem Job studierte Malte Sänger an der Hochschule für Gestaltung in Offenbach Kunst. Mit den Schwerpunkten Film, Fotografie, Philosophie und Ästhetik. Mit dem Diplom als Designer verließ er 2018 die Uni. Heute träumt er davon, mithilfe eines Stipendiums seinen "Master of Fine Arts" im Ausland, am liebsten an der Uni in Los Angeles zu machen. "Während meines Kunststudiums haben ganz viele, tolle Dinge geklappt", sagt Sänger. So hat die Sammlung "Art Collection" der Deutsche Börse Arbeiten von ihm aufgenommen.

2015 erhielt er für seine Arbeit "Partition" den "Photography Foundation and HfG Award". Er zeigte Fotografien von 19 alten, auf dem Müll gelandeten Festplatten. Ihre Daten stellte er wieder her und der vermeintliche Elektroschrott verwandelte sich in eine Fundgrube für Sorgen, Nöte, sexuelle Fantasien, aber auch Krankheitsbefunde und Kontodaten um.

Metadaten als Kunstwerk

Mittlerweile stellt Malte Sänger international aus. Das Pariser Goethe-Institut zeigte im vergangenen Jahr seine Arbeiten. Für seine Diplomarbeit "Abdrücke" zeigte er Fluchtrouten anhand von Fotos, die Geflüchtete in den Sozialen Netzwerken veröffentlicht hatten. Der Clou: Sänger las die Metadaten der Bilder aus und fand heraus, wann und wo eine Aufnahme gemacht worden war. "Die Fotos waren eine Art Lebenszeichen für die Angehörigen", erklärt er. Die Ausstellung tourt um die Welt, ist gerade in Mexiko zu sehen. Jüngst ist sein Buch "Shifting Baselines" - mit "klassischen dokumentarischen Arbeiten", mit dem Deutschen Fotobuchpreis in Silber ausgezeichnet worden. Es zeigt 71 Fotografien, die er während der Reisen, die er mit der Filmcrew unternahm, machte.

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