Panische Kunden und ausverkaufter Mundschutz? Dr. Julian Rosenberger erlebt in der Bad Vilbeler Süd-Apotheke das gestiegene Interesse an Desinfektionsmitteln gleich mehrfach am Tag und rät zur Gelassenheit. FOTO: PATRICK EICKHOFF
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Panische Kunden und ausverkaufter Mundschutz? Dr. Julian Rosenberger erlebt in der Bad Vilbeler Süd-Apotheke das gestiegene Interesse an Desinfektionsmitteln gleich mehrfach am Tag und rät zur Gelassenheit. FOTO: PATRICK EICKHOFF

Coronavirus

Hände waschen statt Mundschutz

  • vonPatrick Eickhoff
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Das Coronavirus breitet sich aus. Freitag wurde der erste Fall in Mittelhessen bestätigt. Bricht jetzt Panik aus? Ein Blick auf die Situation des örtlichen Einzelhandels sowie der Apotheken zeigt, die Hysterie ist vereinzelt in der Wetterau angekommen.

In der Bad Vilbeler Süd-Apotheke an der Frankfurter Straße ist etwas mehr los als in den vergangenen Tagen. Gleich mehrere Kunden stehen an den Kassen. "Aber Panik erleben wir keine", sagt Mitarbeiter Hans-Joachim Rüblinger. "In den Beratungsgesprächen spürt man ab und an eine gewisse Unsicherheit, denn die Kunden möchten vorbereitet sein, falls sich das Coronavirus ausbreitet." Deshalb sind Desinfektionsmittel und Mundschutz meist relativ schnell vergriffen. Inhaber Dr. Julian Rosenberger kann das nachvollziehen: "Das Thema ist momentan sehr präsent in den Medien, und gerade gesundheitlich Vorgeschädigte versuchen, sich besonders zu schützen."

Der 33-Jährige beruhigt: "Man muss der ganzen Thematik etwas Wind aus den Segeln nehmen, das ist auch unsere Pflicht als Apotheker." Es sei wichtig, weiterhin an gewisse Regeln zu appellieren. "Wer sich gründlich die Hände wäscht und daran denkt, in die eigene Armbeuge zu husten, ist viel sicherer, als er wahrscheinlich denkt. Das hilft mehr, als panisch Mundschutz und Desinfektionsmittel zu kaufen." Beides ist seit einiger Zeit auch in der Süd-Apotheke ausverkauft. "Es wird zwar immer wieder danach gefragt, doch auch wir sind auf die Händler angewiesen", sagt Rosenberger.

Dennoch sind die beiden beruhigt, dass sich keine absolute Panik bei den Kunden eingestellt hat. "Sie informieren sich über verschiedene Produkte, aber es hält sich in Grenzen", sagt Hans-Joachim Rüblinger. Nichtsdestotrotz fragt fast jeder zweiter Kunde mittlerweile nach Desinfektionsmittel. "Das hat natürlich in den vergangenen Wochen zugenommen", ergänzt Rosenberger. Deshalb hat man in der Süd-Apotheke reagiert. "Wir verteilen jetzt auch ein Informationsblatt von unserem Dachverband, und natürlich reden wir mit unseren Stammkunden über die Thematik. Man muss sich auch vor Augen halten, wer besonders betroffen sein könnte. Das sind nunmal Vorgeschädigte, Ältere oder Menschen mit schwachem Immunsystem."

Auch in den Drogerien ist der Ansturm auf Hygiene-Produkte registriert worden. "Wir beobachten, dass die Nachfrage stark steigt", sagt dm-Geschäftsführerin Kerstin Erbe, verantwortlich für das Ressort Produktmanagement,. "Wir bieten Hygieneartikel wie Tücher und Gele sowie Desinfektionsspray an, aber der Mundschutz von Mivolis derzeit nahezu nicht mehr verfügbar." Die Geschäftsführerin der Kette, die auch in Karben und Bad Vilbel jeweils einen Standort hat, gibt Entwarnung: "Wir arbeiten bereits daran, die Verfügbarkeit der Produkte in unseren dm-Märkten sicherzustellen." Und auch bei Rossmann hat man die Situation im Blick. "Wir beobachten eine erhöhte Nachfrage von bestimmten Produkten und stehen hierzu im engen Austausch mit unseren Lieferanten", teilt Unternehmenssprecherin Kim Güttler mit.

Auch in der Süd-Apotheke haben sie schnell reagiert. "Als wir gemerkt haben, dass die Nachfrage immer größer wird, haben wir nachbestellt", sagt Dr. Julian Rosenberger. "Und falls wirklich extreme Not und Panik herrschen sollte, haben wir Rohstoffe, aus denen wir selbst Desinfektionsmittel herstellen können."

Im Bad Nauheimer Kaufhaus Weyrauch sieht es ähnlich aus. "Die Grundversorgungsmittel sind gefragter als in der vergangenen Wochen", registriert Sören Weyrauch. Desinfektionsmittel und weitere Hygieneartikel gehen seit Wochen vermehrt über die Ladentheke. "Besonders der Mundschutz ist eigentlich seit dem Ausbruch des Virus in China deutlich gefragter." Und ab und an erlebt Sören Weyrauch dann tatsächlich auch mal etwas Panik bei den Kunden. "Da gibt es den ein oder anderen, der dann durchaus mal ein Sixpack Wasser oder eine Packung Toilettenpapier mehr mitnimmt", sagt er. "Von einer großen Hysterie würde ich dennoch nicht sprechen."

Hans-Joachim Rüblinger ist froh, dass sich die Aufregung bisher in Grenzen hält. "Es geht auch erstmal darum, dass die Wissenschaft sich damit beschäftigt und schaut, wie es sich verbreitet und weshalb." Das sieht auch Rosenberger so: "Gerade was die Infektionsursachen angeht, muss man abwarten, wie es sich entwickelt." Doch auch innerhalb der Apotheke muss gereinigt werden. "Auch wir brauchen ein Grundlevel an Sauberkeit und desinfizieren bei uns." Von einer übertriebenen Panikmache hält der 33-Jährige nicht viel. "Es ist wichtig, die Kunden zu informieren, aber dabei nicht zu übertreiben." Wann es wieder Desinfektionsmittel und Mundschutz gibt, kann der Apotheker nicht abschätzen. "Momentan sagen die Händler, dass es keine gibt. Sobald dies der Fall sein sollte, bestellen wir natürlich."

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