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Kein Schnellbus nach Dortelweil

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Bad Vilbel (pe). Mitte Dezember hatte es ein Test der WZ ans Licht gebracht: Wer mit öffentlichen Verkehrsmitteln zum neuen Rathaus nach Dortelweil will, braucht viel Geduld. Der Test hatte ebenso ergeben, dass kaum jemand mit dem Vilbus oder der S-Bahn ins Rathaus fährt. Also kein Handlungsbedarf in Sachen Ausbau des ÖPNV?

Doch, sagen die Grünen und fordern eine Schnellbuslinie vom Heilsberg bis nach Dortelweil.

Damit standen sie in der letzten Sitzung des Stadtparlaments in dieser Wahlperiode allerdings allein. Dennoch: Immerhin sahen Mehrheit und Magistrat in dem Antrag ein Signal, den gesamten Vilbus-Betrieb zu überarbeiten. Und das aus gutem Grund: Das Verkehrsgutachten empfiehlt nämlich, die nur sehr mäßig genutzte Buslinie 63 von der Kernstadt bis Massenheim zumindest zu überprüfen, zwischen den Zeilen kann sogar eine Einstellung herausgelesen werden.

Bus mäandert durch die Stadt

Jens Matthias (Grüne) sagte, es gehe darum, die Hauptverkehrsachse schnell zu durchfahren. Immerhin befinde sich neben dem neuen Rathaus auch die Europäische Schule. »Nur durch eine schnelle Verbindung können die Leute dazu bewegt werden, vom Auto auf den Bus umzusteigen.« Es müssten ein paar Haltestellen gestrichen werden, damit der Vilbus nach Dortwelweil »nicht so einen Zickzackkurs« fahre. Dem widersprach Christian Kühl (SPD): Zur neuen Verwaltung fahre fast niemand mit dem Bus, zudem sei das Bürgerbüro in der Innenstadt geblieben. »Und in die Europäischen Schule geht kein Vilbeler Kind.«

Erster Stadtrat und Verkehrsdezernent Jörg Frank (CDU) meinte, man dürfe das Defizit für den ÖPNV nicht ausufern lassen. Wenn ein ÖPNV zu defizitär werde, drohe er zurückgefahren zu werden. Auch er habe festgestellt, dass nur sehr wenige Menschen mit dem Bus ins neue Rathaus fahren. Frank erklärte, der 64er Bus vom Heilsberg nach Dortelweil komme als Linie 60 vom Heilsberg und wechsele am Südbahnhof das Schild. Und weil das quasi eine doppelte Buslinie sei, »mäandert der Bus auch durch die Stadt«.

Würde man dem Antrag der Grünen folgen, müsste man einen extra Bus einsetzen. Doch schon jetzt betrage das Defizit für den Vilbus 600 000 Euro. Allerdings sah Frank durchaus Möglichkeiten, »den Vilbus-Betrieb auf neue Füße zu stellen«. Hier wäre auch an eine Anbindung von Karben zu denken. »Wir sollten den Antrag dazu nehmen, über eine Neuausrichtung des Vilbus-Betriebes nachzudenken«, regte der Stadtrat an.

Christian Kolb, Ex-Grüner in den Reihen der CDU, sagte, es sei ausreichend, wenn die Buslinie 64 halbstündlich ans neue Rathaus fahre. »Heute fährt er oft nur mit zwei Leuten. Wenn er voll wäre, würde er auch nicht schneller fahren.« Zudem sei zu überlegen, welche Gebiete man ausgrenzen wolle, wenn man den Grünen Ideen nach Streichung von Haltestellen folge.

»Verkehrlich am Limit«

Für die Öko-Fraktion ging noch einmal Peter Paul ans Mikrofon und machte den Gesamtzusammenhang deutlich. Schon jetzt sei Bad Vilbel verkehrlich am Limit angekommen, wie der Generalverkehrsplan ausweise. Bald komme noch das neue Kombibad hinzu, das neuen Autoverkehr in die Stadt locke. »Ohne Ausbau des städtischen Busverkehrs kriegen wir keinen Individualverkehr von der Straße«, sagte Paul.

Für die SPD widersprach nochmals Klaus Arabin: »Mit einer Schnellbuslinie sind keine der wirklichen Verkehrsprobleme in Bad Vilbel gelöst.« Möglicherweise komme es in absehbarer Zeit zu einer Verbesserung durch die angedachte Verlängerung der Buslinie 30 nach Dortelweil, wenn der Ausbau der Main-Weser-Bahn komme, gab Arabin zu bedenken. »Dann wäre doch auch die Achse Heilsberg-Dortelweil gut abgedeckt.«

Am Ende standen die Grünen mit ihrem Ansinnen alleine da: Alle anderen Fraktionen lehnten den Antrag auf eine Schnellbuslinie ab. (Foto: Pegelow)

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