Jürgen Werner und Corinna Probst ziehen eine positive Bilanz des Musikschuljahres 2020. Der Großteil des Unterrichts konnte, auch in digitaler Form, aufrecht erhalten werden, die Eltern haben die Schule unterstützt. 	FOTO: HOLGER PEGLOW
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Jürgen Werner und Corinna Probst ziehen eine positive Bilanz des Musikschuljahres 2020. Der Großteil des Unterrichts konnte, auch in digitaler Form, aufrecht erhalten werden, die Eltern haben die Schule unterstützt. FOTO: HOLGER PEGLOW

Musikschule Bad Vilbel und Karben

Bad Vilbel und Karben: Hessens drittgrößte Musikschule geht kreativ durch Lockdown

  • Holger Pegelow
    vonHolger Pegelow
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Während in vielen Schulen seit März kaum Fortschritte bei der Umstellung auf digitalen Unterricht erzielt worden sind, ist das bei der Musikschule für Bad Vilbel und Karben ganz anders.

  • Die Vorsitzenden des Trägervereins der Musikschule Bad Vilbel und Karben sind zufrieden mit dem Corona-Jahr.
  • Die drittgrößte Musikschule Hessens wurde während der Lockdowns kreativ und bietet Online-Unterricht an.
  • Auch die Eltern der 3800 Wetterauer Musikschüler sind dankbar über das neue Angebot.

Jürgen Werner ist zufrieden. »Wir hatten 100 Besucher, und das Wetter war traumhaft«, sagt der Vorsitzende des Trägervereins der Musikschule Bad Vilbel und Karben. Gemeint hat er damit das Open-Air-Konzert auf Picknick-Decken im Karbener Jugendkulturzentrum. »Und in Bad Vilbel haben wir den letzten Tag genutzt, an dem die Tribüne für das Sommertheater in der Burg aufgebaut war. Auch das Konzert war sehr erfolgreich.«

An diese beiden Veranstaltungen können sich Werner wie auch Musikschulleiterin Corinna Probst sehr genau erinnern. Denn viele öffentliche Konzerte hat es im Jahr der Corona-Pandemie nicht gegeben. »Wir haben vielleicht ein Viertel der Konzerte gemacht, die geplant waren.«

Bad Vilbel und Karben: Drittgrößte Musikschule in Hessen

Dennoch: Die Verantwortlichen der mittlerweile drittgrößten Musikschule in Hessen ziehen ein sehr positives Fazit für das schwierige Jahr 2020. Während andere Einrichtungen massiv unter den Auswirkungen der Pandemie gelitten haben, hat sich die Musikschule trotz widriger Umstände bestens geschlagen. »Für uns war es ein recht dankbares Jahr«, sagt die Musikschulleiterin.

Natürlich haben auch die Verantwortlichen der Schule auf die Krise reagieren müssen. Als der erste Lockdown verhängt wurde, mussten 85 Prozent der fest angestellten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Kurzarbeit. Aber: Als der erste Lockdown beendet war, sei man »relativ schnell wieder bei einem Beschäftigungsumfang von 90 Prozent« gewesen, hat die Schulleiterin notiert. Dass sich die Pandemie auf das Unterrichtsangebot ausgewirkt hat, wird nicht bestritten.

Die Zahlen der Bilanz für 2020 sprechen eine deutliche Sprache: In nur zwei der 23 Kindertagesstätten im Süden der Wetterau gab es das Gruppenangebot »Musikalische Kindertagesstätte« (Mukita). »Das liegt in erster Linie daran, dass wir nicht in alle Räume konnten«, erklärt Probst. Konkret bedeutet das: Eine Musiklehrerin geht zu den Kindern in die Kita. Das war während des Lockdowns aber nicht möglich. Ähnlich war es mit den Kursen zur musikalischen Früherziehung, die in den Räumen der Schule liefen. Hier konnten lediglich fünf von 15 Angeboten realisiert werden. Schließlich litt auch das dritte Angebot des sogenannten Elementarbereichs unter der Pandemie: Lediglich ein Viertel des »Instrumentenkarussells« habe angeboten werden können.

Bad Vilbel und Karben: Musikschule setzt auf Online-Unterricht

Auch in Bad Vilbel galt es, auf digitalen Unterricht umzustellen, wenngleich in kleinerem Umfang auch Präsenzunterricht möglich gewesen ist. »Es hat sich ein kleines Team von Lehrkräften zusammengefunden, das den Digitalunterricht vorbereitet hat«, erklärt Probst. Werner ergänzt, dass man die Eltern angeschrieben habe, damit sie einverstanden seien, dass der Online-Unterricht auch als hundertprozentiger Unterricht anerkannt werde. »Die Eltern haben prima mitgezogen. 90 Prozent von ihnen haben das akzeptiert«, sind die Verantwortlichen zufrieden.

Das Ganze ist mehr als nur eine juristische Floskel, denn durch die Anerkennung verpflichten sich die Eltern, weiterhin die vollen Gebühren für den Unterricht ihrer Kinder zu zahlen. Übrigens neben den garantierten Zuschüssen der beiden Städte Bad Vilbel und Karben ein wichtiges Standbein zum Finanzieren der Musikschule.

Bad Vilbel und Karben: Eltern sind dankbar über Online-Angebote der Musikschule

Technisch gesehen musste allerdings noch nachgerüstet werden. »Das hat in Zusammenarbeit mit der Stadt auch ganz prima geklappt. Wir sind hier sehr gut unterstützt worden.« Das »schlechte Wlan« habe sich vor allem in der Alten Mühle verbessert.

Über den digitalen Unterricht habe es positive Rückmeldungen der Eltern gegeben, ist die Leiterin zufrieden. Nach dem ersten Lockdown seien 70 bis 80 Prozent der Schüler beim Online-Unterricht geblieben. »Alle Lehrkräfte haben sich in digitale Unterrichtsmethoden eingearbeitet. Der Lockdown hat viel Kreativität freigesetzt«, lobt Probst. Es seien beispielsweise kleine Lernvideos entstanden. Zudem würden Eltern und Schüler die Mischung aus Digital- und Präsenzunterricht gut mittragen. Man spüre einen großen Rückhalt bei den Eltern. »Viele sind dankbar, dass es wenigstens noch den Musikunterricht gibt.«

Bad Vilbel und Karben: Vorsitzender des Musikschulen-Trägervereins lernt Saxofon

Der Vorsitzende des Trägervereins der Musikschule, Jürgen Werner, ist selbst Musikschüler. Er lernt an der Musikschule Saxofonunterricht. »Mein Lehrer ist Risikopatient«, sagt Werner. Deshalb sei man seit Beginn der Pandemie auf digitalen Unterricht umgestiegen. Er habe während des Unterrichts einen Kopfhörer mit Mikrofon auf und sei mittels Laptop mit dem Lehrer verbunden, erzählt er. »Wir können durch die kurze Latenz auch zusammen spielen«, freut sich Werner darüber, dass der Unterricht auch aus der Ferne technisch prima klappt.

Die weitaus meisten Schülerinnen und Schüler seien beim Online-Unterricht geblieben, auch nachdem dann nach dem ersten Lockdown wieder Präsenzunterricht möglich gewesen sei. Insgesamt hat die drittgrößte Musikschule Hessens in der südlichen Wetterau rund 3800 Schülerinnen und Schüler. Nur die Musikschulen in Frankfurt und Wiesbaden zählen mehr Schüler. (pe)

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