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Klimawandel: Kerbburschen wappnen den Vilbeler Wald

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Von: Niklas Mag

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Küstentannen fürs Binnenland: Viele Freiwillige beteiligen sich an der Pflanzaktion der Massenheimer Kerbburschen.
Küstentannen fürs Binnenland: Viele Freiwillige beteiligen sich an der Pflanzaktion der Massenheimer Kerbburschen. © Niklas Mag

Die Massenheimer Kerbburschen haben gemeinsam mit der Firma Energieholz eine große Pflanzaktion gestartet. Insgesamt 500 Tannen wurden in den Vilbeler Wald gesetzt.

Wer von heute an in 40 Jahren, also im Jahr 2060, den Bad Vilbeler Wald von der Totenwiese aus betritt, wird ein völlig anderes Bild sehen als heute. Mal von der Frage abgesehen, was der Klimawandel überhaupt vom Wald übrig lässt, erblickt der Spaziergänger in dieser nicht so fernen Zukunft 500 Küstentannen, die sich dann in den besten Jahren befinden. Grund dafür ist die an zwei Terminen absolvierte Pflanzaktion, die die Massenheimer Kerbburschen mit dem Kerbverein und der Firma Energieholz gestartet haben. »Wir haben vor ein paar Wochen hier bereits einen Samstag verbracht und etwa die Hälfte der Bäume geschafft. Heute kommt der zweite Teil«, erklärt Max Soldner von Energieholz.

Die Firma setzt nach eigener Aussage auf Brennholz aus nachhaltig bewirtschafteten Wäldern in Hessen und hat sich gleich an der Aktion beteiligt: »Die Kerbburschen kamen auf uns zu und wir waren sofort dabei«, berichtet Soldner. »Es war ein Vereinsmitglied vom Kerbverein und den Kerbburschen, der diese Idee hatte«, ergänzt Sebastian Riemel, Vorsitzender der Kerbburschen. Mit Arbeitskleidung und dicken Schuhen steht er im Gestrüpp am Rande des Vilbeler Walds und hat gerade einen weiteren Baum in den Boden gesetzt. »Wir haben in letzter Zeit viele Diskussionen um gefällte Bäume in Bad Vilbel mitbekommen und haben gedacht, wir können ja mal aktiv werden und pflanzen.«

Klimawandel Bad Vilbel: Robuster und immergrüner Baum

Mit Förster Helmut Link war schnell ein geeignete Standorte für die neuen Bäume und das nötige Know-how gefunden. »Er hat uns das bei unserem ersten Pflanztermin ein paar Mal gezeigt, dann haben wir übernommen«, sagt Riemel. Zuerst graben die Kerbburschen und Energieholz-Mitarbeiter ein etwa spatentiefes Loch in den Boden. Danach werden die rund 20 Zentimeter großen Bäumchen hinein gesetzt und das Loch wieder mit Erde verschlossen. »Links und rechts platzieren wir zwei Holzstäbe, die dann das Fressschutzgitter halten.« Etwa einen halben Tag haben die zahlreichen Helfer an den Terminen mit dem Pflanzen verbracht und somit 500 Küstentannen gesetzt.

Die Wahl dieser Baumart war kein Zufall: »Die Küstentanne ist immergrün und vor allem sehr robust«, sagt Henrik Jakobi von Energieholz. »Gerade an die Klimaveränderungen, die es derzeit gibt, sind die Bäume gut angepasst.« Der Vilbeler Wald habe in den vergangenen trockenen Sommern sehr gelitten und große Schäden davongetragen. Die Küstentannen sollen diesen Teil des Waldes künftig widerstandsfähiger machen.

Klimawandel bad Vilbel: Aufgezogen in Karben

»Außerdem wachsen die Küstentannen recht schnell. In 40 Jahren werden hier sehr ansehliche Bäume stehen«, sagt Jakobi. Die 500 Bäumchen sind in Karben gezogen worden und waren ohnehin für die Verpflanzung in Bad Vilbel bestimmt. Somit mussten die Kerbburschen und der Kerbverein für ihre Aktion kein großes Geld in die Hand nehmen, Revierförster Link konnte die Bäume organisieren. Die Verantwortlichen sind zufrieden mit dem Ergebnis ihrer Aktion. Auf dem Areal sind zahlreiche grüne Zäune zu sehen, die die kleinen Bäume schützen. »Wir haben bisher sehr gute Rückmeldungen bekommen. Aus der ganzen Wetterau kam viel Lob«, sagt Thomas Reifschneider, Kassenwart des Kerbvereins. Auch die Politik beteiligte sich an der Aktion. So bereitete der Ortsbeirat den Hobby-Waldarbeitern an Ort und Stelle ein Frühstück zu.

Zahlreiche Vilbeler suchen ihren Wald als Rückzugsort auf. Wer den Wald in Ruhe erkunden will, sollte den Waldlehrpfad ablaufen. Rund zweieinhalb Stunden dauert der Spaziergang, beginnend an der Totenwiese. An 42 Stationen können Wanderer und Spaziergänger entlang des Rundwegs viel über die besonderen biologischen Umstände im Vilbeler Wald, betreffend Pflanzen- und Tierwelt, erfahren. Auch am Waldeingang Erzweg steht eine Übersichtskarte mit allen Stationen.

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