Brunnenbohrungen

Grundwasser mit Nitrat belastet

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Viel zu hohe Nitratwerte im Grundwasser hat der VSR-Gewässerschutz bei Brunnenwasserproben festgestellt, die im Juni in Bad Vilbel beim Labormobil abgegeben wurden. Wer ist Verursacher?

In mehreren Proben lag die Nitratkonzentration oberhalb des Grenzwertes der deutschen Trinkwasserverordnung von 50 Milligramm pro Liter.

Das Wasser aus sieben privat genutzten Brunnen aus dem Raum Bad Vilbel wurde analysiert. Der Verein VSR-Gewässerschutz kritisiert, dass bei den großen gewerblichen Biogasanlagen die den Betrieb verlassenden Stickstoffmengen nicht transparent und kontrollierbar seien. Die als Ergänzung zur Düngeverordnung beschlossene Stoffstrombilanz müsse nur von landwirtschaftlichen Betrieben zur Überprüfung vorgelegt werden. Damit könnten die gewerblichen Biogasanlagen weiter ganz legal zur erheblichen Belastung des Grundwassers beitragen.

Nicht zum Trinken geeignet

Die Mitglieder vom VSR-Gewässerschutz fanden 109 Milligramm Nitrat pro Liter in einem privat genutzten Brunnen in Bad Vilbel. Das Wasser ist wegen der Überschreitung der Trinkwasserverordnung nicht mehr zum Trinken geeignet. Auch zum Befüllen eines Fischteiches ist es nicht geeignet. Es bestehe die Gefahr, dass es zur Massenvermehrung von Algen komme. Diese könnten beim Absterben zum Fischsterben führen. Beim Bewässern mit nitratbelastetem Grundwasser müsse man bei der Düngung bedenken, dass es durch das Gießwasser zu einer zusätzlichen Nitratzufuhr komme.

Gewerbliche Biogasanlagen verfügten meistens über keine eigenen landwirtschaftlichen Flächen. Daher sei es gerade dort nötig, dass die Nährstoffe, die in den Betrieb kommen und diesen verlassen, kontrollierbar seien, schreibt Diplom-Physiker Harald Gülzöw. Aus landwirtschaftlichen Betrieben von nah und fern würden Gülle, Mais und andere Rohstoffe zur Energiegewinnung angeliefert – bereits hier sei die Menge der Nährstoffe, die in die Biogasanlage gelangen, nicht klar. Die nach der Gärung anfallenden Reststoffe, sogenannte Gärreste, würden wiederum an Landwirte abgegeben und von diesen auf den Feldern zur Düngung eingesetzt. Dabei muss ab 2018 – genauso wie bei Gülle – die Höchstmenge von 170 Kilo Stickstoff pro Hektar eingehalten werden.

Biogasanlagen Mitverursacher

»Aus den Erfahrungen mit der Gülle aus flächenlosen Massentierhaltungen wissen wir wie schwierig die gesetzliche Umsetzung einer bedarfsgerechten Düngung ist, wenn unkontrollierbare Stickstoffmengen verschoben werden. Deshalb muss hier schnell gehandelt und nicht die gleichen Fehler wiederholt werden«, sagt Susanne Bareiß-Gülzow, Vorsitzende im VSR-Gewässerschutz.

»Landwirtschaftliche Betriebe mit Biogasanlagen müssen ab 2018 die Ein- und Ausgänge der Nährstoffe am Hof in einer Stoffstrombilanz protokollieren. Es ist nicht nachvollziehbar, warum die gewerblichen Biogasanlagen davon ausgenommen wurden«, sagt Bareiß-Gülzow. Die Bürger hätten ein Recht auf sauberes Wasser. Da es für die Wasserversorger in der Zukunft immer aufwendiger werde, Wasser zu liefern, das den Grenzwert von 50 Milligramm pro Liter Nitrat einhält, werden die Preise für Leitungswasser steigen. Besonders ärgerlich sei dabei, dass viele Bürger heute schon wegen der starken Grundwasserbelastung im Garten immer häufiger statt Brunnenwasser Leitungswasser nutzen müssten.

Damit in Zukunft die Nitratbelastung im Grundwasser müsse die Biogasbranche umdenken. Der VSR-Gewässerschutz möchte mit seinen Messungen dazu beitragen, dass die Notwendigkeit einer Änderung der Düngerausbringung akzeptiert wird. Es müsse in den belasteten Regionen zu einem Informationsaustausch zwischen Bürgern, Biogasproduzenten und Landwirten kommen.

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