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Die Theaterwerkstätten der Burgfestspiele liegen gegenüber dem Spielort, der Wasserburg. Allerdings geht es hier beengt zu, Lager und Probenräume sind über die Stadt verteilt. Das soll ein neues zentrales Domizil in Dortelweil verbessern. Doch im Stadtparlament ist das umstritten. 

Theaterwerkstätten

Kein Platz: Streit über neue Theaterwerkstätten Bad Vilbel

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Die nahe Scheune an der Spielstätte der Burgfestspiele ist für die Theaterwerkstatt längst zu klein geworden. Nun will die Stadt zentrale Theaterwerkstätten bauen. Das ist im Parlament umstritten.

Die Burgfestspiele verzeichnen von Jahr zu Jahr neue Zuschauerrekorde. Seit Beginn dieser Kulturreihe ist die Zahl der Eigenproduktionen massiv gestiegen. Dementsprechend wuchs alles andere mit. Die Festspiele brauchten mehr Probenräume, mehr Lagerräume und mehr Platz für Schneiderei und Schreinerei. Viel an den Kulissen gewerkelt wird noch in der alten Zehntscheune gegenüber der Wasserburg.

Damit sind die Wege für die Kulissenbauer und das weitere technische Personal recht kurz. Doch vielfach muss das Material von überall her geholt werden. Und bei einem halben Dutzend Eigenproduktionen reicht die Burgbühne für Proben nicht mehr aus. Die Künstler und Regisseure mussten schon seit Jahren in einen Reitstall nach Dortelweil, eine Scheune in Massenheim oder das Kurhaus ausweichen. Da diese drei Orte in Kürze nicht mehr zur Verfügung stehen - das Kurhaus wegen Sanierung jetzt schon -, wollen die Verantwortlichen der Stadt zentrale Theaterwerkstätten. Die sollen bald in Dortelweil entstehen, im Anschluss an den Bau- und Betriebshof beziehungsweise die Stadtgärtnerei. Dafür lag den Stadtverordneten jetzt ein Bebauungsplan vor.

Für die Zukunft der Festspiele

Bei dessen Einbringung betonte Erster Stadtrat Sebastian Wysocki (CDU), mit zentralen Werkstätten sichere man die Zukunftsfähigkeit der Festspiele. "Wir hätten dort alle Funktionen unter einem Dach." Der B-Plan reiche aber noch weiter, denn nun sei auch eine Erweiterung des Bau- und Betriebshofes möglich. Es gebe ein Müllfahrzeug mehr, die Stadt wachse weiter, werde bald 40 000 Einwohner haben. Damit wüchsen die Aufgaben des Bau- und Betriebshofes.

Die Grünen sind jedoch gänzlich anderer Meinung. Sie haben die Einwendungen der Landwirte gelesen, die davon sprechen, dass durch die Erweiterung wertvoller Ackerboden vernichtet würde. Man sei sich doch einig, dass die Festspiele einen ordentlichen Probenraum und neue Werkstätten erhalten müssten. Doch die geplanten Flächen fänden sich auch an anderen Orten, etwa in der Innenstadt. Zudem brauche man für Werkstätten und den erweiterten Bauhof insgesamt rund 1,1 Hektar Fläche, das stehe in krassem Missverhältnis. Experten sprächen hier von "Flächenfraß". Dass jetzt Ackerboden zerstört werde, habe allein der Magistrat zu verantworten. Denn er habe keinen Druck auf die Eigentümer entlang der Friedberger Straße ausgeübt, wo es noch freie Grundstücke gebe.

Andreas Cleve (CDU): "Absoluter Kokolores"

Für die CDU bezeichnete Andreas Cleve die Ausführungen Breests als "absoluten Kokolores". Man müsse einmal daran erinnern, dass Bau- und Betriebshof früher einmal mitten in der Stadt gewesen seien. "Wir haben damals in der Innenstadt Platz gemacht und den Betriebshof nach außerhalb verlegt." Mit der Ansiedlung der Werkstätten für die Festspiele ließen sich mit dem Betriebshof Synergieeffekte erzielen. Cleve erinnerte daran, dass zur Spielzeit von Mai bis September "Tag und Nacht Betrieb ist". Da sei es gut, dass der Standort der neuen Werkstätten am Ortsrand liege.

Bürgermeister Dr. Thomas Stöhr (CDU) wies die Äußerungen der Grünen gleichfalls zurück. Ohne den neuen Standort gebe es keine Fortentwicklung der Festspiele. "Die Zehntscheune ist nicht ausreichend."

Empörte Zwischenrufe

FW-Fraktionschef Raimo Biere meinte, Breests Äußerungen "schlagen dem Fass den Boden aus". Die Forderung, dass die Werkstätten in ein Wohngebiet sollen, könnten die Grünen doch nicht ernst meinen.

Genauso sah es SPD-Fraktionsvorsitzender Christian Kühl. Es sei richtig, die Werkstätten und Probenbühnen nun zu zentralisieren. "Es ist auch richtig, sie nicht in einem Wohngebiet zu bauen."

Für die Grünen ergriff Fraktionschef Jens Matthias das Wort. Der kleinste Teil des Bebauungsplans sei für die Werkstätten, das Gros für den Betriebshof. "Die Bezeichnung des Bebauungsplans ist eine Täuschung der Bevölkerung." Diese Aussage quittierten Koalitionäre mit Zwischenrufen: "Geben Sie doch zu, dass Sie die Burgfestspiele nicht wollen." Erster Stadtrat Wysocki sagte, die Werkstätten seien 4000 Quadratmeter groß, die Flächen für den Betriebshof 2000 Quadratmeter. Mit den Außenanlagen seien zwei Drittel der beplanten Fläche für die Festspiele und nur ein Drittel für den Betriebshof vorgesehen.

Nachdem die Meinungen ausgetauscht waren, stimmten nur die Grünen gegen den Plan, alle anderen Fraktionen votierten dafür.

Die Stadtplanerin Birgit Diesing hat im Auftrag der Stadt den B-Plan "Theaterwerkstätten" erarbeitet. Im Anschluss an den jetzigen Bau- und Betriebshof soll ein Funktionsgebäude entstehen. Maximale Höhe: zehn Meter. Ausnahme: Auf einer Fläche von 300 Quadratmetern soll das Gebäude zwei Meter höher werden, damit die Burgfestspiele ihre teilweise sehr hohen Bühnenbilder aufbauen können. Die Vorstellung geht zu einem zweigeteilten Gebäude, das lediglich durch einen Gang verbunden ist. Auf der einen Seite könnten Werkstätten und Lagerräume, auf der anderen die Proberäume untergebracht werden.

Als Diesing die Planung in Ortsbeirat und Ausschuss vorstellte, sagte sie, durch eine solche Aufteilung könnte die Lärmbelastung deutlich vermindert werden.

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