Auf dem Karbener Wochenmarkt halten sich alle an die Regeln. 	FOTOS: JÜRGEN SCHENK
+
Auf dem Karbener Wochenmarkt halten sich alle an die Regeln. FOTOS: JÜRGEN SCHENK

Krisenalltag

Karben und Bad Vilbel: Wie wirkt sich die Pandemie auf das Zusammenleben aus?

  • vonJürgen Schenk
    schließen

Von Slapstick bis Panik: Der Krisenalltag bietet teilweise Ansichten und Reaktionen, mit denen man erst einmal klarkommen muss. Was hat die Pandemie mit unserem Zusammenleben gemacht?

Ein paar Kilometer joggen am Morgen ist auch zu Corona-Zeiten nicht die schlechteste Idee. Der Uferweg beiderseits der Nidda zwischen Groß-Karben und Okarben bietet dafür die ideale Strecke. Auf Okärber Seite ist der Weg naturbelassen und relativ schmal. Bei schönem Wetter sind dort Spaziergänger, Mütter mit Kinderwagen oder andere Jogger unterwegs.

Wie es diese Zeit so mit sich bringt, kann man auf einem Teilstück von zirka 600 Metern mehrere Reaktionen erleben. Beim Überholen einer Mutter mit Kinderwagen erhält man einen Rüffel wegen des angeblich nicht eingehaltenen Abstands.

Corona-Alltag in Karben und Bad Vilbel:Schüler ohne jeden Sicherheitsabstand

Kurz darauf läuft ein älteres Ehepaar mitten auf dem Weg. Da der Mann nicht reagiert, reißt seine Frau ihn regelrecht zur Seite. Nach einem großen Bogen um sie herum, schallt ein erleichtertes »Danke« hinterher.

Unter der Brücke der Nordumgehung, ein paar Hundert Meter weiter, hat sich eine Gruppe Jugendlicher in der schulfreien Zeit getroffen. Abstandsregeln scheinen hier überhaupt keine Rolle zu spielen. Weder untereinander, noch zu Passanten. Da bleibt einem beim Joggen doch tatsächlich die Spucke weg.

Mittags soll es dann leckeren Döner vom Döner-Grill in Klein-Karben geben. Der Inhaber hat die Möglichkeit, seine Speisen im Straßenverkauf an den Mann oder an die Frau zu bringen. Vor dem Fenster stehen zwei große Tische, damit der nötige Mindestabstand eingehalten wird. Zwei Kinder, vermutlich Geschwister, haben das System verstanden und verhalten sich bei der Abholung vorbildlich. Nach ihnen kommen zwei junge Männer an die Reihe. Während sich der Erste über einen der Tische lümmelt, drängt der Zweite wartende Kunden durch seine Nähe zur Seite. Zum Bezahlen müsste man sich praktisch genau in ihre Mitte zwängen, mit einem geschätzten Abstand von 30 Zentimetern zu beiden. Erst nach einer entsprechenden Geste räumen sie das Feld. Immerhin kommt im Anschluss eine zaghafte Entschuldigung, die nicht unerwähnt bleiben soll.

Nachmittags gibt es dann noch etwas in Bad Vilbel zu erledigen. In den Kaufhäusern und Geschäften am Niddaplatz stimmt das Verständnis der Kunden. Alle haben Masken an und achten auf die Regeln. Für die Frage, wohin die Maske draußen verschwinden soll, gibt es jetzt unterschiedliche Ideen. Der letzte Schrei ist offensichtlich, sie lässig von einem Ohr herunterbaumeln zu lassen.

Corona-Alltag in Karben und Bad Vilbel: Lebensfreude auf der Niddaterrasse

Mit den längeren Wartezeiten scheinen sich die meisten Menschen inzwischen arrangiert zu haben. Hauptsache, die Geschäfte haben überhaupt wieder geöffnet. Auf der Niddaterrasse an der Brücke suchen viele Menschen einen Platz in der wärmenden Nachmittagssonne. Auch das gibt ein Stück Lebensfreude zurück.

Beim Einkauf im Supermarkt fällt einem manchmal eine Diskrepanz auf, die nicht einfach zu erklären ist: Drinnen scheint es mit der sozialen Distanz gut zu funktionieren, draußen nicht immer. So kann es passieren, dass sich Leute angeregt von einem Parkplatz zum anderen miteinander unterhalten. Das ist während Corona bestimmt nichts Schlechtes. Muss man als Unbeteiligter dann jedoch durch diesen schmalen Korridor hindurch, kommt schnell Unbehagen auf. Meistens dürfte das aber hoffentlich unbegründet sein.

Es ist derzeit nicht leicht, lächelnde Gesichter unter den Masken zu erkennen. Man muss seinen Mitmenschen dann schon sehr tief in die Augen schauen. Doch es wird immer noch gelächelt - und tief in die Augen schauen hat ja auch etwas für sich.

Corona-Alltag in Karben und Bad Vilbel: Einfache Regeln 

Wir sollen Abstand halten und gleichzeitig enger zusammenrücken - die Corona-Pandemie kann einen schon mal zur Verzweiflung treiben. Dabei gibt es die wichtigsten Regeln auch in »einfacher Sprache«; sie gelten trotz der bundesweiten Lockerungen weiterhin. Ein Auszug:

Halten Sie Abstand zu Menschen, die niesen und husten. Mindestens einen Abstand von einer Armlänge, besser zwei Armlängen. Geben Sie anderen Menschen nicht die Hand. Umarmen Sie keine anderen Menschen. Vermeiden Sie Orte, wo viele Menschen sind. 

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare