Dramaturgin Ruth Schröfel (r.) und Sandra Malinowski schauen sich Burgfestspiel-Requisiten an, die nun erst im nächsten Sommer gebraucht werden. 	FOTOS: NIKLAS MAG
+
Dramaturgin Ruth Schröfel (r.) und Sandra Malinowski schauen sich Burgfestspiel-Requisiten an, die nun erst im nächsten Sommer gebraucht werden. FOTOS: NIKLAS MAG

INFO

Hinter den Kulissen wird weiter gewerkelt

  • vonNiklas Mag
    schließen

Ein Sommer des Verzichts steht den Bad Vilbelern bevor, ohne Musik und Schauspiel in der Burg. Doch die Verantwortlichen wollen die Zeit nutzen und die Bühnenbilder in Ruhe fertigstellen, damit sie nächstes Jahr zum Einsatz kommen können.

I rgendwie fühlt es sich völlig falsch an, sich vorzustellen, dass an den warmen Sommerabenden in den kommenden Monaten nicht Hunderte Menschen in die Burg strömen, keine Musik erklingt, keine geschäftigen Arbeiter in Burgfestspiel-Shirts im Burgpark ihrer Arbeit nachgehen. Die Festspiele würden momentan eigentlich mitten in einer Premieren-Woche stecken. Mittags würde sich Probe an Probe reihen, der Stresspegel wäre hoch. »Zum Essen treffen sich die ganzen Beteiligten dann immer hier am großen Ginkgo-Baum«, erzählt Dramaturgin Ruth Schröfel. Stattdessen herrscht jetzt fast andächtige Ruhe in und um die Wasserburg. Kein Gewusel, keine Tribüne, die hoch über den Burgmauern aufragt, keine Warteschlangen im Karten- büro.

Corona hat Bad Vilbel in diese Lage gebracht, doch möchte Schröfel betonen: »Morgen ist auch noch ein Tag.« Daran denke sie derzeit häufig, erklärt sie, denn so seltsam die leere Burg in diesen Tag auch anmuten mag: Die Festspiele haben nur die Pausetaste gedrückt. Der Spielplan werde zu großen Teilen ins Jahr 2021 übernommen.

»Bis Mitte März haben wir ganz normal gearbeitet, und wir haben auch jetzt gesagt: Wir arbeiten weiter und legen die Bühnenbilder auf Halde.« Diese einzulagern sei kein großes Problem, darin hätten die Festspiele dank verschiedener saisonübergreifender Wiederaufnahmen bereits Erfahrung. Auch die allermeisten Schauspieler seien froh darum, nun für den kommenden Sommer bereits Verträge zu haben.

Viele Anfragen im Kartenbüro

»Der Vorteil ist, dass die Mitarbeiter jetzt nicht so viel Zeitdruck haben. Natürlich arbeiten jetzt aber auch deutlich weniger Leute gleichzeitig hier.« In aller Ruhe werkelt eine Handvoll Mitarbeiter an den Teilen der Bühnenbilder unter freiem Himmel, direkt gegenüber der Wasserburg. »Ähnliches gilt für uns in der Dramaturgie. Wir wollen alles so weit fertig machen, wie es geht.« Auch hier mache sich der fehlende Zeitdruck bemerkbar: »Es war noch nie so perfekt aufgeräumt«, meint Schröfel und lacht. Im Kartenbüro herrsche ebenfalls weiterhin Betrieb. Zwar sei dieses für den Publikumsverkehr geschlossen, doch hätten die Mitarbeiter dort mit den Rückabwicklungen der Tickets, zahlreichen telefonischen und elektronischen Anfragen alle Hände voll zu tun.

Auch Festspielintendant Claus-Günther Kunzmann hat einiges zu erledigen, denn er widmet sich zurzeit der Aufgabe, den Plan für die Festspiele in das Jahr 2021 zu transferieren. »Das geht natürlich nicht eins zu eins«, weiß Ruth Schröfel. »Die Ferien liegen nächstes Jahr anders, die Termine der verschobenen Fußball-Europameisterschaft müssen beachtet werden«, sagt die Dramaturgin.

Lizenzen fürs nächste Jahr

Die Lizenzen für das Aufführen der Stücke für das kommende Jahr zu bekommen, sei jedoch unproblematisch gewesen. »Was jetzt noch richtig schwierig ist, ist, dass niemand so genau weiß, was noch kommt«, erwähnt Schröfel. Wie massiv sich die ausfallende Saison finanziell auf die Festspiele niederschlagen wird, ist momentan noch ein dunkler Schatten am Horizont.

Doch möchte Schröfel nicht zu viele negative Gedanken an die aktuelle Situation loswerden: »Als Freilichttheater sind wir es ja gewohnt mit unvorhergesehenen Dingen klarzukommen«, findet sie.

Ungewohnt sei die Situation aber allemal: »Seit Jahren feiere ich den Muttertag mit meiner Familie eigentlich immer im Rahmen einer Premiere«, erzählt Schröfel. »Normalerweise tauchen die Entenfamilien an der Nidda immer zeitgleich mit der Fertigstellung der Tribüne auf. Dieses Jahr fehlt die Tribüne, das irritiert schon ein weinig«, schmunzelt die Dramaturgin.

»Man weiß nie, was jetzt noch kommt. Doch wir wollen uns bestmöglich auf die Saison 2021 vorbereiten«, haben sich alle vorgenommen.

1987 fanden die Bad Vilbeler Burgfestspiele zum ersten Mal statt. Zu Dario Niccodemis Komödie »Scampolo« kamen damals etwa 5500 Gäste in die Wasserburg. Eine Zahl, die mittlerweile weit übertroffen wird, knacken die Burgfestspiele doch schon seit Jahren die Marke von 100 000 Besuchern. Seit einigen Jahren zeigen die Festspiele nicht nur Stücke verschiedener Genres, sondern sie engagieren sich auch theaterpädagogisch.

Die Wasserburg stammt aus dem 11. oder 12. Jahrhundert und war Sitz des Raubritters Becht- ram von Vilbel, der die Region mit unrechtmäßigen Zöllen plagte.

Die Karten für diese Saison behalten ihre Gültigkeit. Bereits erworbene Tickets können zudem unter Erstattung des Kaufpreises zurückgegeben, in einen Gutschein des städtischen Kartenbüros eingelöst, für eine Vorstellung im Jahr 2021 umgetauscht oder als Spende oder Teilspende für in Not geratene Künstler und Angestellte im Betrieb der Burgfestspiele oder für den Sozialfonds abgegeben werden. nma

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare