Immer den Überblick behalten: "Mittlerweile gibt es ganz viele verschiedene Sarg- und Urnenmodelle", sagt Nico Jeckel. 	FOTO: PATRICK EICKHOFF
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Immer den Überblick behalten: »Mittlerweile gibt es ganz viele verschiedene Sarg- und Urnenmodelle«, sagt Nico Jeckel.

Interessanter Beruf

Pietät Jeckel Bad Vilbel: 20-Jähriger macht Ausbildung zum Bestatter

  • vonPatrick Eickhoff
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Nico Jeckel aus Bad Vilbel hat sich für die Ausbildung zum Bestatter entschieden. Den ein oder anderen Fall wird er so schnell nicht vergessen.

Trauer, Verzweiflung, Hilflosigkeit. Stirbt ein Angehöriger, ist bei vielen Familien nichts mehr wie zuvor. Ein entscheidender Schritt im Trauerprozess ist die Bestattung. Wo für die einen die Verarbeitung der Trauer beginnt, startet die Arbeit der Pietät. »Natürlich ist es nicht immer leicht, aber es ist wichtig, für die Angehörigen da zu sein«, sagt Nico Jeckel. Er ist der Sohn von Michael, der gemeinsam mit seinem Bruder Rudolf die Pietät Jeckel aus Bad Vilbel leitet. Den Familienbetrieb gibt es seit 1852.

Die Frage, was ihn an seinem Job am meisten begeistert, kann der 20-Jährige schnell beantworten. »Die Arbeit mit den Hinterbliebenen, aber auch mit den Verstorbenen«, sagt er. Ein Bestatter muss mehr können als nur einfühlsame Gespräche mit den Hinterbliebenen führen. »Das Einbetten, die hygienische Versorgung sowie das Ankleiden und Herrichten der Person spielen eine wichtige Rolle.« 

Pietät Jeckel Bad Vilbel: Corona-Krise stellt Bestatter vor besondere Herausforderungen 

Die Corona-Pandemie stellt die Bestatter vor besondere Herausforderungen. In Hessen sind diese nicht als systemrelevant eingestuft. »Materialien haben wir genug. Wir bestellen rechtzeitig und in großen Mengen.« Dennoch müsse man beim Einsargen und Desinfizieren ohnehin vorsichtig sein. »Der Verstorbene bekommt einen Mundschutz auf und wird nocheinmal extra desinfiziert.« Auf dem sogenannten Leichenschauschein sind von den Ärzten alle wichtigen Dinge notiert. »Wir tragen ohnehin einen Ganzkörperanzug, Masken und Handschuhe.«

Pietät Jeckel Bad Vilbel: Bestatterbranche befindet sich im Wandel

Auch für die Angehörigen habe sich einiges verändert. »Trauerhallen sind geschlossen. Beerdigungen werden nur noch im kleinen Rahmen abgehalten.« Kein Verständnis hat der 20-Jährige dafür, dass es diesbezüglich unterschiedliche Verordnungen in verschiedenen Landkreisen gibt. »Ich würde einheitliche Regeln deutlich besser finden.« Wie viele Personen am Grab des Hinterbliebenen stehen dürfen, sei von Gemeinde zu Gemeinde unterschiedlich.

2017 hat Nico Jeckel seine Ausbildung begonnen. Ende Juni dieses Jahres soll sie fertig sein. Manche Ereignisse aus diesen drei Jahren haben sich fest ins Gedächtnis eingebrannt, gibt er zu. »Ich bin einmal mit meinem Vater zu einer Wohnung gekommen, und der Verstorbene lag dort bereits etwas länger. Als wir aus dem Auto ausgestiegen sind, haben wir diesen penetranten unangenehmen Geruch wahrgenommen. Diesen werde ich nie vergessen.«

In der Regel kommen jedoch die Hinterbliebenen auf die Pietät zu. »Meistens führen wir viele Gespräche mit den Angehörigen, bietet ihnen einen Halt.« Trauerpsychologie sei sehr wichtig, betont Jeckel.

