Stadthallenbau

Hessentag 2020: Nach Stadthallen-Aus hat Bad Vilbel neues Ziel

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Die Ankündigung Stadtrat Klaus Minkel hat ein breites Echo ausgelöst: Die Bad Vilbeler Stadthalle wird bis zum Hessentag 2020 nicht fertiggestellt sein. Nun strebt die Stadt ein neues Ziel an.

Ein "hausgemachtes Problem" oder einfach "zu umfangreich"? Unterschiedliche Annahmen gibt es seitens der Kommunalpolitik, warum die neue Stadthalle hinter dem Kurhaus bis zum Hessentag nicht fertig wird. Am Donnerstagabend hatte Stadtrat Klaus Minkel das bestätigt, was viele schon geahnt haben. Ein Hessentag ohne Stadthalle? Kein Problem, heißt es seitens des Stadtsprechers Yannick Schwander. "Die Angabe, dass die Stadthalle das zentrale Projekt sei, war nie so zu verstehen, dass das der zentrale Veranstaltungsort sein sollte." Vielmehr sei die neue Halle am Kurhaus das zentrale Investitionsprojekt, für das die Stadt erhebliche Zuschüsse vom Land erwarte.

Veranstaltungsorte für das Fest der Hessen habe man dagegen genug. Schwander nennt gegenüber dieser Zeitung die große Arena, die auf dem geplanten Segmüller-Areal im Quellenpark vorgesehenen ist. Zudem werde es ein kleineres Festzelt gegenüber dem Dottenfelder Hof geben. Die geplante Vereidigung der neuen Polizisten sei auf dem Niddasportfeld geplant, die politischen Gremien wie Kabinett und Fraktionen, sollen während der zehn Tage im Kultur- und Sportforum tagen. "Wir haben von vornherein ohne die Stadthalle geplant", sagt Schwander. Insofern müsse es auch keinen Plan B geben.

Ziel: Keine Großbaustelle am Hessentag

Die Stadt hat jetzt ein Ziel: "Wir wollen bis zum Hessentag dort keine Großbaustelle mehr haben." Sprich: Die Hessentagsbesucher sollen nicht auf die Baustelle treffen, wenn sie durch den Kurpark in Richtung Kurhaus und Stadthalle laufen.

Genau das befürchtet aber die SPD. Deren Fraktionsvorsitzender Christian Kühl meint, "dass es einen Hessentag zwischen Baukränen und Baggern gibt". Es seien neben der Stadthalle noch neue Wohngebiete, "eventuell die Therme und das Springpark Valley" geplant. "Vielleicht sollte man zumindest das letzte Projekt, wenn es überhaupt umgesetzt wird, nach dem Hessentag beginnen", schlägt er vor.

Kathrin Anders, Grünen-Fraktionsvorsitzende, sagt, es sei "von Anfang an eine Illusion" gewesen, "dass es gelingen kann, die Stadthalle zum Hessentag fertig zu haben. Unter dem Druck des Hessentages konnte es ja nicht schnell genug gehen. Ruck-zuck war das Hallenbad abgerissen, der Kurpark West gerodet und alles mit dem Ziel, zum Hessentag fertig zu sein. Mit einer realistischeren Planung hätten wir die Übergänge vom alten Kurhaus zur Stadthalle und vom Schwimmbad zum Kombibad besser gestalten können". Offenbar hätten die Stadtoberen "mit dem Kopf durch die Wand gewollt". Nun müssten sie den Bürgern erklären, "warum die Besucher des Hessentages eher kahle Rohbauwände als eine schöne Stadthalle sehen werden".

FDP: Wer will 1000 Seiten lesen?

"Extrem ärgerlich", findet das Eingeständnis Minkels der FW-Fraktionsvorsitzende Raimo Biere. Er wirft den Verantwortlichen der Stadt vor, "es wieder versäumt" zu haben, direkt nach Gewerken und der VOB auszuschreiben. Hier hätte aufgrund der engen Termine eine externe Fachkraft beauftragt werden müssen, die möglichst kleinteilig ausschreibe. "Das Problem ist also nicht nur der guten Konjunktur geschuldet, sondern mal wieder hausgemacht."

Ganz anders die FDP, Koalitionspartner der CDU. Die zunächst gewählte Form der Ausschreibung für den Neubau der Stadthalle sei "nicht mehr marktgerecht". Sie sei zu umfangreich gewesen. "Derzeit ist doch kein Unternehmen bereit, über 1000 Seiten zu bearbeiten, weil dies nur Zeit und Geld kostet", so die beiden auch in der Bauwirtschaft erfahrenen FDP-Vorsitzenden Thomas Reimann (Partei) und Dr. Jörg-Uwe Hahn (Fraktion). Mit nur einem Bieter könne man nicht von einem Wettbewerb sprechen. Deshalb begrüße die FDP die Entscheidung Minkels, nach einzelnen Gewerken auszuschreiben. Das führe zu einem günstigeren Ergebnis, und die Zahl der Angebote werde größer sein.

CDU-Fraktionschefin Irene Utter hat die Aussage Minkels "wenig überrascht. Schon vor einem Jahr, als wir den Beschluss gefasst haben, wussten wir, dass alles auf den Punkt klappen muss, damit die Halle zum Hessentag fertig ist." Beim Bau müsse man allerdings immer mit Unvorhergesehenem rechnen, sagt Utter. "Insofern bin ich auch nicht wahnsinnig enttäuscht." Sie hoffe aber, "dass der Bau im Juni 2020 wenigstens von außen anzusehen sein wird".

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