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Ein Kämpfer und Optimist

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Manfred Thrun ist vielseitig interessiert, gut informiert und sozial engagiert. Nach seinem Schlaganfall findet er zurück ins normale Leben.
Manfred Thrun ist vielseitig interessiert, gut informiert und sozial engagiert. Nach seinem Schlaganfall findet er zurück ins normale Leben. © Christine Fauerbach

Bad Vilbel (cf). Wenn jemand einen Schlaganfall erleidet, muss er schwer kämpfen, um wieder ins Leben zurückzufinden. So eine Kämpfernatur ist Manfred Thrun, langjähriger Leiter des Berufsförderungswerkes Bad Vilbel und SPD-Kreistagsabgeordneter. Über den dramatischen Tag im November spricht er mit der WZ.

Manfred Thrun hat privat ein Ziel vor Augen: »Ich will 2017 wieder Skilaufen, denn ich bin ein leidenschaftlicher Skifahrer.« Ein ambitioniertes Ziel, denn seit dem 8. November 2015 ist nichts mehr so, wie es war. »Kurz vor dem Frühstück habe ich im Bett gemerkt, dass ich mich nicht mehr bewegen konnte, nur noch genuschelt habe.« Ehefrau Renée Eve Seehof erkannte die Anzeichen eines Schlaganfalls, holte Hilfe. Innerhalb kürzester Zeit waren Rettungssanitäter des DRK vor Ort, versorgten ihn und brachten ihn ins Krankenhaus.

Von dort war er vom 23. November bis zum 5. Februar in Bad Camberg zur Reha. »Ich habe Schindluder mit meiner Gesundheit getrieben. Ich musste mir alles erarbeiten, habe keinen Tag während meiner Berufstätigkeit gefehlt, war stets fit wie ein Turnschuh.« Das hat ihn nicht nur seine Gesundheit, sondern auch seine erste Ehe gekostet. »Ich war nie da.« Er bekam bei der Scheidung die drei heute erwachsenen Söhne zugesprochen, mit denen er »extrem viel unternommen hat«. Unter anderem die schönste Reise seines Lebens nach Kamtschatka. »Wir sind zwei Wochen auf der Halbinsel mit den 29 aktiven Vulkanen, atemberaubenden Landschaften gewaltigen Geysiren und Thermalquellen, Millionen von Lachsen und riesigen Bären gewesen. Und haben in der Tundra gecampt.«

Manfred Thrun weiß: »Beharrlichkeit lässt das Ziel erreichen.« Und so trainiert er zu Hause, geht regelmäßig zu den Therapeuten: »Sie haben meine Hände wieder wachgeküsst.« Seine Erkrankung hat dem Experten für Sozialgesetzgebung viele neue Erkenntnisse beschert: »Ich dachte, ich weiß alles und musste feststellen, dass ich von der Realität in den Kliniken wenig weiß.« Und so hat er während seiner Reha fast 100 Manuskriptseiten mit Erkenntnissen und Verbesserungsvorschlägen notiert. »Ich will mich mit den Krankenkassen in Verbindung setzen. Die Folgen der Rahmenbedingungen sind schrecklich. Es wird zulasten der Menschen, der Patienten und des Personals gespart«, sagt der Vielschreiber und ambitionierte Leser von Krimis, Belletristik und Sachbüchern. »Politik ist eine Leidenschaft von mir«, erklärt er. Am 6. März kandidiert der Vilbeler zum zweiten Mal für den Kreistag. »Ich bin ein Fan von Landrat Joachim Arnold, habe am Wahlprogramm des Kreises mitgearbeitet.

« Bei seiner Wiederwahl möchte er gern seine Arbeit als Vorsitzender des Ausschusses für Jugend, Soziales und Gesundheit fortsetzen, sich für Inklusion – »das System muss sich auf den Menschen einstellen und nicht umgekehrt« – und Flüchtlinge engagieren. »Wir können sie integrieren, werden nach 30 Jahren froh sein, sie zu haben.« »Ich komme jetzt mit völlig neuen Ideen. Ich will weiter an den mir wichtigen Dingen wie Sozialgesetzgebung, bezahlbarer Wohnraum, ausreichende und im Laufe der Zeit gebührenfreie Kindergartenplätze arbeiten.« Am Mittwoch war er nach vier Monaten zum ersten Mal wieder im Kreistag gewesen und vom Zuspruch »sehr berührt«. »Nach zweieinhalb Stunden wusste ich wieder, was ich vermisst habe.« Manfred Thrun appelliert an alle Bürger, wählen zu gehen, denn »Kommunalpolitik betrifft uns alle. Hier muss jeder ein Zeichen setzen.«

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