Fertig ist der Roboter: "Eine Schokolinse spuckt er allerdings nur aus, wenn man ihn anlächelt", sagt Rinku Sharma. Unter seiner Leitung haben zehn Kinder das Projekt gemeinsam umgesetzt und sich kreativ ausgelebt.
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Fertig ist der Roboter: »Eine Schokolinse spuckt er allerdings nur aus, wenn man ihn anlächelt«, sagt Rinku Sharma. Unter seiner Leitung haben zehn Kinder das Projekt gemeinsam umgesetzt und sich kreativ ausgelebt.

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Kreativ in Corona-Zeiten: Kinder bauen mit Bad Vilbeler IT-Schule M&M-Automat

  • vonPatrick Eickhoff
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In Zeiten der Corona-Krise hat sich die Bad Vilbeler IT-Schule Techeroes drei Aufgaben für den Nachwuchs überlegt. In einem Kurs haben Kinder einen ganz besonderen Roboter gebaut - und das, ohne sich zu treffen.

Es ist nicht so kompliziert, wie es aussieht«, sagt Julian und deutet auf eine Zahlen- und Buchstabenkombination, die für den Laien wirkt, als sei jemand auf der Tastatur eingeschlafen. Julian ist elf Jahre alt und hat sich in den vergangenen Tagen »etwas in die Programmierung reingefuchst«, wie er sagt. Nun erklärt er den teils gleichaltrigen und jüngeren Teilnehmern des Videotelefonats, wie genau eine Schleifenfunktion in der Programmiersprache aussieht. Das ambitionierte Ziel? Eine Kaffeemaschine zu einem M&M-Roboter umbauen.

Die Idee ist Rinku Sharma gekommen. Er ist Geschäftsführer und Gründer der IT-Schule Techeroes in Bad Vilbel. »Wir bringen Kindern zwischen 6 bis 13 Jahren die Fächer Programmierung und Mathematik näher.« Die digitale Bildung der Kinder soll in Workshops und Kursen gefördert werden. »Doch auch unsere Kurse können wegen der Corona-Krise nicht stattfinden«, bedauert Sharma.

Corona Bad Vilbel: 1000 Gesichter eingescannt

»Bevor wir alle Kinder an Netflix und Youtube verlieren, haben wir uns gedacht, dass wir einen digitalen Kurs anbieten.« Mit einem ehrgeizigen Ziel. »Wir wollen aus einer Kaffeemaschine einen ganz besonderen Roboter bauen.« Dieser soll eine Kamera enthalten, in die gelächelt werden muss. »Erst wenn der Roboter das erkennt, dann spuckt er eine kleine Schokolinse aus.« Damit das funktioniert, arbeiten Julian und die anderen Kinder fleißig neben ihren Schulaufgaben an der Entwicklung des Gerätes. »Wir setzen uns gegenseitig Ziele und Aufgaben«, sagt Sharma. »Jeder hat seine Stärken, die er einbringt. Julian ist beispielsweise für die Programmierung zuständig.« Deshalb hat der Elfjährige den Code geschrieben.

»Ich habe ein Paket im Internet gefunden, das tausend Gesichter auf Merkmale untersucht hat. So erkennt auch unsere Kamera, wann es sich um ein bewusstes Lächeln handelt«, erläutert er in der Videokonferenz, in der sich der die Gruppe einmal am Tag trifft. »Dort zeigt jeder, was er geschafft hat«, sagt Sharma. »Und wenn jemand mal nicht weit vorangekommen ist wegen den Schulaufgaben, dann ist das auch kein Weltuntergang.«

Corona Bad Vilbel: Rinku Shamar sammelt alle Teile ein

Dann präsentieren die Brüder Tom und Moritz ihre Ergebnisse. Sie haben einen Mechanismus aus Holz gebaut, der die Schokolinsen einzeln zum Ausgang befördern soll. »Das könnte etwas zu groß sein«, vermuten beide. Sie drehen ihre Anfertigung so, dass sie jeder sehen kann. »Die Idee gefällt mir gut«, sagt Sharma. »Ich glaube, wir müssten vorne etwas absägen.«

Zu den Aufgaben des Techeroes-Geschäftsführers gehört es nicht nur, den Überblick zu behalten, sondern auch, die Teile einzusammeln. »Das mache ich meistens, nachdem wir die Aufgaben besprochen haben. Am nächsten Tag kann ich den Kindern dann zeigen, wie es an der Maschine aussieht. So bewerten wir die Fortschritte gemeinsam.« Dabei werden immer wieder Fragen gestellt. »Wie genau funktioniert der Befehl, den du gerade eingegeben hast?«, fragt der zehnjährige Philipp in die Runde. Julian erklärt die Entstehung des Codes und verweist auf die Hausaufgabe. »Sie stellen sich gegenseitig Aufgaben«, sagt Rinku Sharma. »Da lernt der eine vom anderen, und es ist nicht jeder auf seinen Bereich festgefahren.«

Als nächstes Thema steht die Dekoration des Roboters an. Einige der Kinder hatten sich Moos als Gestaltung gewünscht. »Den müssen wir aber irgendwie befestigen. Wie wäre es mit kleinen Blumentöpfen, denn Erde bleibt länger feucht«, schlägt Philipp vor. »Ich finde, wir sollten sie weglassen«, sagt Lukas. »Am Ende laufen die Töpfe zu voll.« Gemeinsam entscheiden sich die Teilnehmer erst mal, am Mechanismus weiterzuarbeiten.

Corona Bad Vilbel: Weitere Projekte in der Planung

Rinku Shamar ist begeistert von der Kreativität der Kinder. »Sie haben echt tolle Ideen, auch wenn nicht alles immer direkt umsetzbar ist. Es verlangt einiges, sich in das Projekt so reinzudenken. Schließlich stehen wir ja nicht um den Roboter herum, sondern jeder sitzt bei sich zu Hause.« Es sind weitere Projekte geplant. »Wir haben noch Ideen. wollen die Gastronomen entlasten und ein digitales Mehrwegsystem aufbauen. Das trägt zum Sparen von Plastik bei.«

Ausgestellt werden soll der Roboter an Orten in Bad Vilbel und Karben, die ordentlich frequentiert werden. »Wege, an denen viel spaziert wird, denn das machen die Leute auch in diesen Zeiten«, sagt Sharma. »Bleibt nur zu hoffen, dass wir viele Leute zum Lächeln bekommen.«

Gegründet wurde die IT-Schule Techeroes im Februar 2019 von den Brüdern Rinku und Ramesh Sharma. Sie möchten den Nachwuchs für die sogenannten MINT-Fächer (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik) begeistern. »Bei uns können Kinder deshalb schon früh kindgerecht und praktisch lernen, wie man zum Beispiel einfache Programmierungen an kleinen Robotern vornimmt, wie ein 3-D-Drucker beim Basteln helfen kann, was zum kleinen Abc der Elektronik gehört oder wie Computer funktionieren«, teilen die Brüder mit. Weitere Informationen gibt es online auf techeroes.de.

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