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Der Campus der John-F.-Kennedy- und der Saalburgschule: Die Klassenräume reichen nicht für alle Schüler. Deshalb sollen einige Klassen in die Brunnenschule umziehen.

Kein Rederecht für Betroffene

  • Jürgen Wagner
    VonJürgen Wagner
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Bad Vilbel (jw). Wird die John-F.-Kennedy-Schule in Bad Vilbel »zerstückelt«? Zur Ausschussberatung im Friedberger Kreishaus kamen Schüler, Eltern und Lehrkräfte. Mitreden durften sie nicht. Für die Grünen spiegelt sich darin »das Demokratieverständnis der CDU/SPD-Koalition in der Wetterau«.

Schon im Mai bei der ersten Sitzung des neu gewählten Kreistags hatten die Wetterauer Grünen einen Antrag »gegen die räumliche Zerstückelung der John-F.-Kennedy-Schule in Bad Vilbel« vorgelegt. Hintergrund: An den Bad Vilbeler Grundschulen steigen die Schülerzahlen stark an, die neue Grundschule ist noch nicht fertig. Deshalb sollen einige Klassen der John-F.-Kennedy-Schule in die leer stehende Brunnenschule ziehen. Zu gefährlich, sagen die Grünen mit Blick auf den Verkehr. Am Montag wurde das Thema im Ausschuss für Bildung diskutiert. Rund 15 Bürger aus Bad Vilbel seien zu der Sitzung im Friedberger Kreishaus erschienen, schreiben die Grünen in einer Pressemitteilung. »Im ganzen Land klagen Vertreter aus Politik und Gesellschaft über Politikverdrossenheit und über niedrige Wahlbeteiligungen«, sagt der Kreistagsabgeordnete Gerhard Salz. Jetzt seien die Bürger erschienen und wollten mitreden. Die Grünen beantragten ein Rederecht, unterstützt von der FDP. Möglichst viele der Anwesenden sollten zum Thema sprechen, »damit politische Teilhabe nicht nur ein theoretischer Begriff bleibt.« Salz weiter: »Und was passiert im Kreishaus zu Friedberg? Die Koalition schmettert den Antrag ab und lässt lediglich den Schulleiter zu Wort kommen. In der Sache wurde kontrovers diskutiert, und die Koalition konnte sich dank ihrer Stimmenmehrheit durchsetzen. Das ist Demokratie.«

Auf den Antrag der Grünen gegen die geplante Zerstückelung der Schule auf zwei weit voneinander entfernte Schulgebäude antwortete die CDU/SPD-Koalition mit einem Änderungsantrag, in dem für eine nicht definierte Übergangszeit diese räumliche Trennung einer Schulgemeinde begrüßt wird. Gerhard Salz: »Der Kreistag wollte das im Ausschuss vorab diskutiert wissen. Entsprechend groß war dann auch das Interesse der gesamten Schulgemeinde an der Ausschusssitzung.« Die CDU/SPD-Koalition habe der Politikverdrossenheit einen Bärendienst geleistet schreiben die Grünen. Kreistagsmitglied Felix Kratz sagt: »Wenn man weiterhin Politikverdrossenheit fördern möchte, sollte man sich genau so verhalten. Jugendliche zeigen mit solch einem Einsatz ein starkes Interesse an ihrer Schule. Dass dieses Engagement einfach abgewimmelt wird, zeigt erneut, wie sehr sich CDU und SPD für unsere Jugend interessieren.« Dorothea Warns-Ventulett, ebenfalls Grünen-Mitglied im Bildungsausschuss, meint: »Wir müssen unbedingt politisches Engagement und Eigeninitiative von Bürgern fördern und ihnen zuhören.«

Grüne: Das wird ein Nachspiel haben

Die Grünen kündigen an, das Vorgehen werde »ein Nachspiel« haben. »Die Selbstherrlichkeit, Schulsprecher zu ihrer Schule nicht anhören zu wollen, ist nicht nur ein Akt grober Unhöflichkeit und Ignoranz, sondern widerspricht auch § 8a der Hessischen Landkreisordnung. Die Fraktion der Grünen wird sich diesbezüglich nochmals in einer Anfrage an den Kreisausschuss wenden«, kündigt Oliver Seuss, schulpolitischer Sprecher der Grünen, an.

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