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Auf geht's in die Natur: Der erste Bad Vilbeler Natura Trail wird eingeweiht.

Das heimische Paradies entdecken

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Bad Vilbel(app). Wie gebannt hält Naturführer Klaus Schermelleh inne und geht in die Knie. "Da haben wir doch schon einen", sagt er und zeigt auf ein unscheinbares Insekt, gut getarnt sitzt es am Boden. Was soll daran bloß besonders sein? "Jetzt passt mal auf und schaut hin", meint Schermelleh und scheucht das Insekt auf. Es fliegt davon und zeigt, was es besonders macht: Eine hellblaue Färbung der Flügel.

Hier auf dem Vilbeler Schießplatz hat die Blauflüglige Ödlandschrecke eine Heimat gefunden. Das seltene Insekt bevorzugt trockenen Boden, den gibt es hier im Sommer zur Genüge. Doch nicht nur am Schießplatz gibt es Besonderes zu entdecken. Eine Viertelstunde später ist der Aufstieg auf die Berger Wiesen gelungen. Die großen Kalktrockenrasenflächen am Waldrand bieten einen ganz bestimmten Lebensraum, in dem man seltene Tiere wie die Zauneidechse oder den Neuntöter erspähen kann. Bei den Vilbelern sind die Wiesen aber vor allem für ihre blühenden Orchideen bekannt, die sie zu den richtigen Zeiten dort finden können. Ein weiteres Highlight seien die riesigen Felder mit Herbstzeitlosen, die sich im Frühherbst hier ausbreiten, sagt Schermelleh.

Stellen wie diese sollen besser erschließbar gemacht werden, das ist das Ziel der Natura Trails der Naturfreunde. Die sogenannten FFH-Gebiete - Fauna-Flora-Habitat - sind besonders schützenswert und werden durch die Natura Trails der Naturfreunde erschlossen. Im Prinzip sind dies nichts anderes als Wanderwege, die diese Stellen verbinden und erlebbar machen. Unterstützt wird dies auch durch eine von den Jugendlichen vom Berufsbildungswerk Südhessen entwickelte Smartphone-Tour, die besonders für Jugendliche den Weg noch attraktiver gestalten soll.

Der am Sonntag eingeweihte Pfad führt vom Ritterweiher über die Berger Wiesen bis ins Gronauer Vogelschutzgebiet. 14 Kilometer pure Natur. "Die Vielfalt ist der wichtigste Punkt", erklärt Rainer Gilbert, der den Weg mitkonzipiert hat. "Jede der Stellen hat ihre ganz eigenen Vorzüge und Besonderheiten, doch gemeinsam ergeben sie ein wunderschönes und besonderes Ganzes."

Und das gilt es zu schützen, ist Jürgen Lamprecht, Vorsitzender der Naturfreunde Hessen, überzeugt. "Der Erhalt unserer Landschaft und der Vielfalt ist schon immer ein zentrales Anliegen unseres Vereins gewesen", sagt er. Andererseits muss man aber auch sehen, dass man enorme Artenrückgänge überall beobachten kann. Mehr Schutzgebiete und ein Verbot von Pflanzenschutzmitteln könnten hier viel erreichen.

Durch die Natura Trails wird die Aufmerksamkeit dafür gestärkt. "Oft denkt man, in einer Metropolregion sei kein Platz für Natur, doch weit gefehlt", sagt Bürgermeister Thomas Stöhr (CDU). "Bad Vilbel und die Region haben eine enorme Vielfalt an Landschaften zu bieten und dass dies durch das ehrenamtliche Engagement nun noch stärker erlebbar wird, das ist eine gute Sache." Auch der Wetterauer Landrat Jan Weckler (CDU) ist gekommen, er sieht in dem Pfad vor allem einen wichtigen Beitrag für das Umweltbewusstsein. "Gebiete abzusperren bringt oft sehr wenig", ist er überzeugt. "Wege wie diese schärfen auch das Bewusstsein, dass wir die Natur schützen müssen. Die Natura Trails der Naturfreunde zeigen aber vor allem: Man muss nicht weit wegfahren, um schöne Natur zu erleben. Der Garten Eden findet sich oft direkt vor der Haustür."

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