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Hermine Porth erinnert sich gerne an ihre Kindheit zurück. Zum Geburtstag gratuliert auch ihre Tochter Brigitte Fornuto. FOTO: CF

Als Katholikin aus Baden in die Wetterau

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Bad Vilbel(cf). Am 24. März 1920 kämpfte im Ruhrgebiet die "Rote Armee" der Arbeiter gegen das reaktionäre Freikorps, in vielen Städten erschienen aufgrund anhaltender Streiks Notausgaben regionaler und überregionaler Zeitungen zum Ende des Kapp-Putsches, große Teile der Bevölkerung waren arbeitslos und hungerten. Bei Familie Sauer, im für den Meerrettichanbau bekannten badischen Dorf Urloffen, strahlten dagegen zwei junge Eltern am 24. März 1920 vor Glück. Ihr erstes von vier Kindern, Tochter Hermine, erblickte gesund und munter das Licht der Welt.

Hermine, die bis heute "streng katholisch" ist, lernte nach dem Besuch der Volksschule das Weberhandwerk und verdiente sich anschließend ihren Lebensunterhalt als Haushaltshilfe. 1940 kam die Zwanzigjährige nach Frankfurt, wo sie als Helferin in der Säuglingspflege und in einem Kindergarten arbeitete. Durch einen Arbeitskollegen lernte sie Karl Porth aus Bad Vilbel kennen und lieben. Am 3. Februar 1944 heiratete das Paar in Urloffen. Ihr einziges Kind, Tochter Brigitte, kam am 4. Februar 1945 zur Welt. Hermine Porth kümmerte sich von da an um die Erziehung der Tochter und den Haushalt. Ihr einziges Hobby war die Arbeit im eigenen Garten. Dort baute sie als Selbstversorgerin Gemüse und Kartoffeln sowie Blumen an.

Tochter Brigitte heiratete mit 18 Jahren. Zur Familie Fornuto gehören heute drei Enkel und zwei Urenkel. Hermine Porth unterstützte die Tochter, half ihr im Haushalt und bei der Kindererziehung. Seit vielen Jahren verwitwet versorgte Hermine Porth ihren Haushalt allein. Nach einer Hüfoperation im Jahr 1980 konnte sie nur noch mithilfe von Krücken gehen. Nach mehreren Stürzen kümmerte sich außer der Familie auch der Caritas Pflegedienst um die Vilbelerin. Seit 1990 sitzt die Seniorin im Rollstuhl.

Seit drei Jahren im Altenzentrum

Vor drei Jahren gab Hermine Porth ihre Wohnung auf und bezog ein Apartment im Ostflügel des Altenzentrums Heilsberg. Dort fühlt sie sich wohl und feiert ihren 100. Geburtstag. Von ihren drei jüngeren Geschwistern lebt nur noch ihr Bruder Edmund.

Gern erinnert sich Hermine Porth an ihre Kindheit im kleinen einst von der Landwirtschaft geprägten Dorf zurück. "Mein Heimatdorf wurde um 500 während der fränkischen Landnahme gegründet und 1150 erstmals urkundlich erwähnt", berichtet die Jubilarin stolz. Gegen den Widerstand der Einwohner wurde die Gemeinde Urloffen am 1. Januar 1975 nach Appenweier eingemeindet. Das sorgt bis heute für Gesprächsstoff bei den Dorfbewohnern in der Mitte Badens ebenso wie in der südlichen Wetterau.

Die WZ wünscht Hermine Porth einen schönen Geburtstag und alles Gute für die kommenden Jahre.

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