Als der Chef der Staatskanzlei, Axel Wintermeyer (Mitte), Bürgermeister Dr. Thomas Stöhr (2. von rechts) und Hessentagsbeauftragter Claus-Günther Kunzmann (rechts) das Hessentagslogo im Mai 2019 vorstellen, ahnt noch niemand etwas von der Absage der Großveranstaltung. Nun soll der Hessentag 2025 nachgeholt werden.	ARCHIVFOTOS: RINKART/PRIVAT
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Als der Chef der Staatskanzlei, Axel Wintermeyer (Mitte), Bürgermeister Dr. Thomas Stöhr (2. von rechts) und Hessentagsbeauftragter Claus-Günther Kunzmann (rechts) das Hessentagslogo im Mai 2019 vorstellen, ahnt noch niemand etwas von der Absage der Großveranstaltung. Nun soll der Hessentag 2025 nachgeholt werden. ARCHIVFOTOS: RINKART/PRIVAT

Hessen-Fest

Nach Corona-Absage im Sommer: Hessentag soll 2025 nach Bad Vilbel kommen

  • vonPatrick Eickhoff
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Die Bad Vilbeler Stadtverordneten wollen am Dienstagabend in ihrer Sitzung eine erneute Bewerbung für den Hessentag 2025 beschließen. Doch wie stehen die Fraktionen zum neuen Konzept?

  • Der Hessentag sollte 2020 in Bad Vilbel stattfinden, wurde aufgrund der Corona-Pandemie jedoch abgesagt.
  • Jetzt möchten die Stadtverordneten den Hessentag 2025 in die Kurstadt des Wetteraukreises holen.
  • Doch was sagen die einheimischen Fraktionen zu Größenordnung und Finanzen?

Lange hatten sie es herausgezögert, Ende März sagten die Verantwortlichen den Hessentag in Bad Vilbel schließlich ab. »Wir alle waren sehr enttäuscht, dass der 60. Hessentag in Bad Vilbel nicht stattfinden konnte«, sagt Bürgermeister Thomas Stöhr (CDU). »Zum Zeitpunkt der Absage hatten wir bereits über 400 ehrenamtliche Helfer aus der Stadtgesellschaft, die sich am Hessentag engagieren wollten. Diese Motivation, diese Vorfreude möchten wir nun in das Konzept und die Planung für 2025 stecken.«

Heute Abend wollen die Stadtverordneten mit einem Beschluss den Startschuss für die Bewerbung für 2025 geben. Der Termin wurde der Stadt vom Land freigehalten. Bedingung: Bis Ende des Jahres muss die Bewerbung vorliegen. »Dass wir von der Landesregierung dabei finanziell zu den gleichen Konditionen unterstützt werden wie bei unserer Bewerbung für 2020, ist zudem ein starkes Signal für die weitere Stadtentwicklung. Wir möchten nun alle gemeinsam das Konzept-Motto von Claus-Günther Kunzmann ›Eine Stadt wächst zusammen‹ mit Leben füllen.« Doch wie genau stehen die Fraktionen zu einer erneuten Bewerbung? Gibt es Bedingungen, die sie stellen? Wir haben nachgefragt.

Hessentag 2025 in Bad Vilbel: Pro und Kontra

CDU: Mit dem neuen Konzept werde deutlich, dass der Hessentag eine großartige Chance ist, dass Alteingesessene und Neubürger zu einer Gemeinschaft zusammenwachsen. »Wir finden, dass das genau das aufnimmt, was für Bad Vilbel nach den Zuzügen in den letzten Jahren wichtig ist, und wollen diese Chance gerne nutzen«, sagt Fraktionsvorsitzende Irene Utter. Dazu komme auch, dass Bad Vilbel 2025 noch besser auf den Hessentag vorbereitet wäre. »Der S-Bahn-Ausbau wäre abgeschlossen, der Südbahnhof erneuert, Stadthalle und Kurhaus wären fertig und würden für Veranstaltungen zu Verfügung stehen. Außerdem wären wir die lästigen Baustellen los.«

