Chef im Ruhestand

Jürgen Werner: Polizist war sein Traumberuf

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Jürgen Werner, scheidender Leiter der Bad Vilbeler Polizeistation, liebt skandinavische Krimis und ist für hessische Autoren ein gefragter Gesprächspartner. Dabei liefert das Berufsleben von Erstem Polizeihauptkommissar Werner genügend Stoff, um Bibliotheken zu füllen.

B ereits bei seiner ersten Streife als junger Polizeibeamter 1976 hatte er auf einer Straße in Hanau ein Erlebnis, das sich in sein Gedächtnis eingebrannt hat. "Wir wurden Zeugen eines Busunfalls. Sechs Kinder und zwei Mütter sind im Kleinbus verbrannt. Man konnte ihnen nicht mehr helfen." Zu den Jürgen Werner prägenden Ereignissen gehören die Entführungen von Jakob Frischmann oder Jakob von Metzler, das Bombenattentat auf Alfred Herrhausen, die Demonstrationen auf der Startbahn-West sowie die Geiselnehmer von Gladbeck.

Auch seelsorgerische Aufgaben

"Zu den Schattenseiten des Polizistenberufes gehört der Umgang mit Verletzten und Toten. Schwierig ist auch immer das Überbringen einer Todesnachricht. Der Beruf des Polizisten bedeutet Arbeit mit und an den Menschen. Auf der einen Seite vertreten Polizisten den Rechtsstaat, müssen ihm Geltung verschaffen, auf der anderen Seite übernehmen sie seelsorgerische Aufgaben. Ganz wichtig ist es, über all die schrecklichen Erlebnisse mit Kollegen, Familie oder Vertrauenspersonen zu reden. Das hilft bei der Bewältigung", sagt Polizeihauptkommissar Werner. Für ihn bildete sein intaktes Familienleben, der Ausgleich durch Sport, Hobbys und Reisen ein solides Fundament, um das bewegte Polizistenleben zu bewältigen. "Für mich hatte in den letzten Jahren das in Einklang bringen von Familie und Beruf einen höheren Stellenwert als früher. Da habe ich manchmal auf den Kalender geschaut und mich gefragt, wann war ich eigentlich das letzte Mal zu Hause?"

Stelle ist ausgeschrieben

Seit 4. November 2013 ist Werner Dienststellenleiter der Polizeistation Bad Vilbel und Karben und damit Vorgesetzter für 50 Mitarbeiter. Seine Bilanz fällt positiv aus: "Bad Vilbel war eine angenehme Dienststelle und Stadt. Die Polizei wird hier ihren Aufgaben gerecht. Wir konnten nach fünf Jahren einen deutlichen Rückgang in der Kriminalitätsstatistik verzeichnen. Heute haben wir rund 400 Straftaten weniger als 2013."

Die Bandbreite reicht von Fahrrad- und Autodiebstählen bis zu Wohnungseinbrüchen. "Wir haben die Aufklärungsquote deutlich gesteigert, haben keine Kinder- und Jugendkriminalität mehr und so gut wie keine Gewaltdelikte (Raub, Körperverletzungen, Überfälle) im öffentlichen Raum." Dies sei vor allem bei Großveranstaltungen wie dem Bad Vilbeler Markt, dem Rewe-Family- Day oder den Burgfestspielen mit bis zu 500 000 Besuchern in der Stadt der Fall. Und dies trotz ausgedünnter Dienstgruppen. Die Dienststelle in Bad Vilbel sei modern und zeitgemäß ausgestattet. Die Zusammenarbeit mit den politisch Verantwortlichen, Vereinen Organisationen, Verbänden und Kirchen sei gut.

Auch im Ruhestand will Jürgen Werner das kulturelle und kulinarische Angebot in der Quellenstadt nutzen. "Polizist war mein Traumberuf, den ich mit Leidenschaft leben konnte. Ich würde jederzeit wieder diesen Beruf ergreifen. Ich gehe zufrieden in den Ruhestand." In Wiesbaden wurde allerdings nicht seinem Wunsch entsprochen, noch den Hessentag als Polizist mitzumachen.

Zur Situation der Polizei sagt er: "Die hessische Polizei ist mit den vielen jungen, gut ausgebildeten Leuten für die Zukunft gut aufgestellt."

Am Bad Vilbeler Marktdienstag war Werners letzter Tag am Büroschreibtisch. Seine Stelle ist ausgeschrieben. Geleitet wird sie bis zur Besetzung durch Polizeihauptkommissar und Dienststellenleiter Frank Ihle. Für seinen Ruhestand hat Werner sich ein Wohnmobil gekauft. "Damit sind wir ab Herbst unterwegs, am liebsten Richtung Meer." Die drei Kinder sind erwachsen.

Info

Werners berufliche Stationen

Jürgen Werner hat sich seit 1974 als Polizeibeamter in unterschiedlichen Ämtern bewährt. Nach Stationen bei der Bereitschaftspolizei, der Polizeistation sowie der Kriminalabteilung in Hanau und dem Studium an der Verwaltungsfachhochschule war er beim 4. Polizeirevier im Frankfurter Bahnhofsviertel, beim Sonderkommando Mitte sowie einer Rauschgiftermittlungsgruppe jeweils als Dienstgruppenleiter eingesetzt. Er leitete Einsätze, war von 1996 bis 2001 in der Führungsgruppe der Kriminaldirektion in Frankfurt tätig. Von 2001 bis 2004 bildete er als Leiter der Fachgruppe Praktischer Polizeidienst bei der Bereitschaftspolizeiabteilung in Lich Polizeianwärter aus. Danach war er Leiter der dezentralen Ermittlungsgruppe und Abwesenheitsvertreter des Leiters der Polizeistation in Büdingen und seit April 2008 Polizeiführer vom Dienst im Polizeipräsidium Mittelhessen. Zudem war Werner einige Jahre Mitglied der Verhandlungsgruppe der Polizei, die bei spektakulären Ereignissen, wie Entführungen, Erpressungen und Geiselnahmen eingesetzt wird. (cf)

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