Kein Nachwuchs – kein Vorstand

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Nach 31 Jahren steht der Ortsring Bad Vilbel des Deutschen Frauenrings (DFR) vor seiner Auflösung. Wie bereits in der Jahreshauptversammlung im letzten Jahr, als die 159 Mitglieder im November 2016 das 30-jährige Bestehen ihres Ortsringes feierten, fanden sich auch am Donnerstagabend keine Mitglieder für ein Vorstandsamt. Im großen Café des Kurhauses beschlossen über 60 Frauen die Auflösung des gemeinnützigen Vereins im Herbst.

Nach 31 Jahren steht der Ortsring Bad Vilbel des Deutschen Frauenrings (DFR) vor seiner Auflösung. Wie bereits in der Jahreshauptversammlung im letzten Jahr, als die 159 Mitglieder im November 2016 das 30-jährige Bestehen ihres Ortsringes feierten, fanden sich auch am Donnerstagabend keine Mitglieder für ein Vorstandsamt. Im großen Café des Kurhauses beschlossen über 60 Frauen die Auflösung des gemeinnützigen Vereins im Herbst.

Ein Jurist prüft gerade die Konditionen für den Austritt aus dem DFR und die Auflösung des Ortsrings. "Bis zur außerordentlichen Mitgliederversammlung im Herbst bleibt der bisherige Vorstand im Amt", kündigt Hildegard Nölke, die seit 15 Jahren Vorsitzende ist und zuvor acht Jahre stellvertretende Vorsitzende war, an.

Hauptgrund für die Amtsmüdigkeit vieler Mitglieder ist ihr Alter. "Von unseren Mitgliedern sind 82 Frauen 80 Jahre und älter." Im vergangenen Jahr sind vier Mitglieder verstorben, vier haben den Ortsring verlassen, und kein neues Mitglied konnte gewonnen werden. Den harten Kern bilden 26 Frauen, die seit 1986 Mitglied sind", sagte Nölke.

Zuvor hatten die Teilnehmerinnen den Vorstand einstimmig entlastet. Während der DFR-Bundesverband national und international für die Rechte und Gleichstellung von Frauen eintritt und die zehn Landesverbände die Interessen der Frauen gegenüber den Landesregierungen und -parlamenten vertreten, bieten die Ortsringe ihren Mitgliedsfrauen vielfältige Programme an. Deren Bandbreite reicht von Vorträgen, Seminaren und Arbeitskreisen zu aktuellen gesellschaftspolitischen, kulturellen und anderen Themen über Ausstellungsbesuche und Exkursionen bis zum Besuch von Veranstaltungen und Events.

In Bad Vilbel gibt es 14 Arbeitskreise, davon jeweils drei Literatur- und Kegelkreise. Der Vorstand bedankte sich bei den Leiterinnen nach deren Berichten über ihre jeweiligen Programme mit einem Frühlingsblumenstrauß. Nölke griff den Vorschlag einiger Mitglieder auf, als Gruppe unter einem anderen Namen zusammenzubleiben, Ausflüge und gesellige Treffen zu organisieren.

Junge Generation gefragt

Das Motto des DFR lautet seit 1945 "Frauen für Frauen". Mit über 3000 Mitgliedern in zehn Landesverbänden und 42 Ortsringen ist der unabhängige, überparteiliche, überkonfessionelle und gemeinnützige DFR einer der größten Frauenverbände in Deutschland. Zwar wirtschaften die Ortsringfrauen sparsam, dennoch schlossen sie das Jahr 2016 mit einem Minus von 3404 Euro ab. "Von unserem Jahresbeitrag in Höhe von 40 Euro gehen 30 Euro als Beitrag an den Bundes- und drei Euro an den Landesverband Hessen ab. Uns verbleiben sieben Euro." Ausgeglichen werde das Minus von in vielen Jahren gebildete Rücklagen, sagte Nölke.

Nach Ansicht vieler Mitgliedsfrauen ist nun die junge Generation an der Reihe, sich für die Rechte von Frauen in Wirtschaft, Gesellschaft und Politik zu engagieren. "Frauenrechte sind nicht vom Himmel gefallen, sondern wurden von Frauen selbst ab 1945 hart erkämpft." Vor allem vor dem Hintergrund populistischer Bestrebungen lohne es sich wieder, für Frauenrechte zu kämpfen und mutig Flagge zu zeigen.

Zu den Themen des DFR gehören Gleichstellung, Arbeitsmarkt- und Beschäftigung, Vereinbarkeit von Familie und Beruf, Rollenstereotype, sexistische Werbung, Gewalt gegen Frauen, weibliche Genitalverstümmelung, Gesundheitspolitik, Wohnen im Alter und Pflege, Generationengerechtigkeit und Nachhaltigkeit. Zwar hätten Frauen in Deutschland noch nie so viele Rechte wie heute gehabt, dennoch sei die wirkliche Gleichberechtigung nicht erreicht. Es gebe noch viel zu tun in Sachen gleicher Lohn für für gleiche Arbeit, Gleichstellung, Frauen- und Menschenrechte.

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