FDP: »Der Hessentag ist die Chance für die Stadt, die bis 2025 einen erneuten Wachstumsschub zu verzeichnen haben wird, mit einem großen Fest Alt- und Neubürger zu verbinden und ein nachhaltiges Gemeinschaftserlebnis zu stiften«, sagt Fraktionsvorsitzender Erich Schleßmann. In dieser Hinsicht werde der Hessentag in wichtiger Weise positive Impulse setzen. Nachteilig sei durch die Pandemiesituation, die sich in Bad Vilbel seit vielen Wochen gravierend darstellt, »dass die Bürgerschaft nicht wie üblich und eigentlich nötig in die Entscheidung über dir Bewerbung in Form von informativen Bürgerversammlungen einbezogen werden kann und darf«.

SPD: »Ausschlaggebend für eine weitere Zustimmung waren die versprochenen Rahmenbedingungen der Landesregierung, die uns eine Organisation des Hessentags für die gleichen Konditionen zugesagt hat, wie es 2020 der Fall gewesen ist«, sagt Fraktionsvorsitzender Christian Kühl. »Weiter hat uns durchaus auch das Konzept von Herrn Kunzmann überzeugt. Selbstverständlich war auch ein Aspekt für die Zusage, dass die Stadt 2025 ein ganz anderes Erscheinungsbild haben wird. So wird die Stadthalle fertig sein, der Ausbau der Gleise hoffentlich ebenfalls. Bestenfalls wird auch die Therme schon im Betrieb sein, sodass Bad Vilbel den Besuchern noch einiges mehr zu bieten hat als jetzt.« Es wurde kritisch gesehen, dass wieder so eine schnelle Entscheidung getroffen werden musste »und dass es, coronabedingt, nicht zu Bürgerversammlungen kommen konnte«.

Grüne: Jens Matthias sagt: »Für ein ›Ja‹ sprechen die Möglichkeiten, die der Hessentag bietet, das Stadtbild und -leben langfristig positiv zu verändern. Wenn wir den Hessentag nutzen, um das Zusammenwachsen und den Zusammenhalt in der Stadt zu fördern, dann ist er eine absolut positive Sache.« Der Hessentag sei eine große Party, mit vielen Einschränkungen für die Bürger in der Kernstadt, aber auch »eine große Belastung für die Verwaltung. Ein finanzielles Risiko, wenn die Besucher nicht wie erwartet kommen. Am Ende muss man abwägen. Wir haben uns für ein ›Ja‹ entschieden«.

Freie Wähler: »Für die Bewerbung spricht, dass sehr viele Bürger über die Absage des Hessentages 2020 sehr enttäuscht waren«, sagt Fraktionsvorsitzender Raimo Biere. »Leider konnte aufgrund der Pandemie keine erneute Bürgerversammlung durchgeführt werden. Allerdings war die Zustimmung im Vorfeld für den Hessentag 2020 nach den durchgeführten Versammlungen so groß, das wir glauben, dass das Ergebnis wieder eindeutig ausfallen würde.«

Hessentag 2025 in Bad Vilbel: Größenordnung

CDU: Im Jahr 2025 werde die neue Stadthalle zur Verfügung stehen, sodass man auf manches Zelt als Veranstaltungsort verzichten könne. »Ansonsten wird man in den nächsten Jahren beobachten müssen, wie sich der Hessentag und Großveranstaltungen grundsätzlich weiterentwickeln«, sagt Fraktionsvorsitzende Irene Utter.

FDP: »Die Größe des Hessentags, der nunmehr annähernd anderthalb Wochen mit einer extremen Veranstaltungsdichte dauert, ist es wert, überprüft und reduziert zu werden«, teilt Erich Schleßmann mit.

