Vor nicht einmal drei Wochen wurde an dieser Stelle auf den Auslöser gedrückt (v. l.): Ruth Schröfel, Angelika Zwack, Thomas Stöhr und Claus-Günther Kunzmann fällt das Lächeln diesmal deutlich leichter, denn im Hintergrund wird bereits die Tribüne für den Theatersommer aufgebaut. Schon in drei Wochen soll es losgehen. 	FOTO: NIKLAS MAG
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Vor nicht einmal drei Wochen wurde an dieser Stelle auf den Auslöser gedrückt (v. l.): Ruth Schröfel, Angelika Zwack, Thomas Stöhr und Claus-Günther Kunzmann fällt das Lächeln diesmal deutlich leichter, denn im Hintergrund wird bereits die Tribüne für den Theatersommer aufgebaut. Schon in drei Wochen soll es losgehen. FOTO: NIKLAS MAG

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Es kommt doch noch Leben in die Burg

  • vonNiklas Mag
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Das kulturelle Herz Bad Vilbels schlägt wieder. Denn neben dem Open-Air-Kino sollen auch die Burgfestspiele in diesem Jahr nicht in Gänze ausfallen. Viel mehr noch: Seit gestern Abend laufen die Proben für zwei Stücke, bereits Ende des Monats soll Premiere gefeiert werden.

A ls die Stadt und die Festspiele vor nicht einmal drei Wochen zur Pressekonferenz luden, um über die Rückgabe der Tickets für die Saison 2020 zu informieren, war die Stimmung deutlich gedrückter als gestern. Denn Bürgermeister Dr. Thomas Stöhr (CDU) kündigt an: »Wir wollen unseren guten Ruf als Kulturstadt gerecht werden. Es werden nicht die klassischen Burgfestspiele sein, aber es wird ein Theatersommer.« Die Saison werde nicht wirtschaftlich, doch stehen die Burgfestspiele für unbeschwerte Sommerabende - und das auch 2020.

Festspielintendant Claus-Günther Kunzmann erläutert: »Wir haben immer wieder diskutiert. Für mich war es ganz elementar, dass wir nicht einfach 100 Stühle im Hof verteilen, sondern dass die Burgfestspiele immer eine Atmosphäre bieten müssen.«

Abstandsregeln für Schauspieler

Den Ausschlag zur Wiederaufnahme der Planungen habe die Entscheidung des Corona-Kabinetts gegeben, das vor rund zwei Wochen entschieden hatte, 250 Leute bei Veranstaltungen zuzulassen. »Wir haben überlegt, ob wir es schaffen, mit den erforderlichen Hygienemaßnahmen unser Grundkonzept der Burgfestspiele zu realisieren.« Schnell sei klar geworden, dass das Aufstellen einer kleinen Tribüne möglich ist, man entschied sich gegen Musiktheater und ging auf die Suche nach geeigneten Stücken. »Wir wurden fündig. ›Ladies Night‹ wurde schon einmal in der Burg gespielt und ist eines der Stücke in diesem Sommer.«

Die Auswahl sei nicht leicht gewesen. Neben Lizenzverhandlungen müssen die Stücke es ermöglichen, dass auch die Schauspieler Abstandsregeln einhalten können. »Wir wollen niemanden mit Maske oder Visier auf die Bühne schicken«, sagt Kunzmann.

»Mondlicht und Magnolien« lautet der Titel des zweiten Stücks. Die Komödie dreht sich um den Stopp der Aufnahmearbeiten zum Film »Vom Winde verweht.« Hollywood-Produzent Selznick beauftragt den Autoren Ben Hecht, den Stoff zu verdichten, doch hat dieser das Buch nicht gelesen und nur sehr wenig Zeit. »Wir zeigen gute Unterhaltung im besten Sinne«, sagt Kunzmann.

Mit Ulrich Cyran und Christian Voss setzen die Burgfestspiele auf zwei erfahrene Regisseure, die ebenso wie die insgesamt neun Darsteller bereits mehrfach in der Burg gearbeitet haben. »Das hat einen gewissen Grund. Wir haben erst gestern die Verträge mit den Schauspielern unterschrieben, heute beginnen bereits die Proben«, erklärt Kunzmann.

Die Generalproben steigen am 26. Juli und am 31. Juli, was bedeutet: Schauspielern, Bühnenbildnern, Regisseuren, Assistenten bleibt nicht einmal mehr ein Monat. »Wir werden in Blöcken zu den gewohnten Uhrzeiten spielen. 20.15 Uhr an Werktagen und samstags. 18.15 Uhr an Sonntagen«, fährt der Intendant fort. Mit rund 150 bis 180 Plätzen pro Abend planen die Burgfestspiele, bei weiteren Lockerungen seitens der Politik sei die kleine Tribüne allerdings auf bis zu 480 Plätze aufstockbar.

Weiterhin werde es ein Gastronomiekonzept geben und Maßnahmen, um den Begegnungsverkehr und Schlangenbildung der Besucher einzuschränken, sagt Kunzmann, daran werde aktuell noch gefeilt. Vor den Toiletten werde es vermutlich eine Ampelschaltung geben, die Besucher müssen Schutzmasken tragen, wenn sie nicht auf ihren Plätzen sitzen.

Doch trotz des enormen Pensums, ist Intendant Kunzmann überglücklich: »Es kommt wieder Leben in die Burg. Ich genieße das.«

Die verkleinerten Festspiele würden mit den insgesamt 48 Vorstellungen zudem ein wichtiges Signal setzen: »Letzte Woche leuchteten die Burg und das Alte Rathaus rot, wir können nun wieder einige Aufträge herausgeben. Mir ist es persönlich sehr wichtig, ein Signal zu setzen, dass der Kulturbetrieb wegen Corona nicht untergeht.«

Ab Donnerstag, 9. Juli, sind Karten für beide Stücke erhältlich. Gespielt wird vom 26. Juli bis zum 13. September fast täglich. Eine Überdachung der Tribüne ist in diesem Jahr nicht möglich, weshalb sich die Verantwortlichen für einen Einheitspreis entschieden haben. Karten kosten im Vorverkauf 26 Euro, der Generalpreis beträgt 30 Euro. nma

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