Christiane Witt geht seit dem Frühjahr wöchentlich für eine Seniorin einkaufen. Und das geschieht mittlerweile unabhängig von Corona. FOTO: NIKLAS MAG
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Christiane Witt geht seit dem Frühjahr wöchentlich für eine Seniorin einkaufen. Und das geschieht mittlerweile unabhängig von Corona. FOTO: NIKLAS MAG

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Hilfe beim Einkauf auch nach Corona

  • vonNiklas Mag
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Mit Beginn der Corona-Pandemie rief die Stadt Bad Vilbel ihr Hilfsnetzwerk "Hilfe Direkt" aus. An zentraler Stelle sollten Hilfsangebote und Hilfesuchende schnell zusammengebracht werden können. Die Vilbelerin Christiane Witt hatte sich bereits damals zum Helfen bereit erklärt und geht seither regelmäßig für eine ältere Dame einkaufen.

P ositive Nachrichten schaden in diesem Jahr überhaupt nicht, deshalb beginnt dieser Artikel damit: Es gibt viele helfende Hände in Bad Vilbel. Bereits im Frühjahr erklärte die Nachbarschaftshilfe, die sich im Hilfe Direkt-Netzwerk der Stadt Bad Vilbel befindet, man hätte eine Warteliste von Menschen, die sich zum Helfen bereit erklärt haben. Genug Helfer sind es aber natürlich nie. Schon gar nicht in Zeiten der Pandemie: "Ich habe im Frühjahr die Zettel der Stadt Bad Vilbel gesehen, auf denen für das Hilfsnetzwerk geworben wurde und mich gleich dort gemeldet", erzählt Christiane Witt und steuert den Einkaufswagen auf die ersten Regale in Bernd Kaffenbergers Rewe-Markt zu.

Gelegenheit, etwas zurückzugeben

"Das war zu der Zeit als geschäftlich auch einfach nicht mehr viel ging", sagt die selbstständige Feng-Shui-Beraterin. "Mir ist dann aufgefallen, dass ich bei allen Problemen in meinem Leben immer Leute hatte, auf die ich mich verlassen konnte. Und ich wollte die Gelegenheit nutzen, um das zurückzugeben." Bananen, Brot, Quark und Toilettenpapier landen als nächstes im Einkaufswagen. "Ich mache das mittlerweile jede Woche und die Dame wünscht sich eigentlich immer das selbe. Deshalb ist das hier eingeübte Route, ich gehe diese schon automatisch ab", erklärt Witt und lacht.

Auch bei der Stadt habe es im Frühjahr eine Warteliste für Helfer gegeben, erinnert sie sich. Doch schließlich habe man ihre Hilfe benötigt, sie angerufen und um Einkaufshilfe für die ältere Dame gebeten, die im Seniorenzentrum Quellenhof lebt und nicht mehr sehr mobil ist. Familienmitglieder wohnen weit entfernt, die Dame lebe alleine. "Mittlerweile gehe ich aber ganz unabhängig von Corona für sie einkaufen", betont Christiane Witt.

Eine Fernsehzeitung gehört noch in den Einkaufswagen, Kräuterquark und Schokolade. "Bisher war Corona auch bei der Übergabe der ganzen Sachen kein Problem", überlegt die Vilbelerin. "Sie öffnet ihre Wohnungstür und übergibt mir ihre Tasche. Wir wechseln ein paar Worte und nach dem Einkauf bringe ich ihr alles wieder zurück." Leider habe es die Corona-Pandemie bisher schwer gemacht, sich gegenseitig richtig kennenzulernen. "Einmal habe ich sie allerdings durch Zufall im Burgpark getroffen. Da konnten wir uns endlich mal ein wenig unterhalten", beschreibt Witt. Ansonsten löse die moderne Technik die Kontaktprobleme: "Ich schreibe ihr immer eine SMS und mache mit ihr den Tag aus, an dem ich einkaufen gehe. So kann ich das mit meinen Zeiten gut vereinbaren."

Eine Stunde in der Woche

Die Seniorin freue sich jedes Mal über die Hilfe, so Witt. "Das hilft ihr alles schon sehr, glaube ich. Auch einfach, damit sie nicht mehr in den Supermarkt muss." Etwa eine Stunde in der Woche bietet die Vilbelerin für die Hilfe auf. Ein zahlbarer Preis, wie sie findet: "Ich werde das definitiv weiter so machen, egal wie es mit Corona weiter geht." Die Initiative der Stadt Bad Vilbel, das Hilfe Direkt-Netzwerk ins Leben zu rufen, finde sie super: "Ich glaube, dass viele Leute Hilfen dieser Art benötigen und finde es einfach wirklich toll, wie das gehandhabt wird." Auch weiterhin müssen sich Menschen, die derzeit ihre Wohnungen nicht verlassen können oder wollen keine Gedanken machen.

Das Hilfsnetzwerk der Stadt ist täglich per Telefon und E-Mail zu erreichen. Auch Personen, die ihre Hilfe anbieten wollen, können sich bei Hilfe Direkt weiterhin melden. In Zeiten wie diesen wird jede helfende Hand gebraucht. Hilfe Direkt ist unter 06101/ 602301 werktags von 8 Uhr bis 12 Uhr zu erreichen. E-Mails können an hilfedirekt@ bad-vilbel.de gesendet werden. Das Hilfsnetzwerk kooperiert mit allen weiteren helfenden Einrichtungen wie der Nachbarschaftshilfe.

Hilfe Direkt informiert online zudem über weitere Dienste, die in der Corona-Zeit wichtig sind: Die Telefonseelsorge ist 24 Stunden an 365 Tagen im Jahr kostenfrei für alle da unter der Nummer 0800 1110111, genau wie das Hilfetelefon "Gewalt gegen Frauen", 08000 116016, das Kinder- und Jugendtelefon, 0800 1110333, die Sucht- und Drogenhotline, 01805 313031, und die Depressionshilfe, 0800 3344533. Wer Hilfe braucht, muss sich nicht scheuen, darum zu bittenm heißt es. nma

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