Machen sich für die Gründung einer Waldorfschule in Bad Vilbel stark (v. l.): Maike Lübbert, Irmhilde Huther und Leonardo Langheim. FOTO: JANA KÖTTER
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Machen sich für die Gründung einer Waldorfschule in Bad Vilbel stark (v. l.): Maike Lübbert, Irmhilde Huther und Leonardo Langheim. FOTO: JANA KÖTTER

Kommt bald die Waldorfschule?

Die Schullandschaft in Bad Vilbel soll vielfältiger werden: Eine Initiative stellt daher einen Antrag auf die Gründung einer neuen Waldorfschule. Bereits zum Schuljahr 2021/22 könnte es losgehen - vorausgesetzt, es finden sich passende Räume und Flächen.

Maike Lübbert kennt das Problem aus eigener Erfahrung: Zwei ihrer drei Kinder sind bereits in der Schule, und für sie stand nach dem Abschied aus dem Bad Vilbeler Waldorfkindergarten damit ein neuer Fahrtweg an. Jeden Morgen fahren die beiden Kinder in den Frankfurter Stadtteil Eckenheim. Nun hofft die Mutter, dass ihr drittes Kind, das aktuell noch in den Kindergarten geht, eine neue Möglichkeit des Wechsels in die Schule haben wird: Als Teil einer Schulgründungsinitiative setzt sich Lübbert dafür ein, dass Bad Vilbel eine eigene Waldorfschule erhält.

Kindergarten wächst weiter

"Wir bereiten gerade einen Antrag auf Gründung einer Schule vor, der im Herbst beim Staatlichen Schulamt für den Wetterau- und Hochtaunuskreis abgegeben werden soll", sagt Lübbert. Die Grundidee: eine Waldorfschule mit Inklusionskonzept und handlungspädagogischem Schwerpunkt, getragen vom Verein zur Pflege der Waldorfpädagogik Bad Vilbel.

Im ersten Schritt gehe es um eine Fördergrundschule bis zur sechsten Klasse, die ausgebaut werden soll bis zur zehnten Klasse. Für das Abitur könnten Schülerinnen und Schüler dann auf eine andere Schule wechseln; dazu liefen bereits Gespräche mit den Kollegen in Eckenheim. "Die Waldorfschule in Frankfurt hat bereits signalisiert, dass ein Wechsel von bis zu zwölf Schülern der Bad Vilbeler Waldorfschule in die gymnasiale Oberstufe bei entsprechenden Noten zugesagt werden könnte." Ob das Konzept prinzipiell Erfolgschancen habe, sei aktuell noch nicht zu sagen, teilt das Schulamt auf Anfrage mit.

Begegnung mit Pflanzen und Tieren

Der Wunsch einer eigenen Waldorfschule für Bad Vilbel ist dabei kein neuer. Seit Jahren wächst die Einrichtung angesichts der großen Nachfrage, nach dem aktuellen Ausbau stehen 120 Kindergarten- und Krippenplätze zur Verfügung (diese Zeitung berichtete). "Viele Kinder aus unserem Kindergarten können wegen der hohen Bewerberzahlen nicht an den umliegenden Waldorfschulen aufgenommen werden", heißt es in einem Papier zur Schulgründung. "Allein aus dem Bad Vilbeler Waldorfkindergarten werden in der Zukunft jährlich circa 30 Vorschulkinder herauswachsen." Die Fahrtwege sind unterdessen vergleichsweise lang: Sie führen - wie im Fall von Familie Lübbert - nach Frankfurt, oder aber nach Bad Nauheim, wo seit 1989 eine Waldorfschule besteht.

Um das Problem zu lösen, sind nun jedoch nicht nur ein "sauberer" Antrag, sondern vor allem ein passendes Gebäude sowie Naturflächen nötig. Denn: Die Schule möchte die klassischen Methoden der Waldorfpädagogik mit der Handlungspädagogik nach Peter Guttenhöfer verbinden. Neben Fähigkeiten wie Lesen, Schreiben und Rechnen soll den Kindern auf einem eigenen Schulacker oder -garten eine tägliche und intensive Begegnung mit der Erde, den Pflanzen und Tieren ermöglicht werden. "Gemeinsam sollen Möhren gesät und geerntet, im Hauswirtschaftsunterricht gekocht und dann als biologische Vollwertkost gegessen werden", erklärt Mutter Lübbert den Ansatz. Für sie ist das wichtig, um auch Zukunftsproblemen wie dem Klimawandel zu begegnen. "Dadurch, dass unsere Kinder in engem Kontakt mit dem Boden, den Tieren, den Menschen sind, nehmen sie solche drängenden Probleme ganz anders wahr", weiß sie.

Auch in dem Leitfaden für Privatschulen, auf den das Schulamt verweist, heißt es, dass "für die erste Entwicklung einer Schule notwendigen räumlichen und sächlichen Voraussetzungen nachzuweisen" sind. Daher ist die Schulgründungsinitiative nun auf der Suche nach passenden Räumlichkeiten. Für die Brunnenschule, auf die man ein Auge geworfen habe, sei nun jedoch eine Absage gekommen, bedauert Leonardo Langheim, der das Projekt als Vorstand des Vereins zur Pflege der Waldorfpädagogik Bad Vilbel eng begleitet. Auch der Dottenfelderhof, mit dem der Waldorfkindergarten eng zusammenarbeitet, sei leider ausgelastet.

Start mit erster und dritten Klasse

Aus Sicht der Schulgründungsinitiative könnte man nichtsdestotrotz bereits zum Schuljahr 2021/22 starten, "im ersten Jahr voraussichtlich mit einer ersten und einer dritten Klasse". So brauche es im ersten Schritt noch kein "fertiges", eigenes Schulgebäude, meinen die Antragsteller. Langheim hofft darauf, dass sich in Bad Vilbel möglicherweise Unterstützer finden, die noch über entsprechende, passende Räume verfügen und diese dem Träger aktiv zur Miete oder zum Kauf anbieten.

Waldorfpädagogin Irmhilde Huther, die den Bad Vilbeler Waldorfkindergarten seit den frühesten Tagen begleitet, erinnert dabei auch an die Entstehung des Kindergartens: Auch dieser sei damals auf dem "Dotti" gestartet und dann immer weiter gewachsen. "So eine Pflanze", sagt sie lächelnd, "will auch wachsen."

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