Seit vier Jahrzehnten steht Klaus Minkel in Diensten der Stadt Bad Vilbel. Eigentlich hätte er schon 2009 in den Ruhestand gehen können. Trotz seiner angeschlagenen Gesundheit will er die ihm wichtigen Projekte in der Stadt weiter voranbringen. 	ARCHIVFOTO: HOLGER PEGELOW
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Seit vier Jahrzehnten steht Klaus Minkel in Diensten der Stadt Bad Vilbel. Eigentlich hätte er schon 2009 in den Ruhestand gehen können. Trotz seiner angeschlagenen Gesundheit will er die ihm wichtigen Projekte in der Stadt weiter voranbringen. ARCHIVFOTO: HOLGER PEGELOW

40 Jahre im Dienst

Klaus Minkel: „Ich wollte Bürgermeister werden“

  • Holger Pegelow
    vonHolger Pegelow
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Der CDU-Politiker Klaus Minkel steht seit 40 Jahren in Diensten der Stadt Bad Vilbel. Was der 72-Jährige noch erreichen will und warum er nie Bürgermeister geworden ist, verrät er im Interview.

Herr Minkel, warum dienen Sie der Stadt nun schon 40 Jahre?

Als ich 2009 in den Ruhestand ging, war meine Agenda noch nicht erledigt. Offen waren das Badproblem, das Kurhausproblem, das Rathausproblem, die Vermarktung des Quellenparks und der Durchbruch bei der erneuerbaren Energie.

Können Sie sich noch an Ihre erste Zeit als Kämmerer bei der Stadt Bad Vilbel erinnern? In welchem Zustand war der Haushalt?

Die SPD hatte uns Bad Vilbel kurz vor der Pleite hinterlassen. Allein acht Prozent des Haushaltes gingen für Zinsen drauf. Einen nennenswerten Haushalt für Soziales und Kultur gab es nicht. Die SPD verscherbelte sogar über 100 000 Quadratmeter des Stadtwaldes. Ich durfte den Schadensausgleich organisieren.

Wie haben Sie 1980 die Stadt Bad Vilbel gesehen? Was hat Ihnen gut gefallen, was missfallen?

Die Innenstadt sah um das Alte Rathaus verheerend aus, Zweibahnverkehr in der engen Frankfurter Straße, keine Umgehungsstraßen. Es gab viel zu tun. Nidda, Stadtwald und Wingerte und die Gunst der Lage machten dagegen Bad Vilbel attraktiv.

Können Sie uns ein einschneidendes negatives Erlebnis während Ihrer Zeit in Bad Vilbel nennen?

Unvorstellbar war die Belastung durch den von Dr. Fischer angezettelten Prozess, der die Stadt ruiniert und mich vernichtet hätte. Größerer Undank ist mir nie mehr begegnet. Nachdem er zig Millionen durch meine Arbeit erlangt hatte, wollte er für seine Äcker Jahre später noch den Baulandpreis einstreichen, obwohl dieses Geld für die Infrastruktur ausgegeben war.

Haben Sie einmal daran gedacht, alles hinzuwerfen?

Eigentlich hat mich immer die Arbeit für diese Stadt vorangetrieben, sodass mir dieser Gedanke fremd ist. Vor über 20 Jahren hätte ich jedoch hingeworfen, wenn ich wegen Gewässerverunreinigung verurteilt worden wäre, Sie war durch 100 Hausfehlanschlüsse aus grauer Zeit in Bad Vilbel verursacht worden. Vier Gerichte waren damit befasst! Die Anklage drang nicht durch. Es konnte nachgewiesen werden, dass ich mich mit gewohnter Energie für die Beseitigung der Fehlanschlüsse eingesetzt hatte. So konnte in der Folgezeit noch viel erreicht werden: Dortelweil-West, Quellenpark, Nordumgehung, Neue Mitte, Europäische Schule und vieles mehr. Dafür bin ich dankbar.

Gab es einen Tag, an dem Sie triumphiert haben?

Triumph ist vergänglich. Es kommt auf die innere Zufriedenheit an, das Richtige getan und erreicht zu haben.

Warum wollten Sie niemals Bürgermeister werden?

Natürlich wollte ich Bürgermeister werden. 1996 erhielt ich jedoch eine äußerst ungünstige Prognose, die mir Wiederkehr des Krebses oder Metastasierung voraussagte. Damit hatte ich zehn Jahre zu tun. Unter solchen Umständen konnte ich nicht das Schicksal der Stadt mit meinem verbinden.

Im Umgang mit den politischen Gegnern sind Sie alles andere als zahm. Sie mussten einstecken, haben aber auch ausgeteilt. Haben Sie sich dennoch mal mit dem einen oder anderen auf ein Bier getroffen?

Die Opposition hat mir nie eine Chance gegeben. Noch vor Amtsantritt wurde gegen meine Wahl geklagt. Ich hatte trotzdem zu allen Zeiten ein exzellentes Verhältnis zu Magistratskollegen von der SPD, wie Schlossermeister Seibold, Karl-Robert Frank, Josef Rubin und Helmut Lehr. Bei den Grünen sind Palaver und Scheinheiligkeit schwer zu ertragen.

