Monika Noé (links) schließt zum 1. Juli ihr Kosmetikstudio in Dortelweil, in dem sie seit einigen Jahren mit Diana Bonacker zusammengearbeitet hat. Das Hin und Her der Regierung in der Pandemie hat ihre Entscheidung beschleunigt, sagt sie.
+
Monika Noé (links) schließt zum 1. Juli ihr Kosmetikstudio in Dortelweil, in dem sie seit einigen Jahren mit Diana Bonacker zusammengearbeitet hat. Das Hin und Her der Regierung in der Pandemie hat ihre Entscheidung beschleunigt, sagt sie.

Zu unsicher

Konsequenz der Corona-Politik: Bad Vilbeler Kosmetikerin schließt ihr Studio endgültig

  • vonNiklas Mag
    schließen

Die Bad Vilbeler Kosmetikerin Monika Noé kritisiert die Corona-Politik des Landes scharf. Nun zieht sie die Konsequenz aus den vergangenen Monaten: Zum 30. Juni wird sie endgültig schließen.

Im Februar hat die Kosmetikerin Monika Noé im Gespräch mit dieser Zeitung ihren Unmut darüber ausgedrückt, dass zwar Friseure im März wieder öffnen durften, die Lage bei Kosmetikstudios aber mehr als schwammig war.

»Ich gönne den Friseuren das, gar keine Frage. Ich will das nicht schlecht machen. Aber aus meiner Sicht gibt es keinen Grund, warum Kosmetikstudios nicht auch wieder öffnen dürfen sollten«, erklärte sie damals vor dem Hintergrund der ohnehin streng hygienischen Arbeitsweise in Studios wie ihrem, wo auch medizinische Behandlungen gemacht werden. Eben solche durfte sie ab dem 1. März schließlich wieder aufnehmen. »Es war aber definitiv nicht so, dass wir im März motiviert und freudig die Türen wieder aufgerissen haben«, blickt Noé zurück.

Wegen schwammigen Formulierungen in den Verordnungen des hessischen Corona-Kabinetts hatte die Kosmetikerin bis kurz vor Anfang März nicht gewusst, ob sie ihr Studio wieder öffnen kann. »Und dann wurde direkt wieder über weitere Schließungen, neue Lockdowns und Maßnahmen diskutiert. Da fiel es schwer, Motivation zu finden, um wieder weiterzumachen«, sagt sie. Die stressigen Monate haben sie nun zu einer Entscheidung kommen lassen. »Ich wäre sowieso in den nächsten fünf, sechs oder sieben Jahren in den Ruhestand gegangen. Das werde ich jetzt vorziehen. Corona hat diese Entscheidung aber definitiv beschleunigt«, sagt Noé.

Aus für Kosmetikstudio in Bad Vilbel: Seit sieben Monaten kein Gehalt

Das Öffnen mit angezogener Handbremse und für sie willkürlich erscheinenden Regeln haben sie besonders gestört. »Manche Betriebe aus manchen Branchen dürfen komplett auf haben, obwohl dort nicht annähernd so hygienisch gearbeitet wird wie bei uns«, erneuert sie ihre Kritik an den Vorgaben des Landes.

In ihrem Studio werden kosmetische und medizinisch und hygienisch notwendige Behandlungen vorgenommen, und das geschehe immer mit einem hohen Maß an Hygiene - auch ohne globale Pandemie.

»Ich lebe ja von den Einnahmen, bestreite damit meinen Lebensunterhalt. Ich habe vier Kinder, zwei leben noch im Haushalt. Das muss ja auch gedeckt werden, nicht nur die Fixkosten für den Laden«, sagte die Kosmetikerin dieser Zeitung im Februar und kann auch heute ihre Kritik von damals nur wiederholen: »Nach außen sieht es ja immer aus, als hätten Selbstständige vom Staat enorm viel Geld bekommen, aber so ist es eben nicht«, fährt sie fort. »Damit konnte ich zwar einige Kosten ausgleichen, aber ich habe seit fast sieben Monaten kein Gehalt mehr bezogen.«

Bad Vilbel: Fahrschule wird wohl Nachmieter

Das seien im Wesentlichen die Gründe für ihre geplante Schließung Ende Juni. »Natürlich habe ich mir Mühe gegeben, das Geschäft zu verkaufen und jemanden zu finden, der das Studio weiterführt. Die Kunden bedauern sehr, dass wir hier weggehen«, erklärt sie. Doch sei das derzeit kaum möglich. »In allen Kanälen gibt es momentan nur Angebote, aber keine Nachfrage. Das kann man natürlich verstehen«, sagt sie und schmunzelt. Doch werden die Räume in der Bahnhofstraße vermutlich nicht lange leer stehen. »Die Fahrschule Fit aus Dortelweil sucht nach neuen Räumlichkeiten und wird hier wahrscheinlich Nachmieter.«

Mitarbeiter muss Noé zum Glück keine entlassen. Aber Diana Bonacker, die zwei Tage pro Woche einen Arbeitsplatz in Noés Studio gemietet hatte, wird hier vorerst nicht weiterarbeiten können. Monika Noé ist sich noch nicht sicher, ob sie den verfrühten Ruhestand in seiner Rohform nimmt oder doch in kleinerem Maße im Arbeitsleben bleibt. »Das ist offen, das werde ich mir überlegen«, sagt sie. »Sicher ist aber, dass ich kein neues Kosmetikstudio mehr eröffnen werde.« Ab dem 1. Juli ist geschlossen.

Am Gründonnerstag hatte auch die Vilbeler Gastronomie ihren Unmut über ihre Situation während des Lockdowns kundgetan. Mit grünen Luftballons und grünen Scheinwerfern färbten die Bar-, Restaurant- und Café-Besitzer aus der ganzen Quellenstadt die Frankfurter Straße und ihre Läden ein. Das Signal: »Grünes Licht für die Gastronomie«. nma

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare