Kammermusikensemble Laubenheim überrascht die Zuhörer mit rockigen Kompositionen. FOTO: PRIVAT
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Kammermusikensemble Laubenheim überrascht die Zuhörer mit rockigen Kompositionen. FOTO: PRIVAT

Das "Kamel" rockt die Kirche

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Bad Vilbel(pm). So geht es nun schon seit Monaten: Wenig Freude, kaum Musik, abgesagte Konzerte, immer nur triste Pandemie und Notstand, Pleiten und Angst, teilt die Heilig-Geist-Gemeinde Heilsberg mit. Der Förderkreis Kirchenmusik um Christine Neumann und Pfarrer Jürgen Seng seien drangeblieben und haben, trotz der Situation und dem allgemeinen Frust unter den Künstlern, zwei außergewöhnliche Konzerte anbieten können.

Zum Auftakt trat das Kammermusikensemble Laubenheim auf, kurz "Kamel". Das Konzert habe sehr barock und scheinbar vorhersehbar begonnen: Die Hornpipe aus der Wassermusik machte mit kleinem Ensemble den Anfang. Aber schon dabei sei der Funke übergesprungen, heißt es von der Heilig-Geist-Gemeinde. Tempi wurden individuell angezogen, Rhythmen verstärkt. Schnell sei klar gewesen: Das Kamel spielt diese Musik, die man scheinbar kennt, aber nicht so - ganz anders, eben neu. So lebendig, so zeitlos, so fröhlich.

So kam es, dass nicht nur die überwiegend jungen Musiker - alle etwa Anfang bis Mitte 20 - beim Musizieren lächelten, sondern das Publikum, brav auf Abstand auf den Kirchenbänken platziert, mit Spaß und Freude an der Musik flächendeckend und im überaus positiven Sinn "angesteckt" wurde. Das habe auch mit der sehr persönlichen Moderation des Programms durch den Orchesterleiter zu tun gehabt, der das Streicherensemble durch Kopfnicken mit seiner langen Lockenmähne souverän dirigierte.

Und nach Mendelssohn, wunderschön und getragen, hob das Konzert ab: Denn nun gaben sich Freddie Mercurys Bohemian Rhapsody, Pietro Mascagni und Stevie Wonder musikalisch die Hände. Die Bassgeige wurde zum Stand-up Bass, die Celli gehörten plötzlich auch zur Rhythmusgruppe, dazu gesellte sich eine "Cajon" genannte Holzkisten-Trommel. Ron Goodwins Thema der "Tollkühnen Männer in ihren fliegenden Kisten" schwebte genauso wie ein freches und intelligentes Arrangement des Beatles-Klassikers "All You Need Is Love". Und dass alles so wunderbar klang, habe nicht zuletzt an der individuellen Qualität jedes einzelnen Musikers gelegen. Es ging virtuos weiter mit Piazzollas Libertango und Michael Jacksons Smooth Criminal.

Am Schluss dann eine sehr gefühlvolle Fassung von Grönemeyers "Der Weg". Geschrieben nach dem Tod seiner Frau Anna konterkarierte diese von Gastsänger Giovanni Lombardi dramatisch vorgetragene Fassung die Gesamtstimmung des Konzertes - musikalisch für viele der Zuhörer ein weiterer Höhepunkt. Das Orchester behielt lyrisch die Oberhand, gemessen, ohne Kitsch. Der Balanceakt gelang, so wie das ganze Konzert, das drei Zugaben später unter fast endlosem Beifall viel zu schnell zu Ende gegangen sei.

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