Infos zum Hessentag

Hessentag bringt Einschränkungen

  • VonThomas Kopp
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Ein Jahr der Vorbereitung ist rum, rund anderthalb Jahre haben die Planer des Hessentags in Bad Vilbel noch Zeit, um das große Fest bis ins Detail zu planen. Für die Bad Vilbeler werden die zehn Festtage mit einigen Einschränkungen verbunden sein.

Vom 5. bis 14. Juni 2020 wird in Bad Vilbel einiges anders laufen als gewohnt. Dafür aber kann die Stadt nach Auffassung des Hessentagsbeauftragten Claus-Günther Kunzmann mit einem nachhaltigen Impuls für viele Jahre rechnen. Das versuchten Kunzmann und weitere Vertreter der Stadt den rund 150 Anwesenden in der Bürgerversammlung am Dienstagabend im Kultur- und Sportforum zu vermitteln.

Wer kurz vor, während und kurz nach den zehn Festival-Tagen zur Arbeit, zur Schule oder aus anderen Gründen in der Stadt unterwegs ist, wird sich umstellen müssen. »Der Hessentag ist für die ausrichtende Stadt immer Ausnahmezustand. Dafür geht es allerdings nur um wenige Tage«, schenkt Kunzmann einer Bürgerin reinen Wein ein. Die hatte gefragt, wie ihr Sohn denn während des Festes quer durch die Stadt zu seiner Schule in Dortelweil kommen soll.

Südbahnhof vielleicht gesperrt

Erschrocken hatte sich die Bürgerin – wie viele andere auch – als sie vom Ausmaß der verkehrlichen Einschränkungen erfuhr. Denn derzeit wird etwa diskutiert, ob der Südbahnhof während des Festes überhaupt angefahren wird. Laut Verkehrsplaner Michael Dinter vom beauftragten Architektenbüro Albert Speer und Partner hat die Bahn Sicherheitsbedenken. Denn Menschenmassen vertrage der hölzerne Übergang über die Gleise nicht. Und in Spitzenzeiten werden 7000 Gäste pro Stunde erwartet. Die meisten sollen bewusst mit Bahn oder Bus anreisen.

Doch auch für die Busse gibt es Einschränkungen. So wird nur die 61er-Vilbus-Linie eine Innenstadt-Schleife fahren. Die anderen Linien kommen nicht durch den Stadtkern, die Dortelweiler Linie etwa soll am Einkaufszentrum in der Nähe des Bahnhofs enden, der Zentrale Busbahnhof kann nicht benutzt werden. Er dient als Einfalltor für die Besucher des Hessentags. Der Gronauer Bus wird an der Lehmkaute enden. Auch für die Massenheimer und die Heilsberger Linie ist in der Kasseler oder der Frankfurter Straße am Biwer-Kreisel Endstation.

Büdinger Straße nicht befahrbar

Diese beiden Straßen, die L3008 (Büdinger Straße), Teile der Friedberger Straße und weitere Bereiche der Innenstadt sind während des Hessentags nicht befahrbar. Spezielle Zufahrtberechtigungen für Anwohner beziehungsweise Ausweichparkplätze würden noch erörtert, führt Dinter aus.

Noch nicht abgeschlossen sind die Flächenplanungen. Doch zeichnet sich ein Band vom Dottenfelderhof bis zum Kurpark ab. Davon außerhalb befinden sich die Flächen für Sport und Vereidigung von Polizeibeamten sowie die Hessentagsarena mit einem Fassungsvermögen von 20 000 Menschen.

In unmittelbarer Nähe ist auch der größte von drei Parkplätzen geplant, der 5200 Autos aufnehmen soll. Weitere Parkplätze gibt es in Richtung Gronau mit 3000 Stellflächen und nördlich der Stadtwerke in Dortelweil mit 1800 Plätzen. Alle Parkplätze werden mit Shuttlebussen angebunden. Hinzukommen sollen 7000 bis 8000 Stellplätze für Fahrräder auf dem Hessentagsgelände.

Am bequemsten haben es Besucher, die mit der Bahn anreisen. Auf einem Rundweg können sie vom Bahnhof das Hessentagsgelände abmarschieren und landen am Ende wieder am Bahnhof. Die Erweiterung der Bahnstrecke um zwei Gleise soll in dieser Zeit ruhen, schildert Erster Stadtrat Sebastian Wysocki. Neben den S-Bahnen sollen auch die Regionalbahnen und die Regional-Expresszüge vermehrt Stopps in Bad Vilbel einlegen.

Doch die Entbehrungen lohnten sich. So zählt Kunzmann eine Reihe von Projekten auf, für die die Stadt nun Förderungen erhalte. Diese wären sonst – ohne Hessentag – nicht zu bekommen.

Meinung

"Ausnahmezustand"

Dass die Bad Vilbeler Sorgen haben, was dort im Juni 2020 auf sie zukommt, ist verständlich. Als Gastgeber müssen sie Einschränkungen in Kauf nehmen. Der Weg zur Arbeit, zur Schule, zum Einkauf wird beschwerlich. Der öffentliche Nahverkehr ist eingeschränkt, Fußwege sind unumgänglich. Manche müssen ihr Auto mehrere Hundert Meter entfernt von ihrer Wohnung abstellen. Als der Hessentag 2007 in Butzbach Station machte war die Stimmung ähnlich. Dort behinderten Verkehrsbauprojekte die Einwohner bereits im Vorfeld des Festes. Kann eine Stadt während des »Ausnahmezustandes« überhaupt funktionieren, fragten sich viele. Ja, kann sie. Mit der Eröffnung des Hessentags waren die Sorgen verflogen. Zehn Tage später spürte man in der Stadt eine große Zufriedenheit. Die Butzbacher hatten ihre Gastgeberrolle bestens ausgefüllt. Viele Freiwillige halfen bei Veranstaltungen aus, halfen den Besuchern bei der Orientierung. Und viele Butzbacher zog es selbst zu den Veranstaltungen mit Aerosmith, Udo Jürgens, Silbermond, Die Fantastischen Vier und vielen anderen. Den Effekt spürte die Stadt noch Jahre später. Denn zahlreiche Gäste kamen wieder. Die vorher oft verstopfte Innenstadt war durch die Verkehrsprojekte zügiger zu durchfahren. Wer kann, sollte im Juni 2020 zehn Tage Urlaub nehmen, um die eigene Stadt einmal ganz anders zu erleben. Wer nicht kann, sollte das Beste daraus machen und sich auf die zahlreichen kleinen und großen Veranstaltungen freuen. Und wer davon nichts wissen will, sollte trotzdem Urlaub nehmen. Und wegfahren. (kop)

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