Pietät Jeckel Bad Vilbel: Auszubildende lernen im Homeschooling

Der 20-Jährige weiß, wovon er spricht. Bald steht die Abschlussprüfung an. »Wir haben bereits die Informationen erhalten, dass sie trotz Corona stattfindet.« Lediglich in den vergangenen Wochen war der 20-Jährige nicht mehr im Bundesausbildungszentrum für Bestatter im bayerischen Münnerstadt. »Homeschooling war natürlich ungewohnt, wenn man es sonst nicht hatte.« Von den Lehrgängen kommt er immer mal wieder mit Informationen nach Hause, die auch für Vater Michael und Onkel Rudolf interessant sind. »Die Branche hat sich gewandelt. Früher gab es deutlich mehr Erdbestattungen. Heute sind es größtenteils Feuerbestattungen.«

Das zeigt sich im Büro an der Friedberger Straße in Bad Vilbel. Neben einer Auswahl an Särgen ist dort vor allem das Urnensortiment gewachsen. »Immer auf dem aktuellsten Stand sein. Auch das ist ein wichtiger Teil unseres Jobs.« Mails sortieren, Kontakt mit Standesämtern aufnehmen, Büro aufräumen. »Wir können hier ja niemanden empfangen, wenn es nicht angemessen aussieht.«

Pietät Jeckel Bad Vilbel: Jedes Holz hat seine Vorteile

Nico Jeckel kennt sich aus. Detailliert beschreibt er die Vorzüge einzelner Modelle. »Wir haben es in verschiedene Preisklassen eingeteilt. Von der Hausdachform über den Kuppelsarg bis zum klassischen Sarg haben wir alles da.« Dabei muss er sich auch mit dem Holz auskennen. »Eiche, Nussbaum, Linde oder Pappel. Jede Variante hat ihre Vorzüge«, sagt er.

Obwohl er damit aufgewachsen ist, stand lange nicht fest, dass er ebenfalls Bestatter wird. »Ich wusste zwar, was mein Vater und mein Onkel beruflich machen, aber um was es da genau geht, wusste ich nicht.« In mehreren Praktika habe er sich das näher angeschaut. Schnell wurde klar: Er möchte ebenfalls im Betrieb arbeiten. Heute kann sich der 20-Jährige nichts besseres vorstellen. »Ich bin die sechste Generation«, sagt er stolz.

Sollte Nico Jeckel Ende Juni seine Abschlussprüfung bestehen, darf er sich offiziell Bestattungsfachkraft nennen. Danach gebe es die Möglichkeit, seinen Bestattunsgmeister zu machen. »Bevor ich mich dafür entscheide, möchte ich erst Erfahrung sammeln. Da muss Zeit verstreichen. Mit dem Wissen, was ich mir jetzt angeeignet habe, finde ich es nicht sinnvoll, direkt den Meister zu machen.«

Pietät Jeckel Bad Vilbel: Rund um die Uhr erreichbar

Der 20-Jährige weiß, dass sein Beruf ihn dazu zwingt, einige Opfer zu bringen. Denn ein Bestatter ist rund um die Uhr erreichbar. »Es ist egal, ob früh morgens oder am Wochenende mitten in der Nacht. Wenn das Telefon klingelt, sind wir da.« Da müsse er beim gemeinsamen Treffen mit Freunden, auch mal zügig die Runde verlassen. »Die haben dafür Verständnis. Wenn die Zeit bleibt, kehre ich danach wieder zurück zu ihnen.« Wichtig ist, abschalten zu können. »Man darf auf keinen Fall etwas mit nach Hause nehmen. Das ist sonst eine zu große psychische Belastung.«

Er weiß, dass der Gang zum Bestatter nicht der leichteste ist. Dennoch freut er sich über jede Form der Rückmeldung. Manchmal reiche ein einfaches Danke. »Wenn alles vorbei ist und die Hinterbliebenen sagen, sie haben sich gut aufgehoben gefühlt, dann haben wir sehr viel richtig gemacht.«

Der 20-Jährige kennt das Gefühl der Trauer. Auch von der anderen Seite aus. Er schildert das »schlimmste Erlebnis« der vergangenen Jahre. »Als mein Opa im Oktober gestorben ist, habe ich gemerkt, wie es ist, selbst am Grab zu stehen und Abschied zu nehmen.«

Der Bundesverband Deutscher Bestatter fordert eine einheitliche Regelung bezüglich der Systemrelevanz von Bestattern, da diese von Bundesland zu Bundesland unterschiedlich ausgelegt wird. In Hessen befindet sich dieser Punkt in der Abstimmung. Eine Übersicht, wo die Unterschiede in den einzelnen Bundesländern liegen, findet man online auf www.bestatter.de. 

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