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Hanseatische Sommergeschichten

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Bad Vilbel (aho). Auch der vorübergehende Ausfall der Lautsprecher konnte Hans Scheibner nicht stoppen. Als alter Hase des deutschen Kabaretts brachte er die Sonntagsmatinee der Burgfestspiele souverän über die Bühne. »Bevor ich abkratz’, lach’ ich mich tot«, hieß das Programm, mit dem Scheibner nicht nur eingefleischte Fans in die Burgruine lockte.

»Ich muss natürlich mit Fußball anfangen«, so der Hamburger Kabarettist. Es kam der Klassiker von dem Mann, der seine Frau aus dem Fenster warf, weil er durch ihre vielen Fragen das wichtige Fußballspiel mit dem entscheidenden Tor in der 90. Minute kaum richtig verfolgen konnte.

Eigentlich Urgestein des politischen Kabaretts, wolle er in seinem neuen Programm »unpolitische Sommergeschichten« erzählen, erklärte Scheibner. Wie von einem unverstandenen Präsidenten, der zurücktrat, weil er die gesamte deutsche Geschichte »einschließlich Dieter Thomas Heck« nicht mehr auf seinem Rücken habe tragen wollen. Oder vom zurückgetretenen Ministerpräsidenten, der es nicht wie andere Politiker geschafft habe, »wenigstens ein ehrliches Gesicht zu machen«.

Von Bischof Walter Mixa wolle er gar nicht erst sprechen, riet aber jungen Menschen, einen großen Bogen um die Kirchen (»da leben Menschen mit sexuellen Problemen«) zu machen. Er dankte Gott, dass heutzutage niemand mehrgevierteilt werde, weil er auch noch über den Papst lache.

Ansonsten aber begnügte sich Hans Scheibner mit den vom hanseatischem Humor getragenen - wirklich eher unpolitischen - Geschichten. So erzählte er von der Hassliebe zu seinem Nachbarn, aufdessen sorgfältig geharktem Beet er immer extra mit dem Hund spazieren gehe, und von der darauf folgenden Eskalation. »Ich merke dadurch, was ich doch für ein boshafter Mensch bin.«

Beziehungsgespräche während einer Party gehörten ebenso zu seinen präsentierten Humoresken wie die Geschichte über die Katze Katinka, die nachts ihre Mäuse liebevoll ins Bett bringt.

Meist enden die Scheibner’schen Geschichten in nachdenklichen Pointen, die so kaum vorauszusehen waren. Wenn sich der ganze Pulverdampf dann endlich gelegt hat, bleibt unter dem Strich für den Zuhörer nur ein amüsiertes »Tja... so isses wohl...«.

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