Barrierefreiheit

Kompetenter Wohnberater gibt Hilfe beim Umbau

  • Holger Pegelow
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Menschen, die in ihrer Mobilität eingeschränkt sind, brauchen eine Wohnung ohne Hindernisse. Viele haben aber das Wissen darüber nicht. Hier hilft der Bad Vilbeler Hans-Joachim Prassel weiter.

Viele, selbst in höherem Alter, wollen davon nichts wissen. »Sie verdrängen das Problem schlicht und einfach.« Dabei leben sie zu Hause ausgesprochen gefährlich. Überall lauern Stolperfallen: Zur Terrasse hin muss eine hohe Schwelle überwunden werden, im Bad gibt es weder Haltegriffe noch Platz für einen Rollstuhl. Und die Badewanne hat einen hohen Einstieg. Die Fenstergriffe sind hoch angebracht, die Oberschränke in der Küche ebenfalls oft schwer erreichbar. Das alles ist das Gegenteil von barrierefrei. Wollen die Menschen in höherem Alter noch selbstbestimmt leben, müssen diese Hindernisse jedoch verschwinden. »Kaum jemand will davon etwas wissen. Erst wenn es bei einem Sturz zu einem Oberschenkelhalsbruch kommt oder jemand nach einem Unfall im Rollstuhl sitzt, handeln die Leute«, weiß Hans-Joachim Prassel. Der Bad Vilbeler ist für den VdK Hessen-Thüringen als Fachberater für Barrierefreiheit und Wohnberater tätig, so sein offizieller Titel. Er ist mit neun anderen Kollegen im VdK-Bezirk Gießen unterwegs, um Menschen das Wissen um barrierefreies Wohnen zu vermitteln.

Prassel weiß, wovon er spricht. Er selbst sitzt seit vielen Jahren im Rollstuhl, war beim Hessischen Rundfunk sogenannter Disability-Manager. Das ist die Berufsbezeichnung für Personen, die ein Zertifikat für die Kompetenz erworben haben, die berufliche Beschäftigungsfähigkeit von Arbeitnehmern mit gesundheitlichen Einschränkungen zu erhalten und zu verbessern«, lautet die offizielle Definition.

Die Nachfrage steigt

Auch nachdem er in den Ruhestand gegangen ist, lässt den 60-Jährigen das Thema nicht los. Als VdK-Mitglied hat er im vergangenen Jahr zwei Seminare belegt. »Das war nur logisch, denn ich bin schon lange an dem Thema dran«, sagt er zur WZ. Im August und September bildete er sich zum Fachberater weiter. Beide Themen seien zwar getrennt, griffen aber ineinander. Als Fachberater für Barrierefreiheit und in seiner Eigenschaft als Behindertenbeauftragter der Stadt Bad Vilbel wirkte er an der barrierefreien Einrichtung des Bürgerbüros im Kurhaus mit.

Für den VdK ist er eher als Wohnberater unterwegs. Wie viele Beratungen er schon absolviert hat, will er nicht sagen. Nur so viel: »Die Nachfrage steigt.« Denn viele wüssten nicht, was sie machen sollen. »Ich bin dafür da, zu zeigen, dass es nicht zwingend nötig ist, bis zuletzt zu warten, bis es nur noch das Pflegeheim gibt.« Prassel meint damit, die älteren Menschen sollten sich rechtzeitig mit der Problematik auseinandersetzen, um möglichst lange selbstbestimmt in den eigenen vier Wänden wohnen zu können.

Ein solch positives Beispiel kennt Prassel aus der Praxis. Ein Senior habe in Bad Vilbel eine Eigentumswohnung gekauft und sei mit der Frage zu ihm gekommen, wie man sicherstellen könne, dass die Wohnung barrierefrei gestaltet werde. Da das Haus noch gar nicht gebaut gewesen sei, habe er sich von dem 80-Jährigen die Pläne zeigen lassen. »In der Ausführungsplanung habe ich 20 Punkte gefunden, wo man noch was machen konnte.« So sei die Badtür auf einen Meter verbreitert worden, den Vorbau habe man zum Teil massiv aus Stein bauen lassen und nicht aus Regipsplatten. »Denn an denen hält später kein Haltegriff.« Ohne Aufpreis habe man die Fenstergriffe tiefer gesetzt. Das sei für Rollstuhlfahrer wichtig, damit sie die Fenster selbstständig öffnen könnten.

Der Durchgang zur Küche sei zu schmal gewesen, die Trennwand sei unnötig gewesen, die habe man weggelassen. Die vorgesehene Schwelle zur Terrasse habe man gleichfalls gestrichen.

Er habe schon in einigen Fällen helfen können. Unterstützt habe ihn dabei die VdK-Fachstelle für Barrierefreiheit in Frankfurt. Dort gebe es auch eine Ausstellung.

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