Schreibtischarbeit gehört für einen Sachverständigen zwar dazu, doch ein Gutachten sollte immer vor Ort angefertigt werden, sagt Jörg Albert, Geschäftsführer der Neubauer und Kaeswurm Gmbh in Bad Vilbel. 	FOTO: PATRICK EICKHOFF
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Schreibtischarbeit gehört für einen Sachverständigen zwar dazu, doch ein Gutachten sollte immer vor Ort angefertigt werden, sagt Jörg Albert, Geschäftsführer der Neubauer und Kaeswurm Gmbh in Bad Vilbel. FOTO: PATRICK EICKHOFF

Bad Vilbeler Kfz-Sachverständiger

Kfz-Gutachter: Auf Sachverständigen bestehen

  • vonPatrick Eickhoff
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Ein Gutachten anhand von Fotos erstellen? Davon hält Jörg Albert gar nichts. Der Geschäftsführer der Neubauer und Kaeswurm Gmbh in Bad Vilbel hat von solchen Fällen in der vergangenen Zeit häufiger gehört. »Die Corona-Pandemie beschleunigt diese Methode«, sagt er. Doch wie arbeiten Sachverständige eigentlich während der Pandemie?

M artina F. (Name der Redaktion geändert) fährt mit ihrem Auto durch die Bad Vilbeler Innenstadt, biegt in einen Kreisel ein. Sie fährt an der ersten Ausfahrt vorbei, ein weiteres Fahrzeug fährt dennoch heraus und ihr in die Seite. Haftpflichtschaden. Sofort nimmt sie Kontakt mit der Versicherung auf. Am Telefon sagt ihr der Angestellte der Versicherung, dass sie wegen Corona einfach Fotos vom Schaden schicken solle, der Gutachter würde die Bilder sichten. Gesagt, getan. Die Versicherung schätzt den Schaden auf 2000 Euro. Martina F. bringt ihren Wagen in die Werkstatt. Dort stellt die Reparaturfirma einen Schaden von 4000 Euro fest. Und nun? Jörg Albert kennt sich mit solchen Fällen aus. Der Geschäftsführer des Ingenieur-Sachverständigen-Büros Neubauer und Kaeswurm in Bad Vilbel sagt: »Die Corona-Pandemie hat die Tür für die Versicherungswirtschaft noch weiter aufgemacht. Bei einem Haftpflichtschaden hat der Geschädigte das Recht auf einen Sachverständigen. Darauf sollte man bestehen.«

Sachverständige kommen vor Ort

»Leider«, sagt Jörg Albert, »versuchen Versicherungen das mit dem Fotomaterial als Sichtungsmaterial bei Unfällen immer häufiger.« Das sei ein großes Problem. »Ein Schaden lässt sich in seiner Gänze nie aufgrund von Fotos erkennen. Ein Laie weiß nicht, was er alles betrachten muss.« Deshalb rät Albers jedem, »auf das Recht eines Sachverständigen zu bestehen.« Wer sich unsicher sei, ob es sich um einen Kasko- oder Haftpflichtschaden handele, der könne auch erst anrufen und die Situation schildern. »Daraus lässt sich meist schon sehr viel schließen«, sagt der 49-Jährige.

Ein Sachverständiger kommt auch während der Pandemie, um sich einen Schaden anzuschauen. »Er hält sich an die Abstands- und Hygieneregeln und trägt selbstverständlich eine Maske«, sagt Albert. Bei Neubauer und Kaeswurm in Bad Vilbel hat der Geschäftsführer die Stockwerke unterteilt. »Im ersten Stock sind die Sachverständigen, die im Außendienst sind in einzelnen Büros und getrennt vom unteren Bereich.« Unten wurde die große Halle zum Wartebereich umfunktioniert. »Unser Foyer ist zu klein. In der Halle haben wir genug Platz. Sollte es mal zu eng werden, dann geben die Kunden nur den Schlüssel ab und warten im Auto.«

Jörg Albert ist voll des Lobes für seine Kunden während der Corona-Zeit. »Sie verhalten sich vorbildlich und haben wirklich Respekt vor den Maßnahmen und den Regeln.« Seit dem erneuten Lockdown sind es allerdings wieder weniger geworden. »Es sind weniger Menschen im Straßenverkehr unterwegs, dementsprechend gibt es auch nicht so viele Unfälle«, sagt der 49-Jährige. Die Corona-Pandemie sei allerdings auch der Anschub gewesen für solche Fälle wie bei Martina F. »Den Versuch der Versicherungswirtschaft gab es vor einigen Jahren schon. Auf zweidimensionalen Bildern lässt sich ein Schaden nicht erkennen.«

Gefahren durch Versicherungen

Jörg Albert weiß, wovon er spricht. Der 49-Jährige ist öffentlich bestellt und vereidigt von der Handwerkskammer Wiesbaden als Sachverständiger für das Karosserie- und Fahrzeugbauerhandwerk. »Außerdem sind wir Mitglied im Bundesverband der freiberuflichen und unabhängigen Sachverständigen für das Kraftfahrzeugwesen - kurz BVSK«, sagt er. Die Corona-Pandemie habe die Türen geöffnet - sowohl für die Versicherungswirtschaft als auch für mögliche Betrüger. »Wer sagt, dass der Schaden auf Fotos wirklich am eigenen Auto entstanden ist?«, fragt Albert. Versicherungen könnten wenn sie sich Fotos schicken lassen, jede Menge Geld einsparen. »Ich kann mir allerdings nicht vorstellen, dass dieser Trend sich durchsetzt«, sagt Albert. »Dieses Vorgehen birgt eine enorme Gefahr für den kleinen Mann, für den die Reparatur eines Schadens am Ende deutlich teurer werden kann als geschätzt.« Deshalb betont der 49-Jährige zum Abschluss noch einmal: »Es ist wichtig, auf sein Recht zu bestehen. Die Kosten für den Gutachter muss die gegnerische Versicherung tragen.« Wer sich zu unsicher sei, um welche Schadensart es sich handelt, der könne einfach anrufen. »Wir können über den Verband auch zu Anwälten Kontakt aufnehmen und dank des großen Kompetenzteams an Experten schnell Rückmeldung geben.«

Die Firma Neubauer und Kaeswurm wurde 1979 gegründet mit Firmensitz in der Frankfurter Straße in Bad Vilbel. 2018 folgte der Umzug in den Neubau an der Homburger Straße. Eine Zweitstelle gibt es seit 2006 in Assenheim. Insgesamt arbeiten 20 Angestellte für Neubauer und Kaeswurm. Geschäftsführer Jörg Albert, ist öffentlich bestellt und vereidigt von der Handwerkskammer Wiesbaden als Sachverständiger für das Karosserie- und Fahrzeugbauerhandwerk. Die Firma erstellt sowohl Schadens- als auch Wertgutachten. Zudem kann vor Ort neben der Sicherheitsprüfung auch die Hauptuntersuchung vorgenommen werden. »Unsere Prüfingenieure arbeiten im Rahmen ihrer Prüftätigkeit im Namen und auf Rechnung der GTÜ«, sagt Albert. Bei Fragen zu Dienstleistungen rund um alle Kraftfahrzeugarten ist die Firma unter Telefon 0 61 01/8 30 81 erreichbar. wpa

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