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Das Lichtportal ist zentrales Element des Bühnenbilds in »Sister Act«. 600 LED-Pixel werden in jedem Punkt und Strahl programmiert.

Was die Zuschauer sehen und nicht sehen

Inszenierung ins rechte Licht rücken

  • VonHanna von Prosch
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Lichteffekte spielen bei den Burgfestspielen eine Art Hauptrolle. Der Chef der Licht-Crew, Julian Kuhn, erklärt, wie alles funktioniert und was der Zuschauer sehen soll und was nicht.

E s ist 21 Uhr. Auf der Bühne läuft die Hauptprobe für die Komödie »Der nackte Wahnsinn«. Die Kulisse, die fast bis ans Bühnendach reicht, ist hell beleuchtet. Licht-Chef Julian Kuhn sitzt in der vorletzten Reihe Mitte. Über ihm verfolgt seine Crew an den Lichtpulten das Geschehen, regelt und korrigiert. »Licht aus, Spot an«, das allein reicht natürlich nicht für professionelles Theater. »Wir haben für dieses Stück nur einen Abend zum Einrichten der Scheinwerfer gebraucht«, sagt er und kann deshalb in Ruhe erzählen. Julian ist 31 Jahre und gelernte Fachkraft für Veranstaltungstechnik. Früher war er mit Bands auf Tour oder auf Messen gebucht. Jetzt arbeitet er schon das vierte Jahr von März bis September für die Burgfestspiele, diesmal als Chef des Licht-Teams. Die Abwechslung und die Chance eine längere Zeit nahe seinem Heimatort zu arbeiten, haben ihn motiviert.

Sein Team besteht aus Gordon, der die Lichtshows programmiert, Assistent Daniel und Lichtoperator Christoph, der die ganze Spielzeit über am Steuerpult sitzt. Julians Aufgaben sind hauptsächlich technischer und organisatorischer Art. »Ich zeichne den Lichtplan, also wo welche Scheinwerfer und Lampen hängen, muss die Statik einschätzen, damit das Bühnendach nicht überlastet wird, denn da hängen mit den Lautsprechern gut und gerne zwei Tonnen Gewicht dran. Ich mache die Stromkalkulation, kümmere mich um Spezialeffekte wie LED-Bänder, Spiegelkugel oder Blitz - und auch um die selbstlöschende Fackel im Kinderstück«, sagt er.

Vorschriften kennen und einhalten

Wenn Pyrotechnik zum Einsatz kommt, muss er die Sicherheitsvorschriften kennen und einhalten. »Ich ordere das Equipment bei der Stadt und kaufe im Notfall Material dazu«, zählt er auf. Aber da das Budget, das er zur Verfügung hat, begrenzt ist, muss Julian mit dem leben, was da ist. Das ist nicht wenig. Und vieles wurde auch schon modernisiert. Wenn das Publikum während der Vorstellung einen Blick nach oben unter das Bühnendach wirft, wird ihm erst einmal auffallen, was da oben alles hängt und was während der Szenen alles leuchtet. Da gibt es Parscheinwerfer, die nur an- und ausgeschaltet oder gedimmt werden können.

Mit Profilscheinwerfern kann er den Focus genau ausrichten und die Ränder des Bühnenbildes, zum Beispiel die natürlichen Mauern, abschatten. Dann gibt es LED-Lampen, die nach Farben eingestellt werden. Die wichtigsten sind die ferngesteuerten sogenannten Movinglights, die sich in Farben und Lichtkegel verändern lassen. Manchmal ist zusätzlich ein Verfolger notwendig, der dann von einem Mann allein bedient wird.

Beim Licht komme es aufs Detail an, erzählt Julian. Für eine Szene in »Sister Act« habe er 120 Meter LED-Band gebraucht mit 600 LED-Pixeln und je zehn Lötstellen. »Den Aufwand stellt sich kein Zuschauer vor, wenn der das blinkende Discoportal sieht«, meint er.

Die Lichtshow wird für jede Inszenierung nach den Vorstellungen von Bühnenbildnern und Regie mit dem Licht-Team erarbeitet, dann eingerichtet, auf der Bühne getestet und kurz vor der Premiere programmiert. So kann jede Inszenierung einzeln abgerufen werden. Das heißt aber auch, dass alle notwendigen Scheinwerfer für alle sechs Produktionen über die gesamte Spielzeit an ihrem Platz hängen bleiben müssen.

Drei Nächte programmiert

Umbauten, bei denen die Lichtleute mit dem großen Steiger unters Dach müssen, wären nur sehr schwer machbar und kommen nur in Notfällen vor, etwa, wenn eine Lampe ausfällt. Ein Riesenaufwand für das Licht-Team, lange bevor die Schauspielerinnen und Schauspieler auf der Bühne einziehen. »Wir sind im März die ersten, die aufbauen und zwei Wochen nach Spielende, die letzten, die die Wasserburg verlassen«, bestätigt Julian. Die aufwendigste Inszenierung in diesem Jahr ist Sister Act. Das Musical wird mit 160 verschiedenen Lichtstimmungen inszeniert. »Da gehen drei Nächte vor der Premiere mit dem Programmieren drauf«, weiß der Chef.

Selbst bei den »Comedian Harmonists« sind es noch 70 Lichtstimmungen und zwei Nächte Programmierzeit. Das geht nur nachts, wenn es dunkel ist. Oft ist die Regieassistenz noch da, die dann zum punktuellen Ausleuchten hinhalten muss. Selbst die Kinderstücke, die tagsüber aufgeführt werden, brauchen Licht. »Da geht es dann darum, gegen die Sonne anzukommen oder bei trübem Wetter Südseestimmung zu zaubern.« Julian Kuhn erfüllt den künstlerischen Visionären gerne ihre Wünsche. Aber manchmal geht es nicht: »Die Schranken ergeben sich entweder durch die Maximallast am Dach oder eben durch die örtlichen Gegebenheiten. Irgendwie kommen wir im Team aber immer auf einen Nenner.«

Anders als in einem festen Theater spielt bei Freilichtbühnen auch die Windlast eine Rolle oder Feuchtigkeit. So achtet das Team auf wasserdichte Kabelverbindungen und verlegt die Kabel so auf und an den Mauern, dass sie weder optisch stören noch Stolperfallen sind. Und wenn das Publikum in der Pause in den Hof strömt, geht im Zuschauerraum das Pausenlicht an und die Licht-Crew hat im Hof bereits für angenehme Beleuchtung gesorgt.

Hoch über der Zuschauertribüne überwacht Julian Kuhn (vorne) mit seiner Crew die Einstellungen während der Proben.
Neben der Bühne wird der Raum genutzt wie hier für die Anschlüsse der gesamten Lichttechnik.

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