Was schätzen Sie an Ihren Mitmenschen, was missfällt Ihnen?

Ich schätze Empathie, Selbstlosigkeit und Bescheidenheit. Das wird von vielen Vilbelern gelebt. Egoismus, Gier und Verlogenheit stoßen mich dagegen ab.

Sie haben viel erreicht für die Stadt, aber gibt es noch etwas, das unerledigt ist?

Kurhaus, Stadthalle, Tiefgarage und Therme/Kombibad warten auf ihre Vollendung. Ich bin froh, dass dies in Sicht ist und ich im Frühjahr dem Tod noch einmal von der Schippe gesprungen bin und wieder arbeiten kann. Vermutlich werde ich aber nicht mehr die Landesgartenschau nach Bad Vilbel holen können, bei der das grüne Band an der Nidda mit einer großzügigen Parkanlage in Massenheim hätte erweitert werden können. Wir können schlecht gegen den strukturschwachen Ostkreis in dieser Frage auftreten. (Das Interview führte Holger Pegelow)

Klaus Minkel: Das sagen seine politischen Konkurrenten, das ist seine Historie

Jens Matthias (Grüne): »Unbestritten hat Herr Minkel viel für Bad Vilbel geleistet. Er hatte eine Vision für Bad Vilbel, die er in den letzten 40 Jahren umgesetzt hat. Die Grünen hatten häufig andere Vorstellungen, und wir hätten die Prioritäten anders gesetzt, aber trotzdem erkennen wir seine Leistungen an. Hervorzuheben ist dabei sein Einsatz für den Ausbau der regenerativen Energien durch Fotovoltaikanlagen und Investitionen in Windkrafträder. In der politischen Auseinandersetzung und im Diskurs mit den Bürgerinnen und Bürgern bedauern wir es, dass Herr Minkel manchmal Worte wählt, die in ihrer Schärfe und im Ton nicht verbinden, sondern eher trennen. Für die Zukunft wünschen wir Herrn Minkel gute Gesundheit und weiterhin viel Kraft für seine Projekte.«

Christian Kühl (SPD): »Selbstverständlich hat Klaus Minkel in seiner Zeit, in der er für die Stadt tätig ist, sehr viel geleistet und Bad Vilbel in vielerlei Sicht verändert. Ob immer zum Vorteil des Stadtbildes, da kann man durchaus an der ein oder anderen Stelle geteilter Meinung sein. Wobei er sicherlich stets von seinem Handeln überzeugt war, und dies ist völlig in Ordnung. Dass Bad Vilbel finanziell so gut dasteht, ist ebenfalls auf die Tatkraft von Herrn Minkel zurückzuführen. Schade ist es, dass er häufig nicht zugänglicher auf Kritik und Anregungen der Opposition eingegangen ist. Ich denke, dass gerade in den letzten zehn Jahren die SPD an kons-truktiver Mitarbeit interessiert war, wie man bei Projekten wie Kurhaus, Therme oder Hessentag sehen konnte. Häufig werden solche Anregungen von ihm auch im Besonderen im »direkten Draht« des Bad Vilbeler Anzeigers auf eine Weise kommentiert, die deutlich Respekt vermissen lässt. Aber bei aller Auseinandersetzung, die wir als SPD mit ihm in den letzten vierzig Jahren hatten und wahrscheinlich, zumindest in näherer Zukunft, noch haben werden, zollen wir ihm für seine Leistung um Bad Vilbel, aber vor allem auch für die hiesigen Stadtwerke, Respekt und wünschen ihm für die Zukunft alles Gute!“

Viele kennen Klaus Minkel in erster Linie als Kommunalpolitiker. Dabei war er auch eine Wahlperiode lang Mitglied im Deutschen Bundestag. Er vertrat bis 2005 den Wahlkreis 178 (Wetterau und Kinzigtal), war über die CDU-Landesliste in den 15. Bundestag eingezogen. Dem 16. Bundestag gehörte er nicht mehr an, da er sich nicht gegen SPD-Kandidatin Nina Hauer hatte durchsetzen können und sein Platz auf der CDU-Liste nicht reichte.

Minkel ist Jurist und gelernter Verwaltungsfachwirt. Er war 19 Jahre Wahlbeamter in Bad Vilbel und als Kämmerer, Erster Stadtrat und Leiter der Stadtwerke tätig. Seit mittlerweile 20 Jahren ist er hauptamtlicher Geschäftsführer der Stadtwerke.

Minkel liefert sich immer wieder heftige Wortgefechte mit der Opposition, vor allem mit SPD und Grünen. Auch im Gerichtssaal hat sich der Politiker häufiger wiedergefunden.

Prägend waren die Prozesse, in denen er etwa von Dr. Claus Fischer wegen der Grundstücksverkäufe für Dortelweil-West verklagt wurde, ebenso wie die Klage gegen vermeintliche Fehlanschlüsse von Kanälen. Auch mit der Opposition gab es Streitigkeiten vor Gericht, so etwa, als Minkel von den Grünen wegen seiner Informationspolitik verklagt wurde, oder er selbst gegen Behauptungen des SPD-Politikers Norbert Kühl vor Gericht zog, in denen es um die Grundstücksgeschäfte in Dortelweil-West ging. pe

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