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Keine Hotelgäste aus Frankfurt

  • VonJochen Brings
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Beim Referat »Wie viele Hotels braucht Bad Vilbel« wurde vor allem eines klar: Mit Gästen aus der Frankfurt braucht die Stadt in Zukunft nicht rechnen.

Interessante Zahlen bekamen die Vilbeler präsentiert, die dem Referat »Wie viele Hotels braucht Bad Vilbel?« des Frankfurter Hoteliers und Chefs des Deutschen Hotel- und Gastronomieverbandes (DEHOGA), Eduard Singer, lauschten, der auf Einladung des SPD-Ehrenvorsitzenden Udo Landgrebe ins AWO-Café in die Wiesengasse gekommen war.

Vorab: Eine abschließende Antwort auf diese Frage erhielten die Besucher nicht, dafür aber klare Ansagen des Experten und Direktors des Grandhotels Hessischer Hof in Frankfurt. Eine lautete: Auf Übernachtungsgäste aus der Mainmetropole können bestehende und künftige Vilbeler Hotelbetriebe genauso wenig hoffen wie andere Hoteliers aus dem Frankfurter Speckgürtel. Dazu werde in Frankfurt bettenmäßig seit Jahren zu stark aufgerüstet und investiert: Derzeit gibt es dort 252 Hotels mit 47 500 Betten. Jährlich kommen weitere 2000 Gästebetten hinzu, allein in den nächsten 15 Monaten elf neue Häuser mit 4500 Betten. Singer: »Es gibt deutliche Überkapazitäten, die zu einem harten Verdrängungswettbewerb führen.«

Lokale Angebote zu preiswert

Das Frankfurter Überangebot lässt die Hoteliers beispielsweise in Oberursel stöhnen: Dort bekommen die Manager nach eigener Aussage selbst zu Buchmesse-Zeiten ihre Häuser nicht mehr gefüllt. 8,8 Millionen Übernachtungen zählte Frankfurt 2016. Nach Ansicht Singers noch viel zu wenig: Man müsse mehr auf touristisches Marketing wie beispielsweise Hamburg mit seinen Musicals setzen. Dann könne der Stadtkämmerer auch mit mehr als derzeit jährlich 100 Millionen Euro Steuererträgen rechnen.

Vor allem größere Häuser von Hotelketten sind es, die den Markt beherrschen. Kleinere Betriebe, die laut Singer mit weniger als dem Durchschnittspreis von 129 Euro pro Nacht kalkulieren müssen, bleiben auf der Strecke.

Auch die Bad Vilbeler Hotellerie mit ihren Durchschnittsraten von 56 bis 123 Euro sei zu preiswert, meint der Experte. Singer rät den Vilbeler Verantwortlichen, die bestehende Hotellerie in die Neubaupläne einzubinden. Vor allem ein touristisches Konzept und eine Vision seien nötig, um die Einzigartigkeit Vilbels herauszustellen. So könne man Nachfrage schaffen.

Daran würde auch mit Nachdruck gearbeitet, erklärte Vilbels Kulturamtsleiter Claus-Günther Kunzmann: Allein schon durch das Kombibad würde »Bad Vilbel ein Zentrum des Tourismus«. Er verwies auf das erfolgreiche Erlebnisbad des Investors Josef Wund in Erding, das jährlich 1,6 Millionen Gäste zählt. Mit deutlich mehr als einer Million rechne Wund auch in Bad Vilbel. Dann würden auch verschiedene Anbieter und Handelsketten touristische Pakete für das Erlebnisbad plus Übernachtung anbieten. Nicht jeder Gast werde in die von Wund geplante Vier-Sterne-Herberge wollen, sondern sich ein preiswerteres Arrangement aussuchen. Davon profitiere dann nicht zuletzt die schon bestehende Vilbeler Hotellerie. Klar sei, dass Vilbel sein touristisches Marketing mit den neuen Häusern deutlich verstärken müsse und dies auch tun werde.

Resümee von Gastgeber Landgrebe: »Die Stadt ist gefordert, konzeptionelle Ideen zu entwickeln.« Nicht nur die Politik, auch die Hoteliers und die allgemeine Bevölkerung sollten seiner Ansicht nach dabei eingebunden werden.

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