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Kneipp-Verein: Mitlgied kritisiert fehlende Heimat

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Von: Holger Pegelow

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Sport und Bewegung ohne Leistungscharakter, dafür steht der Kneipp-Verein Bad Vilbel. Er ist aber auch dafür bekannt, dass er keine eigene Halle hat. Das hat ein Mitglied jetzt massiv angeprangert.

In jeder Kurstadt gibt es einen Kneipp-Verein, so auch in Bad Vilbel. Seit 40 Jahren existiert er nun schon. Die Zahl von 1000 Mitgliedern spricht dafür, dass die Sport- und Bewegungsangebote gut anzukommen scheinen. Aber die Kneippianer haben ein Problem: Sie haben keine eigene Halle. Einige Mitglieder blicken neidisch auf Angelverein, Musikschule, Kunstverein, Stadtkapelle, SV Fun-Ball, Sandhasen, Bürgeraktive, Fußball- und Tennisvereine oder Schützenverein.

Ohne Halle »nomadisiert der Verein mit Sack und Pack von Gebäude zu Gebäude, von Raum zu Raum durch sämtliche Stadtteile«, schreibt Mitglied Hanne Mühle. Ihr ist jetzt nämlich der Kragen geplatzt, und deshalb hat sie einen scharf formulierten Brief an Bürgermeister Dr. Thomas Stöhr geschickt.

Der Kneipp-Verein nomadisiert mit Sack und Pack von Gebäude zu Gebäude, von Raum zu Raum durch sämtliche Stadtteile

Hanne Mühle

Darin heißt es, schmerzlich erfahre sie immer wieder, was es heißt, sich mit Kneipp zu bewegen. Dann zählt sie auf, wo man schon überall geturnt hat: Anfangs im DRK-Heim, dann in einem kleinen Bewegungsraum in der Stadtschule, später im Kurhaus, wo man gelegentlich auch im großen Saal turnt. »Dort liegen wir in der Regel in Konfetti, in getrockneten Lachen von Limonade und Bier oder sonstigem klebrigen Dreck.« Die Turnmatten müssten die Teilnehmer selber mitbringen, die Übungsleiterinnen schleppten riesige Taschen mit Material mit. Grund: Der Kneipp-Verein hat noch nicht einmal einen Lagerraum.

Wogen glätten

Der Brief sorgte bei einem Gespräch des Kneipp-Vereinsvorstands mit dem Bürgermeister beim Stadtoberhaupt für heftige Reaktionen. »Der Vorstand steht hinter dem Brief«, sagt zwar Sport- und Pressewartin Linda Pfeiffer gegenüber der WZ. Aber kurz nach dem Gespräch im Rathaus versucht sie, die Wogen zu glätten, die durch das Schreiben von Hanne Mühle hochgeschlagen sind.

Schließlich kommt der Brief in dem Moment in die Öffentlichkeit, in dem es heftige Diskussionen um den geplanten Neubau einer Halle des SV Fun-Ball im Neubaugebiet Quellenpark gibt, was beim traditionsreichen Turnverein viele Fragen aufgeworfen und auch Kritik ausgelöst hat (die WZ berichtete).

Räume auf dem Heilsberg möglich

Pfeiffer zieht aus dem Gespräch im Rathaus positive Schlüsse. »Wir sind im Visier der Stadt«, sagt sie. Möglich wären neue Räume im renovierten Kurhaus und/oder im neuen Bürgerhaus auf dem Heilsberg. Sie macht gegenüber der WZ deutlich: »Wir brauchen keine eigene Halle, wie etwa ein Sportverein.« Dennoch wären feste Räume eine gute Sache. Laut Bürgermeister Stöhr prüft die Stadt, Abstellraum und Nutzungsmöglichkeiten im Neubau auf dem Heilsberg. Der Kneipp-Verein sei einer der besten Nutzer des alten Georg-Muth-Hauses gewesen. Das projektierte neue Bürgerhaus werde viel zentraler liegen als das Muth-Haus. Das Stadtoberhaupt erinnert auch an die geplante Sanierung des Kurhauses. Zudem stehe aktuell die Erhebung der Hallenzeiten und Sportmöglichkeiten in der gesamten Stadt an. »Auch hier können sich Lücken aufzeigen und von den Vereinen, wie dem Kneipp-Verein, kurzfristig besetzt werden.«

Stöhr weist Kritik zurück

Stöhr lässt indes den Vergleich Mühles mit den anderen Vereinen nicht gelten. Die Stadt habe diesen Vereinen »keineswegs fertige Vereinshäuser« finanziert und hingestellt. Vielmehr hätten diese mit großer Eigenleistung ihre Heime erstellt.

Demnächst wird die Öffentlichkeit schon wissen, ob für den Kneipp-Verein schon mal kurzfristig Räume zur Verfügung stehen, da die angedachten Bauten Kurhaus und Bürgerhaus Heilsberg ja noch einige Jahre dauern werden. Am übernächsten Donnerstag will der Magistrat nämlich die Analyse der Sportstätten vorstellen.

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Wichtig für eine Kurstadt

Dass der Kneipp-Verein seine Raumsituation beklagt, ist sein gutes Recht. Denn ein für eine Kurstadt so wichtiger Verein braucht Räume für sein Bewegungs- und Gesundheitsangebot. Allerdings sind die aufgezählten Probleme nicht neu und von der Stadt auch nicht verschuldet. In Zeiten des Flüchtlingsansturms musste der Verein sein Domizil auf dem Heilsberg räumen, das DRK-Heim wurde wegen großer Sanierungsbedürftigkeit geschlossen. Die Stadt ist nicht untätig und sucht neue Räume für die Kneippianer. Das braucht Zeit, denn selbst in der Verwaltung ist eine systematische Übersicht über die Sportstätten und deren Belegung nicht vorhanden. Die wird gerade erstellt, und man darf davon ausgehen, dass dem Verein Räume angeboten werden. Denn es wäre geradezu fahrlässig vom Magistrat, auch angesichts des Hessentages, den Kurstadt-Gedanken zu vernachlässigen. Denn zu einer Kurstadt gehört nun mal ein Kneipp-Verein – mit mehr als nur einem Tretbecken im Kurpark.

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