Protest

Hotel im Kurpark entzweit Fraktionen

  • Holger Pegelow
    vonHolger Pegelow
    schließen

Die politische Einigkeit in Bad Vilbel ist dahin. Zwar sind alle Parteien für die Sanierung des Kurhauses und den Bau einer neuen Stadthalle. Beim angeschlossenen Hotelprojekt regt sich Protest.

Im großen Sitzungssaal des Rathauses waren alle Plätze besetzt. Das lag daran, dass nicht nur die 14 Mitglieder des Planungs-, Bau- und Umweltausschusses anwesend waren, sondern auch Stadtverordnete, Planer und Magistratsmitglieder. Stadtrat Klaus Minkel (CDU) war gleichfalls erschienen, zu wichtig ist ihm das Projekt im Westen des Kurparks. Dort soll, wie berichtet, nicht nur das altehrwürdige Kurhaus saniert und eine neue Stadthalle angebaut werden, sondern auch ein großer, zum Teil sechsstöckiger Hotelkomplex mit 180 Zimmern. Weil dafür aber über 60 Bäume gefällt werden müssen, zum Teil 80 Jahre und älter, ist Unruhe aufgekommen. Im Ortsbeirat Kernstadt hatte der Bebauungsplan »Kurpark West« keine Mehrheit gefunden.

Titel »Bad« mit Leben füllen

Das hatte den Stadtrat auf den Plan gerufen, dem viel an dem Gesamtprojekt liegt. Minkel verknüpft dies sogar mit dem Kombibad, das einige Kilometer weiter gebaut wird. Beide Bauvorhaben würden dafür sogen, dass das Bad im Namen Bad Vilbel »wieder mit Leben gefüllt werden«.

So soll im neuen Kombibad nicht nur das Wasser der Römerquelle verwendet werden, sondern dort solle es auch Anwendungen geben, »die der Gesundheit förderlich sind«. Sei die Wund-Therme erstmal gebaut, werde es für die Stadt einen Aufschwung geben, wie ihn die Stadt Erding genommen habe. Kämen mehr Touristen und Badegäste nach Bad Vilbel, würde dies Folgeumsätze generieren, die die durch Amazon »permanent bedrohten Geschäfte in der Frankfurter Straße« dringend benötigten.

+++ Lesen Sie auch: Grünes Licht für Großprojekt im Kurpark +++

Minkel sieht mehr Aufenthaltsqualität

Minkel argumentierte, der Hotelneubau schirme den übrigen Kurpark gegen Lärm von der Kasseler Straße und den Bahnlärm ab. Von 69 dBA würden die Werte auf 49 dBA sinken. Der westliche Teil des Kurparks habe wegen des Bahn- und Autolärms »keine Aufenthaltsqualität«. Mit dem Hotelneubau würde mehr Aufenthaltsqualität für die Bürger gewonnen, zumal sowohl am Hotel als auch an der Stadthalle Außengastronomie mit Blick auf die Nidda geplant sei.

Der Stadtrat informierte, dass sowohl die Stadthalle als auch das Hotel eine Dachbegrünung bekämen. Die nachzupflanzenden Bäume würden 25 Zentimeter Stammumfang haben und bis zu sechs Meter hoch sein. »Wenn das alles nicht reicht, werden wir an anderer Stelle in der Stadt Ausgleich schaffen«, kündigte Minkel an.

SPD stimmt für Grünen-Antrag

Doch der Appell des Stadtrats zur Einigkeit nutzte nichts. Die Fragen des Grünen Clemens Breest zeigten, dass die Fraktion gegen den Bebauungsplan stimmen wird. Zudem forderte er zwei getrennte Bebauungspläne: einen zu Kurhaus und Stadthalle, der unbestritten sei, und einen eigenen für das Hotelprojekt. Minkel lehnte ab. Die Projekte seien miteinander verzahnt.

+++ Lesen Sie auch: Grüne befürchten Kahlschlag im Kurpark +++

Erster Stadtrat und Baudezernent Sebastian Wysocki konterte, es sei nach dem Baurecht gar nicht möglich, hier zwei getrennte B-Pläne aufzustellen. SPD-Ausschussmitglied Lucia Andre fragte, wie ein alter Baum durch eine Dachbegrünung kompensiert werden könne. »Die Bäume im Kurpark haben einen hohen emotionalen Wert«, betonte sie. Raimo Biere von den Freien Wählern sagte, im Oktober habe die Stadtverordnetenversammlung »der großen Lösung zugestimmt. Und die geht nicht ohne Hotel.«

Den Antrag der Grünen lehnten CDU, FDP und Freie Wähler ab, nur die SPD stimmte zu. Mit demselben Ergebnis wurde schließlich, nach zweieinhalb Stunden Pro und Kontra sowie vielen Informationen, der Bebauungsplan bewilligt.

Kommentar

Wie bei der Neuen Mitte

Die Diskussion in Bad Vilbel um den Westen des Kurparks hat die Stadt in ähnlicher Form schon mal erlebt. Und zwar, als es um die Bebauung des Zentralparkplatzes und den Bau der Büchereibrücke ging. Kritiker haben fast den Untergang der Stadt beschworen, haben gar ein Bürgerbegehren inszeniert, weil die wuchtigen Baukörper der Neuen Mitte den Blick auf das schöne alte Kurhaus verdecken würden. Es sollte nicht verwundern, wenn massenweise gegen die Fällung der alten Bäume protestiert würde. Erste Plakate lassen darauf schließen, dass die Kastanien im Gefühl vieler Vilbeler einen ähnlichen Stellenwert haben wie das Kurhaus. Das lässt für die kommenden Monate nichts Gutes ahnen. Die politische Eintracht ist wegen des Hotels dahin. Es dürfte die Verantwortlichen also noch viel Überzeugungsarbeit kosten, um das Projekt zu vermitteln. Dabei haben sie ein Argument auf ihrer Seite: Die bekämpfte Neue Mitte ist heute ein regelrechter Besuchermagnet.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare