Nicht nur für die Kinder der Kitas sind die Kontakteinschränkungen eine neue Situation. Auch die Erzieher vermissen es, sich um alle Kinder kümmern zu können, wie dieses Plakat am Zaun der Kita Löwenburg in Gronau zeigt. 	FOTOS: NIKLAS MAG
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Nicht nur für die Kinder der Kitas sind die Kontakteinschränkungen eine neue Situation. Auch die Erzieher vermissen es, sich um alle Kinder kümmern zu können, wie dieses Plakat am Zaun der Kita Löwenburg in Gronau zeigt. FOTOS: NIKLAS MAG

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37 Kinder in Notbetreuung

  • vonNiklas Mag
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Die meisten Vilbeler und Karbener Kindertagesstätten sind derzeit verwaist. Aber nicht ganz: Denn die Notbetreuung für Kinder aus Familien, in denen die Eltern system-relevante Berufe ausüben, funktioniert in beiden Städten gut. Sowohl die Städte Bad Vilbel als auch Karben haben sich ein effizientes System für die Betreuung der Kinder zurechtgelegt.

Es war absehbar, wenn auch trotzdem ein großer Schock für viele Eltern, als Mitte März die Nachricht kam, dass die Kinderbetreuungseinrichtungen wegen der Corona-Pandemie geschlossen werden mussten. Die Verordnung betrifft nun nicht nur Kitas, sondern auch Tagesmütter. Doch einige Berufsgruppen können weder ins Homeoffice, noch können sie sich in Zeiten der Pandemie länger Urlaub nehmen.

»Unser höchstes Ziel ist, die Ausbreitung von SARS-CoV-2 zu verlangsamen und sicherzustellen, dass besonders gesundheitsgefährdete Personen geschützt werden«, heißt es auf der Webseite des hessischen Sozialministeriums, das ausführlich über die Notbetreuungen informiert. »Die wirksamste Maßnahme, um das zu erreichen, ist, die persönlichen Kontakte zu reduzieren. Alle verordneten Einschränkungen folgen diesem Prinzip. Daher müssen auch z.B. Betreuungsgruppen aus Gründen des Infektionsschutzes möglichst klein sein, sonst verliert die Maßnahme ihre wichtige Wirkung«, heißt es weiter. »Es gibt Berufsgruppen, die zur Aufrechterhaltung des öffentlichen Lebens unverzichtbar sind.« Dazugehören Polizisten, Behördenmitarbeiter und natürlich Altenpfleger, Ärzte oder auch Hebammen.

Verteilt auf sieben Einrichtungen

Viele Menschen aus Bad Vilbel und Karben üben diese Berufe aus, weshalb beide Städte Notbetreuungen eingerichtet haben: »Wir gehen da ganz streng nach Vorschrift vor und bieten den Notdienst für systemrelevante Berufe an«, erklärt Yannick Schwander, Sprecher der Stadt Bad Vilbel. Sieben Einrichtungen hat die Stadt ausgewählt, in denen insgesamt 15 Kinder betreut werden. »Das variiert jeden Tag«, weiß Schwander. »Wir haben dabei rund drei bis fünf Kinder in einer Einrichtung.« Natürlich werde dabei sorgsam auf Sicherheitsabstände und Hygiene geachtet. »Das ist bei dieser kleinen Zahl an Kindern deutlich einfacher als in einer vollen Kita«, sagt der Stadtsprecher.

Auf ein ähnliches System setzt auch die Stadt Karben. Dort sind zwei Kindertagesstätten für die Betreuung ausgewählt worden. »Das ist einmal die Kita ›Glückskinder‹ in Kloppenheim und die Kita ›Am Zauberberg‹«, erläutert Tanja Fischer, stellvertretende Fachbereichseleiterin. »In diesen Kindertagesstätten gibt es genug Platz. Außerdem liegen sie so, dass die meisten Karbener, die ihre Kinder in eine der beiden Einrichtungen bringen, nicht durch die ganze Stadt fahren müssen.«

15 Kinder seien in einer der Einrichtungen untergebracht, in der anderen sind es sieben. »Die Zahl ist leicht steigend und je nachdem, was die Bundesregierung entscheidet, werden das sicherlich noch etwas mehr Kinder«, vermutet Fischer.

Ein Erzieher der Stamm-Kita dabei

Damit den Kindern diese sonderbare Situation - in einer für sie möglicherweise völlig neuen Kita - einfacher gemacht wird, ist immer ein Mitarbeiter oder eine Mitarbeiterin aus der Stamm-Kita eines Kindes mit vor Ort. »Das gilt natürlich nicht für Mitarbeiter, die über 60 Jahre alt sind oder Vorerkrankungen haben«, ergänzt Tanja Fischer.

Zweimal pro Woche seien zudem die Leitungen der Kitas in ihren Büros, um telefonisch erreichbar zu sein und eventuelle Fragen der Eltern beantworten zu können. »Ansonsten gibt es aber auch genug zu tun. Die Kita-Leitungen kümmern sich in dieser Zeit viel um Organisatorisches oder um Konzepte«, weiß Fischer. Ihre Bilanz fällt positiv aus: »Der Notdienst funktioniert wirklich gut.« Auch die Eltern hätten die Umstellungen gut aufgenommen. »Und wir achten in den Einrichtungen natürlich sehr auf Hygiene. Das klappt alles ganz prima.«

Wie lange die Kommunen die Notbetreuung in den Kitas noch aufrechterhalten müssen, hängt von den Entscheidungen der Bundesregierung ab. In Bad Vilbel und Karben hat man sich auf die besonderen Umstände aber schnell eingestellt.

Wer das Notbetreuungsangebot in einer Kita in einer hessischen Gemeinde wahrnehmen möchte, bleibt leider nicht von Papierkram verschont. Eltern, die auf eine Notbetreuung an Wochenenden oder Feiertagen zurückgreifen müssen, sollen sich so früh wie möglich an ihre Gemeinde wenden, rät das hessische Sozialamt. Entsprechende Formulare stehen online unter soziales.hessen.de zum Down- load bereit. nma

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