Im Vilbeler Schützenverein rumort es

Bad Vilbel (wpa). »Tohuwabohu beim Schützenverein« - das titelte diese Zeitung vor einigen Wochen. Der Grund: Die Pressemitteilung des Traditionsvereins zu ihrer Jahreshauptversammlung. Bei dieser ist der geschäftsführende Vorstand nicht entlastet worden und es kam zu großen Diskussionen während der Aussprache. In diesem Kontext trat auch der erste Vorsitzende des Vereins, Michael Claus, zurück.

Der Verein hat fürs Wochenende eine außerordentliche Mitgliederversammlung anberaumt.

In diesem Zusammenhang wenden sich Mitglieder an diese Zeitung. »Ich habe Sorgen um den Verein«, sagt einer, der anonym bleiben möchte. Der Schützenverein sei mittlerweile in drei Lager unterteilt. In die Schützen des Deutschen Schützenbundes (DSB), des Bundes Deutscher Sportschützen (BDS) und die Bogenschützen. »Die BDS-Fraktion übernimmt die Mehrheit. Es geht darum, möglichst viel zu ballern, und das ohne nachladen.« Beim Kauf eines neuen Kugelfangzauns sei es dabei auch zu einer möglichen Urkundenfälschung gekommen. Der Schützenverein selbst berichtete in der Pressemitteilung von einem laufenden Verfahren. Die Mitglieder zeigen sich besorgt über diese Entwicklung. »Sicherheitsvorkehrungen oder auch Corona-Maßnahmen werden nicht von allen beachtet«, sagt einer. Es gebe bei manchen Personen eine Nähe zu »rechten Parteien«. Und er fügt an: »Viele haben bereits die Kündigung vorbereitet, wenn die Versammlung falsch ausgeht.«

Jüngere Mitglieder, andere Interessen

Der Verein stellt sich auf eine »spannende Sitzung« ein und bezieht Stellung. Seit seiner Gründung sei der Verein »parteipolitisch und konfessionell neutral«, teilt Pressereferent Klaudius Kroh im Namen des Vorstandes mit. »Was wir unmissverständlich verdeutlichen möchten ist die Tatsache, dass wir als Verein niemals eine Plattform für politische Aktivitäten oder Werkzeug von gesellschaftlicher Meinungsmache sein werden oder uns daran beteiligen werden. Wir verwehren uns in aller Form gegen jede gegenteilige Behauptung.« Das gelte auch für Religionszugehörigkeiten oder andere private Orientierungen. »Wir waren, sind und bleiben stets neutral.«

Zu einem laufenden Ermittlungsverfahren gegen eines der Mitglieder werde der Vorstand kein Statement abgeben. »Eine Vorverurteilung oder Positionierung aufgrund eines noch laufenden Ermittlungsverfahrens, dessen Ausgang offen ist, sehen wir als Verein und insbesondere als Vorstand als unseriös und unredlich.«

Klaudius Kroh adressiert anschließend die Vorwürfe über die Handhabung von Waffen: »In unserer Satzung verpflichten wir uns als Verein der Ausübung und Förderung des Schießsports nach den geltenden Regeln des Waffenrechts und der Sportordnungen und Vorgaben des Deutschen Schützenbundes und Hessischen Schützenverbandes.« Alle Mitglieder würden schon vor Eintritt in den Verein intensiv überprüft. »Dies geschieht neben vielen Einzelgesprächen mit dem Vorstand auch über ein einwandfreies polizeiliches Führungszeugnis, welches auch für Bogen und Luftdruckschützen erforderlich ist. Für den Erwerb eines genehmigungspflichtigen Sportgeräts gelten noch schärfere Vorgaben und Prüfungen, unter anderem eine Prüfung durch den Verfassungsschutz.«

Ein Sportschütze verwende den Begriff »Waffe« ohnehin nur selten. »Wir möchten damit das durch Politik falsch geprägte gesellschaftliche Bild eines ›Waffennarren nach amerikanischem Vorbild‹ nicht befeuern, sondern unseren Fokus auf den Sport verdeutlichen.«

Hygienekonzept werde umgesetzt

Auch die Vorwürfe eines fehlenden Hygienekonzeptes weist Kroh zurück. »Zu Beginn der Pandemie ist in unserem Verein ein umfangreiches Hygienekonzept eingeführt und seitdem durchgehend eingehalten worden, um auch in dieser schwierigen Zeit einen gesetzlich erforderlichen regelmäßigen Schießbetrieb aufrechterhalten zu können.« Wie in jeder Familie oder Gemeinschaft gebe es Personen, die eine Gemeinschaftsentscheidung eines Vereins befürworteten oder auch ablehnten. Jedem Mitglied stehe die Freiheit zu, sich einzubringen. »Mit diesem Hintergrund ist die Aussage, die Mitglieder sind in mehrere Lager unterteilt, nicht ganz von der Hand zu weisen«, sagt Kroh. »Die Altersstruktur und die Interessen der Schützen wandeln sich mit der Zeit.« Vor allem jüngere Mitglieder möchten, dass auch die moderneren, vielfältigen Disziplinen neben den bisherigen klassischen DSB-Möglichkeiten trainiert und fest angeboten werden. »Traditionell eingestellte Mitglieder sehen darin leider eine Abkehr von den bisherigen herkömmlichen Sportdisziplinen und befürchten eine negative Veränderung für den Verein.« Der Vorstand kenne die Situation und versuche seit längerer Zeit, die vielen Aspekte und Bewegungen innerhalb des Vereins miteinander harmonisch zu verbinden, »um der Gemeinschaft aus Sportschützen verschiedenster Ausrichtungen einen gemeinsamen Ort des Schießsports und der Vereinsgeselligkeit zu bieten«.

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