Trümmer eingestürzter Häuser liegen im Ortsteil Bessem in Erfstadt.
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Trümmer eingestürzter Häuser liegen im Ortsteil Bessem in Erfstadt.

Unwetter

Jede Vorstellungskraft gesprengt: Wetterauer Katastrophen-Helfer berichten aus dem Flutgebiet

  • VonNiklas Mag
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Mindestens 48 Helfer aus der Wetterau waren im Hochwassergebiet im Einsatz. Die Rückkehrer berichten über Dankbarkeit und unvorstellbare Zerstörung.

Bad Vilbel – Es ist der Donnerstag vergangener Woche: Der Einsatz beginnt. Am Landratsamt sammeln sich am Nachmittag die einzelnen Einheiten, später an der Raststätte Taunusblick kommt der Zug des Wetteraukreises mit anderen Zügen zusammen und wird Teil des Vierten Verbandes des Kontingents Hessen.

»Nach einer Lagebesprechung wurde der gesamte Verband marschbereit gemacht und zum Messegelände nach Düsseldorf verlegt. Dort sind die Kräfte etwa gegen 23 Uhr eingetroffen. Das Messegelände Düsseldorf war die Basisunterkunft für alle hessischen Einheiten. Nach dem Eintreffen wurde eine Messehalle als Unterkunft bezogen und alle haben ihre Feldbetten aufgebaut und ihren Schlafbereich hergerichtet«, erzählt Migdalski.

Katastrophen-Hilfe aus der Wetterau: Bereits Hinweg ein Problem

In Erftstadt sind Rettungsschwimmer und Polizeitaucher mit Booten im Einsatz.

Die Einsatzkräfte konnten sich schlafen legen, wurden wenig später aber doch in Alarmbereitschaft versetzt. »Der Zug Wetterau wurde mit den restlichen Kräften des vierten Verbandes um 5.01 Uhr geweckt und mit dem Einsatzbefehl Menschenrettung marschbereit gemacht, geplanter Einsatzort war Erftstadt. Während der Anfahrt stellte sich heraus, dass das bloße Erreichen der Einsatzstelle ein Problem wird«, erinnert sich der Vilbeler Wehrführer. Notwendige Straßen und Zufahrtsbereiche waren durch die Folgen des Unwetters zerstört worden, Anfahrtsmöglichkeiten mussten zeitintensiv ausgekundschaftet werden.

»Beim Eintreffen in Erftstadt-Blessem wurde das Gebiet durch die Führungskräfte des Verbandes erkundet, und es erfolgten Abstimmungen mit den vor Ort befindlichen Einsatzkräften«, beschreibt Migdalski.

Katastrophen-Hilfe aus der Wetterau: Jede Vorstellungskraft gesprengt

Autos stehen auf der überfluteten Bundesstraße 265 in Erftstadt im Wasser.

Das Bild, das die Einsatzkräfte vorgefunden hätten, habe jede Vorstellungskraft gesprengt. »Teile dieses Ortes und die dazugehörige Infrastruktur waren komplett zerstört, viele eingestürzte oder weggespülte Häuser wurden vorgefunden.« Beschädigte Autos und Öltanks hätten den Geruch bestimmt. In Erftstadt wurden die Wetterauer Feuerwehren an diesem Morgen aber nicht mehr benötigt, weiter ging es im 90 Kilometer entfernten Stolberg.

»Dem Zug Wetterau wurden zwölf Straßenzüge zugewiesen, welche komplett erkundet werden mussten. Das Bild der maximalen Zerstörung vor Ort kann kaum in Worte gefasst werden und die Eindrücke erinnern wirklich an Fotos aus der Kriegszeit«, berichtet Migdalski.

Katastrophen-Hilfe aus der Wetterau: Suche nach Verletzten und Toten

Die Bundeswehr ist in Erftstadt-Blessem im Einsatz.

Die Wetterauer Retter suchten in den Straßen nach Verletzten, Toten, schätzten bei Häusern die Einsturzgefahr ein, meldeten defekte Gas- und Wasserleitungen und suchten nach Gefahren durch elektrischen Strom. »Die Erkundungsergebnisse führten im Anschluss zu insgesamt 31 Einsatzstellen für den Zug Wetterau. Bei diesen galt es unter anderem, verletzte Personen medizinisch zu versorgen, den Verbleib vermisster Personen aufzuklären, indem Wohnungen aufgebrochen und durchsucht werden mussten, sowie das Auspumpen diverser Gebäude«, sagt Mario Migdalski.

Teils habe man auf riesigen Flächen 30 Zentimeter hohes schlammiges Wasser vorgefunden. »Die Einheiten des Wetteraukreises arbeiteten ihr zugewiesenes Einsatzgebiet bis in die Abendstunden vollständig ab. Die Einsatzkräfte machten in dem Einsatzgebiet nur freundliche Erfahrungen, denn die Menschen vor Ort waren überglücklich, dass Hilfe kam und jemand ihnen beistand.«

Katastrophen-Helfer aus der Wetterau „hochmotiviert“

Man habe jedem Hilfesuchenden helfen können. Migdalski ist stolz auf die ehrenamtlichen Feuerwehrleute aus der Wetterau: »Die Einheiten des Wetteraukreises arbeiteten den ganzen Tag hochmotiviert und fast ohne Pausen mit eisernem Willen und der Einstellung, hier so viel wie möglich bewegen und helfen zu können.« Ein Feuerwehrmann habe sich leicht verletzt, ansonsten sei nichts vorgefallen. »Als eingesetzter Zugführer des Wetteraukreises dieser Einheiten, war es für mich eine Ehre, mit diesen Kolleginnen und Kollegen in das Krisengebiet zu fahren und dort helfen zu können«, schließt Migdalski ab.

Es ist eine außergewöhnliche Hilfsbereitschaft aus aus allen Regionen Deutschlands und von vielen Menschen. Und nicht nur die Feuerwehren aus dem Wetteraukreis setzen alle Hebel in Bewegung, um im Hochwassergebiet helfen zu können.

Landwirte aus der Wetterau sammeln Spenden und helfen

Henrik Winkler ist Landwirt in Gronau und hilft seit Tagen bei der Koordinierung von Rettungskräften, Hilfsgütern, darunter auch Tierfutter für die überlebenden Tiere der Landwirte, die ihren gesamten Hof verloren haben. »Das läuft alles über das Netzwerk von Land Schafft Verbindung«, erzählt er. Unter anderem versucht Winkler, Spendengelder für die Menschen vor Ort aufzutreiben, allen voran Landwirte: »Ich habe dort von einem Hof erfahren, der durch das Wasser 80 Kühe verloren hat.« Ganze Häuser wurden außerdem weggerissen, berichtet Winkler. Neben dem tragischen Tod der Tiere stehe sein Kollege dort nun plötzlich vor dem absoluten Nichts. »Ein Traktor von mir ist bereits vor Ort und wird von den Helfern genutzt. Sobald die Ernte hier auf dem Hof durch ist, werde ich selbst noch ein paar Tage dort verbringen, um zu helfen«, beschreibt Winkler. Bis dahin werde er weiter Sachspenden sowie Helferinnen und Helfer in die Region vermitteln und für das Spendenkonto werben. Dieses ist erreichbar unter Land schafft Verbindung e. V., Volksbank Rhein Sieg eG, IBAN: DE19 3706 9520 1702 4760 18. Tatkraft wird außerdem immer benötigt. Wer für Sachspenden abgeben möchte, kann sich an Henrik Winkler unter Henrik.Winkler@landschafftverbindung-hessen.de wenden.

Flut-Katastroph: Alle Helfer wieder wohlbehalten in der Wetterau

Wieder gut in der Heimat angekommen: (von links) Marco Bohnes, Mario Migdalski, Axel Völp und Stefan Schmidt haben über mehrere Tage im Hochwassergebiet Hilfe geleistet.

Die Feuerwehren in der Wetterau, auch die Vilbeler Feuerwehrleute, verrichten ihre Arbeit rein ehrenamtlich. Bei Tag und Nacht in der heimischen Region oder bei Katastrophenfällen auch auswärts. Dafür haben die Retter jedes Lob verdient, auch Rewe-Markt-Betreiber Bernd Kaffenberger brachte auf Facebook seine Dankbarkeit zum Ausdruck: »Wir sponsern so viel Felwila-Bier und Grillfleisch nach eurer Rückkehr, wie Ihr nur trinken und verdrücken könnt!« Nach Angaben des Kreises waren 31 Feuerwehrleute, drei Rettungsdienstler und 14 DLRG-Wasserretter im Einsatz. Alle seien wohlbehalten wieder in der Wetterau angekommen. (nma)

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