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Die Wahlbeteiligung in Bad Vilbel liegt bei 57,68 Prozent und ist damit um etwas mehr als drei Prozent gestiegen. Die Wahlhelferinnen und Wahlhelfer hatten auch gestern noch alle Hände voll zu tun.

Kommunalwahl Bad Vilbel

Kommunalwahl in Bad Vilbel: Grüne verdoppeln fast ihr Ergebnis

  • VonPatrick Eickhoff
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Welche Koalition künftig in Bad Vilbel regieren wird, das müssen die Sondierungsgespräche der Parteien zeigen. Eins steht fest: Mit den Grünen gibt es in der Quellenstadt einen eindeutigen Wahlsieger.

Bad Vilbel – Verluste bei CDU und SPD, mit der AfD ein neue Partei und mit den Grünen einen euphorischen Wahlsieger. Die finale Auszählung der Stimmen hat am Montag für verschiedene Gemütslagen in der Quellenstadt gesorgt.

Lagen CDU und Grüne nach dem Trend-Ergebnis am Sonntagabend nur fünf Prozent auseinander, waren es gestern nach dem Auszählen der kumulierten und panaschierten Stimmen elf Prozent Unterschied. Dennoch gehen die Christdemokraten bei dieser Wahl unter besonderen Vorzeichen als Verlierer hervor, verzeichnen ein Minus von acht Prozent. Die 40,73 Prozent bezeichnet Vilbels Parteivorsitzender Tobias Utter als »herben Verlust«. Utter sagt: »Natürlich haben wir uns mehr erhofft und sind enttäuscht. Das steht außer Frage.« Man sei zwar in Bad Vilbel immer noch stärkste Kraft, aber die Verluste trübten. Haben die Probleme der Bundes-CDU eine Rolle gespielt? »Das kann sein, aber man muss auch nicht immer die Schuld bei anderen Dingen suchen. Das hat mit Sicherheit mehrere Gründe. Wir haben etliche Projekte angepackt, allerdings sind einige davon auch nicht fertig. Wir haben im Wahlkampf versucht deutlich zu machen, dass wir Vilbel auch eine Verschnaufpause ohne neue Baugebiete gönnen wollen. Das ist nicht gut genug rübergekommen oder verstanden worden.« Vilbel müsse zusammenwachsen, auch mit Blick auf den Hessentag 2025.

Ergebnis Kommunalwahl Bad Vilbel: CDU will keine Gespräche mit der AfD

Und mit wem wächst die CDU künftig zusammen? »Wir werden mit allen demokratischen Parteien sprechen, nur mit der AfD nicht«, sagt Utter. »Dann muss man sehen, mit wem es Gemeinsamkeiten gibt.« Ausschließen möchte der Parteivorsitzende nichts. »Wir sind ganz am Anfang. Im Optimalfall haben wir bis zu den ersten konstituierenden Sitzungen Klarheit. Eine Hängepartie in Bad Vilbel ist definitiv nicht das Ziel.«

Klarer Gewinner in der Quellenstadt: Die Grünen. Die haben ihr Ergebnis fast verdoppelt - von 16 Prozent auf 29,44 Prozent. »Wir sind sehr glücklich«, sagt Spitzenkandidatin Kathrin Anders. »Wir fühlen uns natürlich auch bestätigt, für die Themen, die wir in den vergangenen Jahren gesetzt haben. Mit einer Verdopplung unseres Ergebnisses haben wir trotz eines erkennbaren Trends auch bei den vergangenen Wahlen nicht gerechnet.«

Ergebnis Kommunalwahl Bad Vilbel: Grüne schwimmen auf Euphoriewelle

Die Grünen schwimmen auf der Euphoriewelle. Das spiegelt sich auch im Einzelstimmen-Ergebnis wieder. Anders verzeichnete dabei 10 269 Stimmen - nur der amtierende Bürgermeister Thomas Stöhr (CDU) holte mehr (11 040). »Eine sehr schöne Bestätigung für den familienfreundlichen Kurs. Zehn Jahre Arbeit, die heute auf den Tag genau so belohnt wird. Das macht mich natürlich stolz, denn es müssen einige Stimmen auch von Bürgern, die nicht grün gewählt haben, dabei gewesen sein.«

In der Pflicht sieht Anders jetzt die Christdemokraten. »Die CDU ist die stärkste Kraft. Sie müsste einladen«, bringt sich Anders für mögliche Koalitionsgespräche in Stellung. »Der Wählerwille ist klar erkennbar. Und wenn man diesen ernst nimmt, dann sollte man mit uns reden. Wir brauchen mehr soziales Miteinander und keine verhärteten Fronten.« Die Spitzenkandidatin sagte, diese zwei Pole könnten durchaus Leute zusammenbringen, um abschließend zu betonen: »Wir sind der Gewinner der Wahl.«

Ergebnis Kommunalwahl Bad Vilbel: Hahn schließt Ampel-Koalition aus

Etwas anders sieht die Gefühlslage bei den Sozialdemokraten aus. Vorsitzender Bernd Hielscher sagt: »Wir haben vor der Wahl gewusst, dass es bei all den Umständen, die auch die Bundes-SPD betreffen, nicht einfach wird. Wir haben deshalb für uns gesagt, dass 15-Prozent-Plus ein gutes Ergebnis wäre. Das haben wir geschafft.« Man habe zwar auf 18 Prozent der Stimmen gehofft, diese aber knapp verfehlt. »Die Grünen sind durch die Decke gegangen, da muss man gratulieren. Genau wie der CDU«, so Hielscher. Dennoch zeige auch das Ergebnis der SPD, »dass unsere Themen wahrgenommen wurden.« Für Hielscher und die Sozialdemokraten heißt es jetzt: Abwarten. »Die CDU und die Grünen sind dran. Sie müssen sondieren, mit wem es die größten Schnittmengen gibt. Wir sind offen für Gespräche.«

Jörg Uwe-Hahn (FDP) sieht den Ausgang mit gemischten Gefühlen. »Es ist schade, dass es für eine weitere Zusammenarbeit mit der CDU nicht gereicht hat. Ich denke, wir haben in den vergangenen Jahren viel bewegt und zahlreiche Projekte angegangen.« Hahn ist der Meinung, »dass wir, wenn die Wahl ein paar Wochen später gewesen wäre, einen Sitz mehr hätten«. Der Trend sei definitiv steigend gewesen. »Einige Wochen vor der Wahl hätte ich eher das Gegenteil vermutet. Eine schwarz-gelbe Koalition ist rechnerisch nicht mehr möglich. »Von unserer Seite schließe ich keine Koalition aus, in der bestehende Projekte vorangetrieben werden«, sagt Hahn. Einer möglichen Ampel-Koalition erteilt der FDP-Vorsitzende jedoch eine klare Absage. Im Wahlkampf hätten die Grünen zu sehr gegen einzelne Personen geschossen. Das habe er in all den Jahren in Bad Vilbel so noch nie erlebt, sagt Hahn. »Nach dieser Stillosigkeit der Grünen im Wahlkampf wird es keine Koalition der FDP mit den Grünen geben.«

Die AfD, die erstmals ins Vilbeler Parlament eingezogen ist, wollte zunächst kein Statement abgeben, sondern erst mit dem Vorstand tagen.

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