SPD: »Für uns ist nicht in Stein gemeißelt, dass der Hessentag zehn Tage lang sein muss. Es ist durchaus denkbar, dass es zu einer Reform des Hessentags kommen kann, unter Umständen reichen sechs Tage aus«, sagt Christian Kühl. »Ob dies schon für den Hessentag 2025, der zumindest finanziell, wohl der letzte sein wird, für den die momentanen Konditionen zugesagt sind, gilt, sollte man in der nächsten Zukunft ernsthaft diskutieren.«

Grüne: Die Grünen setzen sich für einen kleineren Hessentag ein. »Aus unserer Sicht braucht es keine riesige Bühne mit internationalen Stars. Man braucht eher einen barrierefreien Hessentag, an dem auch Menschen mit Behinderungen und Sinneseinschränkungen willkommen sind und sich zurechtfinden. Ein Hessentag für die Hessen, aber auch für die Bad Vilbeler. Wir streben nicht nach Besucherrekorden, sondern eher nach Qualität und schönen, anregenden Tagen in der Quellenstadt«, sagt Jens Matthias.

FW: »Ob der Hessentag in den nächsten Jahren in der gleichen Form wie bisher ausgetragen werden wird, ist eine Entscheidung des Landes«, sagt Raimo Biere. »Natürlich kann und sollte das Land über eine abgespecktere Form nachdenken. Aber als Stadt müssen wir nach den Vorgaben des Landes durchführen und können dieses nicht eigenmächtig entscheiden.«

Hessentag 2025 in Bad Vilbel: Finanzen

CDU: »In dem Programm ›Lebendige Zentren‹, in welches Bad Vilbel vor allem aufgrund des Hessentags 2020 aufgenommen wurde, haben wir schon eine Aufgaben- und Investitionsliste erstellt, die es abzuarbeiten gilt. Die Umgestaltung des Umfelds des neuen Südbahnhofs ist uns eine großes Anliegen«, sagt Irene Utter. Weitere Projekte, die gefördert werden können, werde man mit der Landesregierung besprechen müssen. »Sie sind Teil eines Prozesses, an dem wir auch die Bürger beteiligen wollen.«

FDP: Die Steigerung der Attraktivität der Stadt im Zentrum werde weiterhin im Vordergrund stehen wie auch die Kultivierung des Kurparks als Aufenthalts- und Begegnungsbereich der Bürger unter Einbeziehung des Burgparks und der weiteren Ausgestaltung der Burgfestspiele. »Eine sich entwickelnde Stadt in der Lage wie Bad Vilbel im Randbereich Frankfurts braucht ein integrierendes und identitätsstiftendes attraktives Zentrum«, sagt Erich Schleßmann.

SPD: »Über die Investitionen sollte man sich intensiv austauschen«, sagt Fraktionsvorsitzender Christian Kühl. »Mit Sicherheit sollte man das schon bestehende ISEK-Programm weiterführen, jedoch mit Schwerpunkten auf eine klimafreundliche Innenstadt. So sollte man den neuen Park entlang der Wiesengasse bis zum Südbahnhof als Naherholungsfläche gestalten.« Weiter gelte es, Maßnahmen zu treffen wie die Begrünung der Innenstadt. »Ebenfalls befürworten wir ein Wasserspielplatz im Burgpark.«

Grüne: »Wir müssen möglichst viel in die Verbesserung der Infrastruktur, insbesondere in die Mobilitätswende in Bad Vilbel stecken«, sagt Jens Matthias. Die Stadtteile müssten besser mit dem ÖPNV an die Innenstadt angebunden werden, auch an Sonntagen. »Die Radwege sollten zügig ausgebaut werden, um Straße vom motorisierten Individualverkehr zu entlasten. Wenn es gelingt, einen Bürgerprozess zum Hessentag mit dem Motto ›Eine Stadt wächst zusammen‹ hinzubekommen, dann sollten wir auch nach dem Hessentag die neu entstandenen Strukturen unterstützen und fördern.«

Freie Wähler: »Da sich viele Förderprogramme für den diesjährigen Hessentag noch in der Umsetzung des Programms ›Aktive Kernbereiche‹ befinden, ist es für eine konkrete Entscheidung, wofür neue Fördermittel verwendet werden sollen, noch zu früh«, sagt Raimo Biere. »Hier werden die parlamentarischen Gremien in Bad Vilbel sicher in nächster Zeit entsprechende Vorschläge erarbeiten.«

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