Klein, aber trotzdem fein

  • VonSybille Cornell
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Luther hat seine Thesen 1517 veröffentlicht, und 1521 musste er sich auf dem Reichstag in Worms rechtfertigen. Die damalige Route von Wittenberg nach Worms und zurück zur Wartburg ist zwar nur in einigen Stationen genau belegt, doch kann der Weg anhand des beschilderten Lutherwegs für Interessierte und Pilger im Lutherjahr gut nachvollzogen werden. Auch die eher unscheinbare kleine Massenheimer evangelische Kirche ist Teil des Pilgerpfads.

Luther hat seine Thesen 1517 veröffentlicht, und 1521 musste er sich auf dem Reichstag in Worms rechtfertigen. Die damalige Route von Wittenberg nach Worms und zurück zur Wartburg ist zwar nur in einigen Stationen genau belegt, doch kann der Weg anhand des beschilderten Lutherwegs für Interessierte und Pilger im Lutherjahr gut nachvollzogen werden. Auch die eher unscheinbare kleine Massenheimer evangelische Kirche ist Teil des Pilgerpfads.

Eine erste Erwähnung einer kleinen romanischen Kapelle mit Marienaltar fand 1298 statt. Dieser Vorgängerbau ist zwar heute nicht mehr existent, doch hat die kleine Kirche einen ganz eigenen Charme. 1545 wurde in Massenheim die Reformation gemäß dem Augsburger Bekenntnis eingeführt. Das kleine Kirchlein wurde im Dreißigjährigen Krieg teilweise zerstört, und die verarmte Gemeinde konnte zunächst nicht die Mittel aufbringen, sie wiederherzustellen. Belegt ist, dass die Gemeinde 1674 um Beistand für die Restaurierung gebeten hat. Erst 1695 waren die Bedingungen geklärt, dass die Kirche in ihrer heutigen Form wieder aufgebaut wurde.

Was die Spendensäule verrät

Von 1734 ist belegt, dass das Tor des Kirchhofs umgefallen ist. Von 1785 gibt es eine Baurechnung, die detailgenau erklärt, welche Sanierungsarbeiten anfielen. Aber auch in den späteren Jahren wurde »immer wieder was gemacht«, sagt Ewald Frick vom aktuellen Kirchenvorstand. 1802 wurde eine Glocke eingebaut, 1843 die Empore vergrößert, 1848 ein Spritzenhaus zum Schutz vor Feuer gebaut, und 1869 freute sich die Gemeinde, erstmals eine Orgel zu besitzen.

Die heutige Gemeinde von etwa 950 Seelen wird von Pfarrer Johannes Misterek auf einer halben Pfarrstelle betreut. Der Kirchenvorstand hat sich bereits auf das Lutherjahr vorbereitet und für die zu erwartenden Pilger eine Station errichtet. An dieser findet sich ein Gästebuch, eine Informationstafel und natürlich der Pilgerstempel, den die Besucher in ihr Wanderbüchlein eintragen können. Zwar ist keine offene Kirche geplant, doch will der Kirchenvorstand die Kirche für Interessierte auf Anfrage öffnen lassen.

Auch wenn die Massenheimer Kirche klein ist, steht hinter der Gemeinde ein beträchtliches Bürgerinteresse. Dies wird in einem besonders erfreulichen Maß dokumentiert. Erst vor einem Jahr gab es in dem zur Kirche gehörenden Kindergarten einen Wasserschaden. Der Aufruf zur Solidarität hat zu einem ganz beachtlichen Ergebnis geführt, denn bereits mehr als 30 000 Euro wurden in nur wenigen Monaten zur Wiederherrichtung des Kindergartens gespendet.

Dies lässt sich in einer öffentlichen Spendensäule ablesen, die den aktuellen Spendenstand anzeigt. Falls aus dem Spendenaufkommen noch ein Betrag übrig bleiben sollte, so wird dieser für den Kindergarten verwendet. Dort steht eine Neugestaltung des Außengeländes auf dem Wunschzettel. Die Aktivitäten der Gemeinde lassen sich im aktuellen Gemeindebrief ablesen. Dieser ist laut Frick »der schönste im Umkreis von 1000 Kilometern«.

Angekündigt als Pilger hat sich bereits eine Konfirmandengruppe, die den Lutherweg entlang pilgert. Und nicht nur das: Drei der zukünftigen Konfirmanden haben sich entschlossen, sich in der Massenheimer Kirche taufen zu lassen. Die Gemeinde hat das Gemeindezentrum zur Übernachtung zur Verfügung gestellt, damit die Täuflinge vor ihrem Sakrament guten Schlaf finden. (Foto: sur)

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