wpa_JoergUweHahn_090621_4c_2
+
Jörg-Uwe Hahn blickt auf ein »anstrengendes Jahr« als Sozialdezernent zurück.

STADTPARLAMENT

Kein Groll, sondern große Zufriedenheit

  • VonPatrick Eickhoff
    schließen

Bad Vilbel (wpa). Zehn Jahre haben die Freien Demokraten in Bad Vilbel das Sozialdezernat ehrenamtlich geleitet. Vor rund zwölf Monaten hat Jörg-Uwe Hahn das Amt von seiner verstorbenen Frau übernommen. Im Interview mit Redakteur Patrick Eickhoff spricht der Vorsitzende der Bad Vilbeler FDP über die Arbeit in Corona-Zeiten, besondere Projekte und wieso seine Partei gegen eine hauptamtliche Besetzung des Dezernats ist.

Herr Hahn, es ist etwas mehr als 12 Monate her, dass Sie das Amt des Sozialdezernenten von ihrer verstorbenen Frau übernommen haben. Wie blicken Sie zurück auf diese besondere Situation?

Es war ein sehr anstrengendes Jahr. Sicherlich habe ich mich zunächst auch in mehr Arbeit geflüchtet. Doch alles in allem hat es mir sehr viel Spaß gemacht. Das hat natürlich auch seine Gründe.

Welche wären das?

Die Mannschaft dort - unter Leitung von Jörg Heinz - war und ist sehr gut organisiert. Das hat natürlich auch damit etwas zu tun, wie meine Frau das Team jahrelang geführt hat. Mit Jörg Heinz, Carolin Hartmann, Susanne Förster und Thomas Kahler gibt es jeweils Leiter, die ihren Job richtig gut verstehen. Das hat Spaß gemacht, auch habe ich mich in keinster Weise ums operative Geschäft kümmern müssen.

Wie lief denn die Arbeit ab?

Wir haben zentral einmal die Woche länger zusammengesessen. Ins operative Geschäft habe ich nur eingegriffen, wenn ich von Bürgern auf Probleme angesprochen wurde. Wir haben als Team schnell einen Level gefunden im gegenseitigen Austausch. Sie haben schnell kapiert, wie ich ticke und umgekehrt. Wir konnten viel auf die Beine stellen.

Was denn genau?

Nehmen wir die Wunschbaum-Aktion vom Seniorenbüro. Das war ein voller Erfolg. Das haben Sandra Schneider und Lidia Burhard klasse umgesetzt. Auch die Impffahrten waren sensationell.

Gab es Projekte, auf die Sie besonders gerne zurückblicken? Im Quellenpark wurde beispielsweise die neue Kita eröffnet.

Ich würde mich total überheben, wenn ich sagen würde, das ist alles in den vergangenen zwölf Monaten entstanden. Manchmal waren es auch fast Kleinigkeiten.

Können Sie das näher ausführen?

Als Vizepräsident des Hessischen Landtages habe ich die Modelleisenbahner besucht und einen Scheck überreicht. Wir konnten es allerdings nur im Haus der Begegnung machen, da sie keine Ausstellungsräume mehr hatten, seit das Hallenbad abgerissen wurde. Im DRK-Haus stand vieles bis auf die Altkleider Vorräte leer. Lange Rede, kurzer Sinn: Jetzt haben die Modelleisenbahner wieder einen Raum. Ich nenne so was gerne Kollateral-Erfolge, die eigentlich nichts mit dem Sozialamt zu tun haben.

Gab es noch weitere Höhepunkte?

Ein Punkt, der mir wichtig war, war die Besetzung des Behindertenbeauftragten. Die Stelle war nach dem Wegzug von Hajo Prassel länger nicht besetzt. Dort habe ich schnell gemerkt, die Fehler lagen im Behördenablauf. Jetzt haben wir Dagmar Schnurpfeil und das finde ich klasse.

Der Sozialausschuss wird künftig in Bad Vilbel der Sozial- und Kulturausschuss sein. Die FDP hatte beantragt, einen Kulturausschuss neu einzuführen. Wieso?

Zunächst begrüße ich das Ergebnis, denn damit ist die Forderung der FDP umgesetzt. Es wurde ja gesagt, dass jetzt zusammengeführt wird, was zusammen gehört. Na ja! Das hat natürlich was miteinander zu tun, aber dann müsste auch Sport dazukommen. Aber jetzt können Stadtverordnete nicht nur zur Eröffnung der Burgfestspiele gehen, sondern sich strategisch um solche Belange im Parlament kümmern.

Die Grünen betonten, dass die Sitzungen des Sozialausschusses immer sehr kurz gingen.

Das lag an der Opposition. Die Verwaltung sucht keinen Ausschuss. Diese braucht diesen nur, wenn sie eine Genehmigung sucht. Klassisches Beispiel ist hier die Aussetzung der Kita-Gebühren in Pandemie-Zeiten. Offensichtlich war die Arbeit der beiden FDP Dezernenten so gut, dass die Opposition nicht mit Anträgen eingreifen musste.

Die FDP hat aber auch nicht gerade viele Kulturanträge in den vergangenen Jahren gestellt.

Das stimmt. Allerdings waren wir auch in der Regierung. Und jetzt werden definitiv Anträge kommen.

Ihr Nachfolger beziehungsweise ihre Nachfolgerin wird das Amt nicht mehr ehrenamtlich ausführen. Die FDP hat sich klar dagegen positioniert. Wieso?

Wir haben immer gesagt: Nutzt doch bitte die Leute, die noch Zeit haben und kein Geld mehr verdienen müssen. Das war in Vilbel lange Zeit so. Meine Frau war nicht die einzige, Klaus Minkel macht das noch länger. Meine Frau hat das auch sehr bewusst gemacht, weil sie sich nicht in die Zwänge eines Beamtentums hineingeben wollte. Die 100 000 Euro kann man im Jahr besser nutzen.

Sie haben gesagt, dass Sie kaum ins operative Geschäft eingreifen mussten. Jetzt wird die Stelle hauptamtlich besetzt. Was bedeutet das für die von Ihnen genannten Strukturen?

Ich sehe schon, dass es eine riesige Umstellung für den Fachbereich geben wird, wenn jemand dort tagtäglich da ist. Es werden bestehende Strukturen verändert. Schließlich gab es in Bad Vilbel noch nie einen Dezernenten ausschließlich für das Sozialamt.

Wird es eine Übergabe geben?

Ich habe meinem SPD Magistratskollegen Udo Landgrebe gesagt, dass ich zu jeder Tages- und Nachtzeit bereit bin, meinen oder meine Nachfolgerin zu informieren. Das entscheide allerdings nicht ich, sondern diese neue Person. Ich gehe ja schließlich nicht im Groll, sondern in großer Zufriedenheit.

Heute Abend, 18 Uhr, findet im Dortelweiler Kultur- und Sportforum die nächste Stadtverordnetenversammlung statt. Allerdings steht nur der Punkt zur Haushaltsanpassung auf der Tagesordnung, da neben der Stelle für den neuen hauptamtlichen Stadtrat auch eine Referentenstelle geschaffen wird. wpa

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare