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Kelterei

In Handarbeit zum edlen Stöffchen

  • vonChristine Fauerbach
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Jürgen Pfeiffer und Wolfgang Lazar haben aus ihrem Hobby einen Bio-Obstbaubetrieb in Karben und Bad Vilbel entwickelt. Ihr Markenzeichen sind vor allem die 27 Secco-Sorten.

Jürgen Pfeiffer und Wolfgang Lazar sind Apfelliebhaber. Seit mehr als vier Jahrzehnten keltern der Rendeler und der Vilbeler gemeinsam. Aus dem Hobby ist längst ein kleiner florierender Betrieb geworden. Derzeit ist wieder Hochsaison. Gerade sind sie viel auf ihren Streuobstwiesen in der südlichen Wetterau und der Main-Ebene unterwegs. Erntezeit, das ist Handarbeit, wie auch das Veredeln von Boskoop, Schafsnase, Rheinischer Bohnapfel und Co. Denn in die Presse der beiden, die in Bad Vilbel steht, kommen nur reife, per Hand geerntete, frische Äpfel, Birnen, Mispeln und Quitten - meist sortenrein.

BUND und NABU liefern Äpfel ab

Zusätzlich zur eigenen Ernte werden die Kelterer von BUND und NABU beliefert. "Die Äpfel vom BUND bauen wir zum "Karbener Secco" aus, die vom NABU aus Vilbel zum "Wingert Glück", erzählt Lazar. Gesagt, getan.

Gerade erst haben BUND-Mitglieder aus Karben mehrere Steigen mit Äpfeln gebracht. Schon tragen sie Pfeiffer und Lazar zur Bandpresse, wo Theodor Kratz wartet. Er unterstützt die beiden beim Keltern. Mit Schwung kippt der 20-Jährige die Äpfel ins Wasserbecken. Kratz ist einer der zertifizierten Landschaftsobstbauer des Obstbauvereins Bad Vilbel. Sein Blick schweift über die Früchte. Flugs greift er einige angefaulte Äpfel heraus. "Die kommen nicht in die Presse."

Nach dem Sortieren werden die Äpfel in kleine Stücke gemahlen. Es entsteht Maische, deren Saft bis auf den letzten Tropfen abgepresst wird. Der frische Süße läuft ins Fass. "Über den festen Trester freuen sich die Ziegen von Vincent Sellau", verrät Lazar

In dieser Saison sind die Äpfel eher klein. Die Trockenheit macht den Streuobstwiesen zu schaffen. "Wir haben sehr viele Äpfel, mit weniger Saft als in den Vorjahren. Dafür sind die Äpfel und Birnen süß."

Ihren ersten Apfelwein haben die beiden 1978 gekeltert. Damals wie heute legt das Duo großen Wert auf die frische Verarbeitung. Ihr Süßer, ihre Obstsäfte und ihr Apfelwein fand im Laufe der Zeit immer mehr Liebhaber. Auf der Suche nach neuen Produkten und einem Alleinstellungsmerkmal hatten die beiden eine folgenreiche Idee.

"Vor 13 Jahren haben wir aus unseren Fruchtsäften erstmals einen Perlwein hergestellt", erzählt Lazar. Für ihre ersten Seccos veredelten sie Sorten wie Boskoop, Gelber Edelapfel und Gewürzluiken. Vor zwölf Jahren gründeten sie ihre Marke "Pomolo Obstweine".

Inzwischen verarbeiten sie Äpfel, Birnen, Kirschen und Johannisbeeren zu ihren Obst-Seccos. Dazukommen Kompositionen mit Quitten, Mispeln und anderen Früchten.

Zehn Jahre nachdem sie ihr erstes eigenes Stöffche gekeltert hatten, richteten sich die beiden Wetterauer ihre eigene Kelterei in Bad Vilbel ein. "Seitdem pressen wir unsere Früchte erntefrisch. Damit erzielen wir eine gleichbleibend hohe Qualität", erklärt Jürgen Pfeiffer.

Qualität beginnt bei der Ernte

"Qualität und Geschmack hängen sehr stark von der Güte der verarbeiteten Früchte ab." Diese sichern sie sich durch den Anbau auf hochstämmigen Bäumen auf ihren eigenen Streuobstwiesen. Diese bewirtschaften sie nach ökologischen Leitlinien. Beweidete wird der Bestand hauptsächlich von Schafen, die zwischen den Bäumen grasen. "Wir müssen nur einmal im Jahr zur Sense greifen." Zur Blütezeit steuern die Bienen der Imker aus der Nachbarschaft die Streuobswiesen an.

Die Erntesaison beginnt Anfang September mit frühen Sorten wie Jakob Lebel, Jakob Fischer oder Delware und geht bis Anfang November mit späten Sorten wie Schafsnase, Rheinischer Bohnapfel oder Ontario. "Den Unterschied der Sorten, die Reife und Qualität der Verarbeitung schmeckt man beim Genießen auf der Zunge", sagt Pfeiffer.

Die beiden sind iexperimentierfreudig. Inzwischen stellen sie in ihrem Kleinbetrieb 27 Secco-Sorten her, davon sechs alkoholfreie sowie sortenreine und andere Kompositionen mit Wildfrüchten oder Mispeln, die das Duo anbaut.

"Ich kenne keine Kelterei, die so viele Secco-Sorten anbietet wie wir", sagt Lazar. "In der kommenden Woche pressen wir sortenreine Seccos aus den Sorten Boskoop und Kaiser-Wilhelm-Äpfeln. Letztere verarbeiten wir zum ersten Mal", erzählt Pfeiffer. Dann steigt die Spannung, wie sich der Geschmack entwickelt.

Gleich zwei Goldmedaillen gab’s für den Vilbeler Jürgen Pfeiffer und den Rendeler Wolfgang Lazar bei der Internationalen Apfelweinmesse "CiderWorld" im Sommer in Frankfurt. Die beiden Perlweine "Birnen-Secco Gute Luise" und "Apfel-Quitte-Secco" sind für ihren top-Geschmack ausgezichnet worden.

Für die beiden Kelterer aus dem Süden der Wetterau ist es nicht die erste Anerkennung ihrer Arbeit. "Wir sind mit unseren Seccos seit dem Start der CiderWorld-Messe 2011 vertreten. Die Jury hat unsere Erzeugnisse regelmäßig prämiert", erzählt Wolfang Lazar.

"Bereits 2018 kürten die Juroren unseren "Apfel-Mispel-Secco" mit der "CiderWorld Medal 2018" zum weltbesten Obst-Secco", sagt Jürgen Pfeiffer. Seit mehr als 40 Jahren keltern die beiden gemeinsam die Ernte von ihren Streuobstwiesen und denen von Nabu und BUND. cf

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