Noch halten sich die Gespinste auf der Vilbeler Streuobstwiese im Rahmen, doch besteht Gefahr, dass sich die Tiere massiv ausbreiten.	FOTOS: NIKLAS MAG
+
Noch halten sich die Gespinste auf der Vilbeler Streuobstwiese im Rahmen, doch besteht Gefahr, dass sich die Tiere massiv ausbreiten.

Unbeliebtes Insekt

Kleine Raupe mit großem Appetit: Bad Vilbel kämpft gegen die Apfelgespinstmotte

  • vonNiklas Mag
    schließen

2018 hüllte die Apfelgespinstmotte die Bad Vilbeler Streuobstwiesen fast komplett in Weiß. Das soll sich nicht wiederholen. Doch der Kampf gegen die Motte gleicht einem Kampf gegen Windmühlen.

Der Wind hat stark zugenommen am ersten Maiwochenende, das kurze Zeitfenster für das Sprühen der Apfelbäume ist damit bereits geschlossen. »Ich bin froh, dass wir uns letzte Woche dafür entschieden haben, gleich anzufangen«, meint Peter Belz, der Vorsitzende des Obstbauvereins Bad Vilbel. Er blickt skeptisch in den grauen Himmel und kontrolliert danach sorgfältig weiter die Zweige der Apfelbäume. An einigen Stellen sehen die Bäume sehr gesund aus, an anderen wiederum finden sich erste abgestorbene Blätter und Blüten, umhüllt von der stoffartigen weißen Masse, die die Larven der Apfelgespinstmotte produzieren.

Wer im Hochsommer 2018 einen Spaziergang durch die Streuobstwiesen östlich von Bad Vilbel gemacht hat, dem dürfte aufgefallen sein, dass viele Apfelbäume komplett in das Weiß eingehüllt gewesen sind. »Die Larven fressen die Blätter und spinnen zu ihrem Schutz die Bäume ein«, beschreibt Belz kurz. Das Ganze könne ein Apfelbaum höchstens zwei- oder dreimal überleben, bevor er endgültig abstirbt. Die Ernte sei nach einem Befall der Mottenlarven zum Vergessen.

Apfelgespinstmotten in Bad Vilbel: Larven bevorzugen Trockenheit

Die Larven der Apfelgespinstmotte bevorzugen Wärme und Trockenheit, denn so können sie ihre Web-Nester ungehindert bauen, erklärt Belz. »Das Problem ist, dass es zu warm ist. Es fehlen knackige Winter, die die Population der Larven auf natürliche Weise reduzieren.« Gepaart mit anhaltender Trockenheit ergibt sich so die Gefahr eines massiven Befalls wie es 2018 der Fall war. »Ist das Blattwerk erst einmal zerfressen oder sogar der Baum komplett eingesponnen, kann der Baum kein Wasser mehr speichern und das ist gerade in heißen Sommern tödlich.«

Belz zeigt auf einige Apfelbäume im Lehrgarten, die noch immer mit den Schäden von vor zwei Jahren zu kämpfen haben oder schon komplett eingegangen sind. Die einzig mögliche Strategie laute deshalb: Prävention.

Ein Befall wie 2018 gilt es nun in diesem Jahr zu verhindern, und das soll nicht allein der Hoffnung auf genug Regen überlassen bleiben. »Letztes Jahr war es recht moderat, weil es eben viel geregnet hat. Wir haben mit der Prävention nun aber begonnen«, sagt Belz. Ein biologisch abbaubares Schutzmittel hat er mit Unterstützung des Dottenfelderhofs auf die Bäume im Lehrgarten des Obstbauvereins gesprüht.

Apfelgespinstmotten in Bad Vilbel: Befall springt über 

»Wichtig ist, die Bäume im Winter ordentlich zu schneiden. Außerdem muss für die Behandlung mit dem Insektizid das richtige Zeitfenster getroffen werden.« Es muss über 15 Grad haben, windstill sein und Ende April. All das traf vergangene Woche zu. »Ich hoffe, wir können nächste Woche auch noch mal zusätzlich kurz sprühen. Ich habe den Eindruck, dass es schon etwas bewirkt hat«, schätzt der Vereinsvorsitzende und überprüft weiter die Bäume.

Doch ein Sieg über die zerstörerischen Larven liegt in weiter Ferne. Denn nicht nur, dass das Klima von Jahr zu Jahr nicht unbedingt kälter wird, so ist auch die Umgebung um den Lehrgarten ein Problem. »Die Streuobstwiesen sind oft naturbelassen und das ist ja auch gut. Das Problem dabei ist, dass wir hier zwar unsere Bäume besprühen können, aber rundherum trotzdem alles andere befallen wird.«

Obstbauverein Bad Vilbel: Kampf nicht allein zu stemmen 

Es sei nämlich meist unklar, wem die angrenzenden Bäume und Wiesen gehören, oftmals handele es sich um Erbschaften, bei denen die neuen Eigentümer nicht wüssten, dass ihnen das Gelände gehört. »Dementsprechend werden die Motten immer wieder von den Nachbarwiesen auf unsere Bäume überspringen können«, bedauert Belz.

Doch sein Engagement und das teure Insektizid können hoffentlich das Schlimmste verhindern. »Wir sind der Stadt sehr dankbar, dass sie uns das Mittel in diesem Jahr bezahlt. Wie wir das nächstes Jahr finanzieren, wissen wir noch nicht. Als Verein können wir das unmöglich stemmen. Vielleicht hilft die Stadt erneut aus, aber das gilt es noch zu klären«, beschreibt Belz. Er hofft nun auf einen Sommer mit ausreichendem Regen, der in Kombination mit dem Insektizid die Ausbreitung der Larven verlangsamt und somit die Apfelernte für Apfelsaft und -wein sichert.

Apfelgespinstmotte: Neun verschiedene Varianten in Europa 

Die Apfelgespinstmotte bildet eine Generation pro Jahr aus und kommt in Europa in neun verschiedenen Varianten vor. Haben die Larven erst einmal einen Baum oder einzelne Äste eingesponnen, ist eine Bekämpfung nicht mehr möglich, da das dichte weiße Material keine Insektizide hindurch lässt. Anfang Mai beginnen die Mottenlarven mit dem Blätterfraß und verpuppen sich im Juni. Aus den Kokons schlüpfen danach kleine weiße Falter mit schwarzen Punkten. nma

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare