Wenn dieses Fahrzeug irgendwo steht, heißt das: Es findet gerade eine Radarkontrolle statt. Wie hier in Groß-Karben sitzen im Fahrzeug zwei Polizisten, einer aus Bad Vilbel, der andere aus Karben. FOTO: HOLGER PEGELOW/
+
Wenn dieses Fahrzeug irgendwo steht, heißt das: Es findet gerade eine Radarkontrolle statt. Wie hier in Groß-Karben sitzen im Fahrzeug zwei Polizisten, einer aus Bad Vilbel, der andere aus Karben. FOTO: HOLGER PEGELOW/

Gemeinsamer Ordnungsamtsbezirk aufgelöst

Karben will künftig alleine "blitzen"

  • Holger Pegelow
    vonHolger Pegelow
    schließen

Wenn in Bad Vilbel oder Karben aktuell Tempokontrollen stattfinden, sitzen immer zwei Polizisten im Wagen: einer aus Bad Vilbel, der andere aus Karben. Jetzt hat Karben den gemeinsamen Ordnungsamtsbezirk aufgekündigt und will alleine weitermachen.

W enn in der südlichen Wetterau ein großer grauer VW-Bus mit getönten Scheiben steht, heißt es für die Autofahrer, runter vom Gas. Denn rund um den Bus oder in dessen unmitelbarer Nähe stehen noch andere Geräte, Messgeräte, ein externer Blitz und zwei Kameras. Und in dem Bus sitzen vor den Bildschirmen zwei Polizeibeamte. Einer stammt aus Bad Vilbel, der andere aus Karben. Ob an der Kreisstraße nach Heldenbergen, im alten Ortskern von Groß-Karben, auf der Landesstraße vor Burg-Gräfenrode, am Schöllberg in Bad Vilbel oder in den Wohnstraßen der Brunnenstadt - stets geht man gemeinsam gegen Temposünder vor.

Der rechtliche Rahmen dazu ist ein gemeinsamer Ordnungsamtsbezirk, den die beiden Städte im Mai 2011 gegründet haben und der vom Regierungspräsidium Darmstadt genehmigt wurde. Seinerzeit wurde die Presse eingeladen, darüber groß zu berichten. Feierlich unterzeichneten die beiden Bürgermeister Thomas Stöhr und Guido Rahn (beide CDU) am 13. Mai 2011 die "Vereinbarung über die Zusammenfassung der Städte Bad Vilbel und Karben zu einem gemeinsamen örtlichen Ordnungsbehördenbezirk".

Beide Städte wollten vor allem aus einem Grund zusammenarbeiten: Die im Einsatz befindlichen Radargeräte waren in die Jahre gekommen. Seinerzeit hatte man die Möglichkeit, ein digital arbeitendes Gerät anzuschaffen. Aber das war zwischen 80 000 und 100 000 Euro teuer. Das würde sich pro Stadt quasi nur lohnen, wenn es an sieben Tagen die Woche rund um die Uhr im Einsatz sei, sagte man sich in beiden Städten. Deshalb wollte man sich die Kosten teilen und entsprechend gemeinsam auf Tempo-Kontrolle gehen. Seitdem sind glatte neun Jahre vergangen. Aber nun will Karben seinen eigenen Weg gehen.

Neun Jahre sind vergangen

Der Bad Vilbeler Bürgermeister Thomas Stöhr machte im Haupt- und Finanzausschuss den Entschluss der Nachbarkommune öffentlich. Von dort hieß es auf Nachfrage dieser Zeitung: Die seinerzeitige Entscheidung zur Kooperation mit Bad Vilbel sei eine gute Entscheidung gewesen. Es habe jahrelang geholfen, einen Mindeststandard an Überwachungen durchzuführen, teilt Bürgermeister Guido Rahn mit. "Aufgrund der gestiegenen Anforderungen und auch Forderungen von Seiten betroffener Anwohner und Gremien, ist es jetzt aber besser, unsere eigene Personalstärke zu erhöhen und eigenständig zu agieren", betont das Karbener Stadtoberhaupt. Man beabsichtige die weitere Aufstockung des Personals im Bereich der Stadtpolizei.

Wie berichtet, stehen dafür im Stellenplan zwei zusätzliche Stellen, die vom Stadtparlament bereits genehmigt wurden. Laut Rahn gebe es eine Reihe von Bewerbungen. Die entsprechenden Gespräche hatte die Stadt wegen der Pandemie aber ausgesetzt. Durch die zusätzlichen Stadtpolizisten erreiche die Stadt Karben eine Personalstärke, "um die Geschwindigkeitskontrollen eigenständig durchführen zu können", so Rahn weiter.

Karben könne somit flexibler reagieren, etwa sehr kurzfristig auf Wünsche von Bürgern/Anwohnern oder auch bei Gefahrenstellen beispielsweise durch Baustellen. Rahn erinnert an den schweren Unfall auf der Landstraße von Kloppenheim nach Ober-Erlenbach. "Hier kommen jetzt Wünsche nach Geschwindigkeitsbeschränkungen und Messungen."

Oder die Ortseinfahrt in Klein-Karben von Rendel aus oder "die extrem hohen Raserzahlen", , wie es heißt, im Bereich Kreisstraße 246/Karbener Wald im Bereich Einfahrt zum Trimmpfad. Aber auch vor der Kita in der Dieselstraße, vor dem Jukuz sowie vor Grundschulen werde man verstärkt messen. Karben will laut Bad Vilbels Stadtoberhaupt Stöhr den aktuell genutzten VW-Bus übernehmen, "Bad Vilbel beschafft sich ein neues Fahrzeug." Wann der gemeinsame Bezirk aufgelöst wird, dazu machte das Büro des Bad Vilbeler Bürgermeisters keine Angaben.

Finale Gespräche stehen noch aus

Stadtsprecher Yannick Schwander sagt dazu, zunächst einmal müsse das Regierungspräsidium den gemeinsamen Ordnungsamtsbezirk wieder auflösen. Und dafür müssten noch Gespräche stattfinden. Die Stadt Bad Vilbel könne jedenfalls einen alleinigen Ordnungsamtsbezirk gewährleisten.

"Ob es dann zukünftig weitere Ordnungskräfte geben wird, das werden dann die kommenden Beratungen des Haushalts und des Stellenplans zeigen", informiert der Pressesprecher. Auf die Frage, ob Bad Vilbel statt mit Karben eventuell dann mit anderen Kommunen zusammenarbeiten wollte, antwortet Yannick Schwander, dass dies derzeit nicht geplant sei.

Keine gemeinsamen Kontrollen

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare