LKA-Cannabis-Einsatz

Hintergründe zu Rauschgift-Fund von Bad Vilbel kommen ans Licht

  • Holger Pegelow
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Die Cannabis-Plantage in der Bad Vilbeler Parkstraße bereitet den Ermittlern mächtig Arbeit. Am Freitag waren sie schon den dritten Tag im Einsatz. Die Straße wurde zum Sperrbezirk erklärt.

Als »sehr aufwendig« bezeichnet der Leiter der Gemeinsamen Ermittlungsgruppe Rauschgift (GER) den Einsatz in der Bad Vilbeler Parkstraße. Dafür hat der Mann, der aus Sicherheitsgründen namentlich nicht genannt werden möchte, auch allen Grund. Denn bereits den dritten Tag hintereinander waren die Beamten im Haus Nummer 18/18a in der renommierten Parkstraße im Einsatz. Die GER ist eine Abteilung des Landeskriminalamtes Wiesbaden und besteht aus Mitarbeitern der Kriminalpolizei und des Zolls.

Nach einem anonymen Hinweis und monatelangen Recherchen hatten zunächst Beamte des Rauschgiftdezernats bei der Friedberger Kriminalpolizei am Mittwochabend drei Männer festgenommen, einen deutschen und zwei serbische Staatsangehörige, »die dort gelegentlich auch gewohnt haben«, so der GER-Chef. Bei einem der Festgenommenen handelte es sich laut der Pressemitteilung des Landeskriminalamtes (LKA) vom Freitag um den Hauseigentümer. Die mutmaßlichen Täter sind nach Angaben des LKA 45 und 57 Jahre alt, der Hauseigentümer 39 Jahre. Da das Ausmaß der Plantage auch die erfahrenen Rauschgiftfahnder überrascht habe, hätten sie die GER verständigt.

Lkw und Anhänger voller Pflanzen

Am Donnerstagmorgen rückten dann diverse Fahrzeuge des LKA mitsamt Lastwagen und einem Kleinbus mit Anhänger an. Der Leiter der GER erklärt gegenüber dieser Zeitung vor Ort den Einsatz: Zunächst erfolge die Dokumentation mittels Kamera, der Tatort werde analysiert, die Spuren gesichert. Im Rahmen der Beweissicherung seien auch Pflanzenproben sichergestellt worden. Ausgerüstet mit vollen Schutzanzügen gingen die Beamten der GER und der Friedberger Kripo sowie rund zehn Helfer der Freiwilligen Feuerwehr Bad Vilbel ins Haus, schnitten die Pflanzen ab und packten sie in Säcke. Während des Einsatzes belüftete die Feuerwehr die alte Villa, aus der ein markanter Geruch strömte.

Diejenigen, die diese Plantage angelegt hatten, verstanden offenbar ihr Handwerk. »Für die Pflanzen herrschten in dem Haus optimale Bedingungen«, sagt der GER-Leiter. Dazu sei ein System aus Beleuchtung, Belüftung und Bewässerung angelegt worden. »Im ganzen Haus sind Schläuche verlegt worden.« Außerdem seien sämtliche Fenster verhängt worden. Mithilfe dieses Systems sei ein feuchtwarmes Klima erzeugt worden. Die Pflanzen seien zwischen 1,50 bis 1,80 Meter hoch. Die mutmaßlichen Täter hätten »Pflanzen mit hohem Wirkstoffgehalt« gezüchtet. Die Spitzen seien voller Dolden gewesen.

Nach Angaben der zuständigen Staatsanwaltschaft in Frankfurt hätten diese Pflanzen rund 100 Kilo Rauschgift ergeben. Während die Sprecherin der Staatsanwaltschaft, Nadja Niesen, die Zahl der gefundenen Pflanzen zunächst auf rund 3800 bezifferte, korrigierte der Sprecher des Landeskriminalamtes, Christoph Schulte, nach der Zählung in den Lkw die Zahl auf etwa 2500 nach unten.

Papiersäcke mit den Pflanzen waren zwecks Beweissicherung zunächst in einen Anhänger gepackt, danach auch die zerstörte Plantage in einen großen Lastwagen. »Heute wird zunächst das Rauschgift abtransportiert«, sagte der Leiter am Donnerstag. Bis in die Nachtstunden waren die rund 20 Kräfte aus Wiesbaden und Friedberg damit beschäftigt. Die Vilbeler Feuerwehr leuchtete den Tatort aus.

Am Freitag wurde die Parkstraße zeitweise voll gesperrt, weil dort ein großer Übersee-Container hingebracht wurde, der mehrmals befüllt wurde. Und zwar mit dem gesamten Beleuchtungs-, Belüftungs- und Bewässerungssystem aus dem Haus.

Der Haftrichter erließ am Freitag Haftbefehl gegen die drei Männer. Bei der GER wird das jetzt sichergestellte Material ausgewertet. LKA-Sprecher Schultze: »Die GER Hessen verspricht sich hieraus weitere Ansatzpunkte für Ermittlungen gegen die Betreiber der professionell betriebenen Marihuana-Plantage.«

Meinung

Keine heile Welt

Der Leiter der Polizeistation Bad Vilbel vermittelt gerne das Bild einer heilen Welt. Seit Monaten ist er in den Ortsbeiräten unterwegs, um zu verkünden, wie sicher es sich hier lebt. Dieses Bild dürfte mit dem Fund der Rauschgift-Plantage einen mächtigen Dämpfer erhalten haben. Zwar geht von einer Pflanzensammlung in einem Haus selbst noch keine Gefahr aus. Aber bei den Menschen löst so etwas doch Angst aus. Mit erheblicher krimineller Energie und einem großen Fachwissen sollen die drei festgenommenen Männer am Werk gewesen sein. Sie haben in einem alten Haus in einer renommierten Wohngegend hocheffiziente Pflanzen gezüchtet, aus denen jede Menge Rauschgift hergestellt werden konnte. Und wo Rauschgift ist, breitet sich häufig ein kriminelles Umfeld aus. Ob das auch in Bad Vilbel so ist, muss noch recherchiert werden. Aber von heiler Welt kann schon jetzt nicht mehr die Rede sein. Von Holger Pegelow

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